19 neue Arten von Wirbellosen in den Tessiner Weinbergen entdeckt

Exemplar einer Aconurella prolixa, eine in der Schweiz neue Art, entdeckt im Rahmen des Projekts BioDiVine <br>Foto Gernot Kunz <br>

Das Projekt mit der Bezeichnung BioDiVine untersucht, welche Faktoren die Diversität von Pflanzen und Invertebraten in den Weinbergen beeinflussen. Sein Ziel ist die Bereitstellung von Informationen über die Bedeutung der Weinberge für die Natur und über die Möglichkeiten zur Erhaltung dieses Naturerbes.

Die Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW und des Kantonalen Naturhistorischen Museums MCSN haben in den Weinbergen der italienischen Schweiz eine überraschende Artenvielzahl von Invertebraten festgestellt. Konkret haben sie 11 Spinnenarten, 7 Arten von Zikaden und 1 Käferspezies entdeckt, die bisher noch nie in unserem Land dokumentiert wurden.

Einige dieser neuen Arten sind in anderen Ländern beheimatet, insbesondere im Mittelmeerraum. Für ihre Verbreitung in der Schweiz hat vermutlich der Mensch gesorgt, und der Klimawandel hat das Seine dazu beigetragen. Andere Arten hat es wahrscheinlich schon früher bei uns gegeben, sie wurden aber nie wissenschaftlich erhoben. Generell handelt es sich um völlig unschädliche Spezies. Einige von ihnen könnte sich der Mensch zur Kontrolle der Rebenschädlinge zunutze machen.

Die grösste Biodiversität (Anzahl von Arten) von Pflanzen und Wirbellosen fand sich in den Weinbergen an Schräghängen. Dies beruht vermutlich auf dem Vorhandensein begrünter Böschungen, die in den Weingütern in der Ebene fehlen, sowie auf der am Hang üblichen weniger intensiven Bewirtschaftung.

Weinberge sind Gebiete, die seit Jahrhunderten vom Menschen geschaffen und gepflegt wurden. Im Landschaftsbild südlich der Alpen sind sie ein wichtiges Element. Auf einer Ausdehnung von über 1‘000 Hektar wachsen die Trauben für die besten Schweizer Merlots.

Die Biodiversität stellt eine Art natürliches Immunsystem dar, das den Weinbergen eine Art Selbstregulierung ermöglicht. So bleibt die Zahl der Rebenschädlinge auf natürliche Weise in akzeptablen Grenzen, die mit den Produktivitätsanforderungen vereinbar sind. Der Aufrechterhaltung der Biodiversität in landwirtschaftlichen Gebieten kommt somit neben der ethischen und sozialen Bedeutung auch ein wirtschaftlicher Stellenwert zu.

Kontaktpersonen:

Marco Moretti, WSL Bellinzona, Tel. 079 237 07 13, marco.moretti@wsl.ch
Valeria Trivellone, WSL Bellinzona, Tel. 079 948 68 82, marco.moretti@wsl.ch
Gottardo Pestalozzi
Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL
Facheinheit Kommunikation
Zürcherstrasse 111
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T +41 44 739 22 40
M +41 79 224 20 18
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