Trockenheit beeinträchtigt mediterrane Trüffelernte

Zusammenhang zwischen Mediterraner Trüffelernte (Jährliches Mittel der Erntemengen aus Spanien, Frankreich und Italien; schwarz), der Niederschlagssumme und dem Temperaturmittel (blau und rot).<br><br>Grafik: Eidg. Forschungsanstalt WSL<br>

Ein Vergleich der jährlichen Ertragszahlen von Périgord-Trüffeln in einzelnen Regionen Nordost-Spaniens (Aragonien), Süd-Frankreichs (Périgord) und Nord-Italiens (Piemont und Umbrien), den drei wichtigsten europäischen Anbauländern mit meteorologischen Aufzeichnungen seit den 1970er Jahren, zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Sommerklima und den darauf folgenden Trüffel-Erntemengen.

Gleichzeitig liess sich eine Abhängigkeit zwischen der Häufigkeit dieser kulinarisch begehrten wildwachsenden Speisepilze und dem Wachstum ihrer Wirtsbäume nachweisen. Fällt zwischen Juni und August bei relativ geringen Temperaturen viel Niederschlag, ist mit einem gesteigerten Eichenwachstum und einer guten Trüffelernte zu rechnen. Sind die Sommer jedoch trocken und heiss, wirkt sich dies nicht nur negativ auf das Baumwachstum aus, sondern auch auf die winterliche Pilzproduktion zwischen November und Februar.

Périgord-Trüffel bald auch in der Schweiz?

Unter Berücksichtigung zahlreicher Klimamodelle erwarten die Forscher eine weitere Zunahme der Trockenheit im Mittelmeerraum und einen dadurch anhaltenden Rückgang der Périgord-Trüffel in Spanien, Frankreich und Italien. Gleichzeitig betonen sie aber auch, dass durch den anhaltenden Klimawandel, der sich im Mittelmeerraum bereits heute negativ auf viele Waldökosysteme auswirkt, nördlich der Alpen günstigere ökologische Bedingungen für Trüffel zu erwarten sind. Sowohl das natürliche Vorkommen von Périgord-Trüffeln als auch deren Anbau in sorgfältig angelegten und gepflegten Plantagen könnte sich klimabedingt Richtung Norden verschieben, auch in die Schweiz.

Diese Prognose deckt sich mit neusten Erkenntnissen aus der Schweiz und Süddeutschland, die nicht nur eine allgemeine Zunahme des Pilzwachstums beschreiben, sondern besonders auf das unerwartet häufige Vorkommen von Burgunder-Trüffeln (Tuber aestivum) nördlich der Alpen aufmerksam machen. Diese bei uns heimische Trüffelart könnte in Zukunft stark an kulinarischer und somit wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen.

**Kasten**
Die Gründe für die stetig abnehmende Trüffelproduktion während der letzten 40 Jahre waren bisher nicht bekannt. In den traditionellen Anbaugebieten Spaniens (Aragonien und Katalonien), Frankreichs (Périgord) und Italiens (Piemont und Umbrien) führte dies nicht nur zu lokaler Verunsicherung, sondern trieb global die Preise für den begehrten kulinarischen Leckerbissen in die Höhe. Mit bis zu 2,000 €/kg gehört der Périgord-Trüffel zu den kostbarsten Delikatessen. Besseres Verständnis über Klima-Wachstumsbeziehungen von Trüffeln ist von grossem wissenschaftlichen Interesse und direkter ökonomischer Bedeutung. Der Verlauf zukünftiger Trüffelerträge dürfte die Wirtschaftskraft vor allem strukturschwacher, ländlicher Regionen im Mittelmeerraum schwächen.

Wissenschaftliche Publikation
Büntgen, U; Egli, S; Camarero, J.J.; Fischer, E.M.; Stobbe, U.; Kauserud, H.; Tegel, W; Sproll, L.; Stenseth, N.C. (2012): Drought-induced Périgord black truffle decline. Nature Climate Change.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften

Weltweite, wissenschaftliche Einrichtungen forschen intensiv für eine zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Themen: Bioenergie, Treibhausgasreduktion, Renaturierung und Landnutzungswandel, Tropenwälder, Klimaschäden, Waldsterben, Ernährungssicherung, neue Züchtungstechnologien und Anbausysteme, Bioökonomie, Wasserressourcen und Wasserwiederverwendung, Artenvielfalt, Pflanzenschutz, Herbizide und Pflanzenschädlinge, digitale Land- und Forstwirtschaft, Gentechnik, tiergerechte Haltungssysteme und ressourcenschonende Landwirtschaft.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Brustkrebs-Charakterisierung mit KI

Forschende des Paul Scherrer Instituts PSI und des Massachusetts Institute of Technology MIT nutzen künstliche Intelligenz, um die Einordnung von Brustkrebs zu verbessern. Krebs ist nicht gleich Krebs. Manche Tumore…

Partikelgrößenverteilung im laufenden Mahlprozess messen

Die Wirkungsweise von Pharmazeutika, die Effizienz von Katalysatoren oder die Farbwirkung und Funktionalität von Drucktinten hängen auch von der Größe der darin enthaltenen Nanopartikel ab. Doch es fehlt an Methoden,…

Was bei der Vorhersage der Arzneiwirkung passiert

Forschungsticker Uni Bonn: Welcher Arzneimittelkandidat hat die beste Wirksamkeit für eine bestimmte Erkrankung? Solche Vorhersagen werden am Computer bearbeitet – mit Hilfe des Maschinellen Lernens und anderer Ansätze der Künstlichen…

Partner & Förderer