Die gläserne Kuh – Elektronischer Tierpass vereinfacht Kontrolle von Nutztieren

Verbraucher wollen heute wissen, woher das Fleisch auf ihren Tellern stammt. Der Lebenslauf von Nutztieren könnte in Zukunft mit einem elektronischen Tierpass lückenlos dokumentiert und kontrolliert werden. Dazu startet ab Februar 2002 auf dem Versuchsgut Futterkamp in Schleswig-Holstein ein Pilotversuch. Das Bundesland hat sich dafür mit Siemens, Infineon Technologies, Orga Kartensysteme und der Bundesdruckerei zusammengeschlossen. Ministerpräsidentin Heide Simonis stellte das Projekt am 13. Januar auf der Grünen Woche in Berlin vor.

Der elektronische Tierpass ist ein Kunststoffanhänger, der an der Ohrmarke von Kühen oder Schweinen befestigt wird. Er enthält Daten wie Identifikationsnummer, Geburtstag und -ort sowie Züchter, Impfungen, Futterart und Menge. Die Angaben werden mit Handlesegeräten oder beim Durchgang durch ein „Qualitätstor“ mit berührungsloser Funktechnik gelesen oder gespeichert.

Der Tierpass besteht aus robusten Kunststoffen und enthält einen integrierten, sandkorngroßen Halbleiterchip mit Antenne von Infineon. Landwirt und Verbraucher, Tierarzt und Behörden könnten so jederzeit abrufen, wie das Tier ernährt wurde, wie es herangewachsen ist und welche Krankheiten es überstanden hat.

Die Daten auf dem Chip sind durch eine Codierung vor Manipulation geschützt. Beim Ausbruch von Seuchen sind Rückschlüsse über Ursache und Ausbruch der Krankheit möglich, betroffene Tiere können schnell lokalisiert und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Die Hardware basiert auf Chiptechnologie von Infineon und wurde von Siemens in Fürth weiterentwickelt. Die dortigen Automatisierungsspezialisten haben mit solchen Systemen unter dem Produktnamen „Moby“ in der industriellen Produktion und Logistik bereits langjährige Erfahrung.

Die berührungslosen Identsysteme kommt etwa für Container, Boxen und andere Transportbehälter zum Einsatz und werden bei Werkstückträgern und Werkzeugen verwendet. Die Übertragungsreichweite liegt je nach System zwischen wenigen Zentimetern und drei Metern. Ob das System auch für die rauen Bedingungen im Tierstall geeignet ist, wollen die Projektpartner jetzt in dem Pilotversuch herausfinden.

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Norbert Aschenbrenner Siemens NewsDesk

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