Mosaiklandschaften fördern funktionelle Vielfalt bei Insekten und Spinnen

Ackerhummel auf Rotklee. Foto: Catrin Westphal

Kleinräumige Landschaftsstrukturen sind aufgrund der fortschreitenden landwirtschaftlichen Intensivierung selten geworden, dennoch sind sie von besonderer Bedeutung für die Zusammensetzung vielfältiger Artengemeinschaften im Grünland.

Insekten und Spinnen übernehmen dort wichtige Ökosystemfunktionen, wie zum Beispiel biologische Schädlingskontrolle oder Bestäubung, die durch Lebensraumverluste und intensive Flächenbearbeitung zunehmend eingeschränkt werden.

Wie ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung der Universität Göttingen herausgefunden hat, können kleinräumig strukturierte Lebensräume in der Agrarlandschaft die negativen Effekte intensiven Grünlandmanagements ausgleichen und dazu beitragen, diverse Artengemeinschaften und ihre vielfältigen Ökosystemfunktionen im Grünland zu erhalten und zu fördern. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.

Im Rahmen des DFG-Projekts „Exploratorien zur funktionellen Biodiversitätsforschung“ haben die Wissenschaftler aus Göttingen sowie den Technischen Universitäten München und Darmstadt und den Universitäten Freiburg und Würzburg die Auswirkungen der Zusammensetzung und räumlichen Struktur der Agrarlandschaft sowie der lokalen Landnutzungsintensität auf die funktionelle Zusammensetzung von Gliederfüßer-Gemeinschaften im Grünland untersucht.

„Besonders interessant ist, dass die positiven Effekte einer kleinräumigen Landschaftsstruktur sogar negative Auswirkungen hoher lokaler Landnutzungsintensität in den Grünlandflächen ausgleichen können“, sagt Dr. Catrin Westphal, Leiterin der Studie von der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen.

„Selbst auf intensiv genutzten Grünlandflächen sind also funktionell diverse Artengemeinschaften mit vielen kleinen, spezialisierten und ausbreitungsschwachen Arten zu finden, wenn diese in heterogen strukturierten Landschaften liegen. Nur ein breites Spektrum an funktionell vielfältigen Arten kann langfristig wichtige Ökosystemfunktionen sichern, insbesondere in intensiv genutzten und oftmals stark gestörten Agrarökosystemen.“

Überraschend war auch, dass die untersuchten 640 Spinnen-, Käfer-, Fliegen-, Wanzen-, Zikaden-, Hautflügler- und Schmetterlings-Arten gleichermaßen auf die Vereinheitlichung der Agrarlandschaft reagierten. „In eintönigen Landschaften und intensiv bewirtschaftetem Grünland kommen vor allem die ausbreitungsstarken und großen Arten mit wenig spezialisiertem Nahrungsspektrum vor. Nur in vielfältig strukturierten Landschaften sind auch weniger ausbreitungsstarke kleinere und stärker spezialisierte Arten im Grünland zu finden, selbst bei intensiver Grünlandnutzung“, ergänzt die Göttinger Erstautorin Dr. Sagrario Gámez-Virués.

„Um den Rückgang der Biodiversität in Agrarlandschaften zu stoppen, sollte neben dem lokalen Management von Lebensräumen auch die Heterogenität von Agrarlandschaften erhalten oder verbessert werden. Dies wäre auch ein Ziel für die EU-Biodiversitätsstrategie 2020“, sagt Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen.

Originalveröffentlichung: Sagrario Gámez-Virués et al. (2015). Landscape simplification filters species traits and drives biotic homogenization. Nature Communications. Doi: http://dx.doi.org/10.1038/ncomms9568.

Kontaktadresse:
Dr. Catrin Westphal
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Abteilung Agrarökologie
Grisebachstraße 6, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-22257
E-Mail: cwestph@gwdg.de

http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=5299 weitere Fotos
http://www.agroecology.uni-goettingen.de Abteilung

Media Contact

Thomas Richter idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften

Weltweite, wissenschaftliche Einrichtungen forschen intensiv für eine zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Themen: Bioenergie, Treibhausgasreduktion, Renaturierung und Landnutzungswandel, Tropenwälder, Klimaschäden, Waldsterben, Ernährungssicherung, neue Züchtungstechnologien und Anbausysteme, Bioökonomie, Wasserressourcen und Wasserwiederverwendung, Artenvielfalt, Pflanzenschutz, Herbizide und Pflanzenschädlinge, digitale Land- und Forstwirtschaft, Gentechnik, tiergerechte Haltungssysteme und ressourcenschonende Landwirtschaft.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Ein Drehkreuz für Photonen

Physikern aus Deutschland, Dänemark und Österreich ist es gelungen, für Licht in Glasfasern eine Art Drehkreuz zu realisieren, das die Lichtteilchen nur einzeln passieren lässt. Glasfasern, durch die Laserlicht geleitet…

Bessere Katalysatoren für eine nachhaltige Bioökonomie

Forschende des Paul Scherrer Instituts PSI und von der ETH Zürich wollen sogenannte Zeolithe leistungsfähiger machen. Die Verbindungen sind bereits heute unerlässliche Hilfsmittel in der chemischen Industrie und werden seit…

Die ultraviolette Aurora des Kometen Chury

Auf der Erde bringen sogenannte Aurora als Polarlichter die Menschen zum Staunen. Ein internationales Konsortium mit Beteiligung der Universität Bern hat nun beim Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, kurz Chury, solche Aurora im…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close