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Thüringer Optik-Gründungen senden innovative Impulse aus

09.01.2009
Wirtschaftswissenschaftler der Universität Jena analysieren Unternehmensgründungen der Thüringer Optik-Industrie

Längst ist die Thüringer Optik-Industrie nicht mehr nur durch die "global player" Carl Zeiss und Jenoptik gekennzeichnet - auch wenn sie der Region den Stempel aufdrücken. Seit 1990 sind ca. 160 neue Unternehmen der optischen Technologien im Freistaat entstanden und machen diesen Wirtschaftszweig zu einer der dynamischsten Wachstumsbranchen in Thüringen.

"Das Wachstum und die Bedeutung dieses Bereiches werden vor allem durch ein reges Gründungsgeschehen vorangetrieben", weiß Prof. Dr. Michael Fritsch von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Um diese Gründungen genauer zu beleuchten, sind an seinem Lehrstuhl für Unternehmensentwicklung, Innovation und wirtschaftlicher Wandel jüngst zwei Diplomarbeiten entstanden. Für diese hervorragenden Arbeiten haben Steffen Apfelstädt und Jennifer Margraf 35 Interviews mit Unternehmensgründern der optischen Industrie in Thüringen geführt.

Der typische Gründer in dieser Branche ist Techniker aus Thüringen, der aus einem Unternehmen oder der Wissenschaft kommt, mit seinem Arbeitgeber unzufrieden war und nun mit innovativen Produkten auf internationalen Märkten erfolgreich ist - auf diese unzulässig verkürzte Formel lassen sich die Ergebnisse der beiden Jenaer Ökonomen reduzieren. Doch die beiden Wirtschaftswissenschaftler haben naturgemäß genauere Daten ermittelt.

Die befragten Gründer stammen überwiegend aus Thüringen und haben ihr Unternehmen in unmittelbarer Nähe zu ihrem vorherigen Lebensmittelpunkt bzw. ihrem Arbeits- oder Studienort errichtet. "Die Gründungspotenziale liegen also in der Region selbst", betont Apfelstädt. Dabei spielen die in der Region ansässigen Institutionen eine wichtige Rolle. Die Optik-Gründer waren zuvor mehrheitlich (59,3 %) in privaten Unternehmen tätig: v. a. Zeiss und Jenoptik. Rund jeder Dritte (37 %) arbeitete vor der Gründung an Hochschulen oder Forschungseinrichtungen und 3,7 % haben sich direkt nach dem Studium selbstständig gemacht. Daher ist es fast selbstverständlich, dass diese Thüringer Gründer fast ausschließlich einen akademischen Abschluss mit technischer Ausrichtung aufwiesen und zu großen Teilen entweder direkte Branchenerfahrung in einem Unternehmen besaßen oder ihr Unternehmen auf Basis einer früheren Forschungstätigkeit in einer Hochschule oder Forschungseinrichtung gründeten. Bei der Mehrzahl der neuen Unternehmen handelt es sich um sogenannte Spin-offs, also Ausgründungen. Diese sind durch einen starken Technologie- und Wissenstransfer vom vorherigen Tätigkeitsbereich gekennzeichnet. "Somit wurde die Wissensbasis dieser Start-ups oftmals in den Mutterorganisationen geprägt", sagt Jennifer Margraf.

Auch die Motive für die Gründungen legten die "Mutterorganisationen". Knapp ein Drittel der befragten Gründer war unzufrieden mit dem früheren Arbeitgeber. Es gab mit ihm Meinungsverschiedenheiten zu allgemeinen Strategie- und Managementfragen, Unstimmigkeiten bei der Realisierung von Ideen und Innovationen. Oder die Unzufriedenheit resultierte aus Unternehmensakquisitionen oder Veränderungen in der Geschäftsführung, ermittelten die Jenaer Ökonomen.

Die entstandenen Firmen sind meist seit der Gründung sehr innovativ, Tendenz zunehmend, so dass weitere neue Produkte in den Markt eingeführt werden konnten. Bei diesen Bemühungen spielten auch Kooperationen, insbesondere mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine wesentliche Rolle. "Diese regionalen Verflechtungen tragen in hohem Maße zu der außerordentlichen Innovativität der optischen Industrie in Thüringen bei", ist sich Steffen Apfelstädt sicher. Zudem zeigen die untersuchten Gründungen mit einer Exportrate von im Durchschnitt 60 Prozent eine starke internationale Orientierung. Der Großteil der befragten Firmen (85,7 %) sind nach eigenen Aussagen entweder Marktführer oder zählen sich zu den führenden Unternehmen in ihrem jeweiligen Marktsegment.

Zusammenfassend stellen die Untersuchungen der Universität Jena heraus, dass in der optischen Industrie Thüringens - konzentriert in der Region Jena - eine große Anzahl an neu gegründeten, innovativen Unternehmen vorhanden ist. "Diese Gründungen stellen eine wesentliche Komponente der Entwicklungsdynamik der optischen Industrie in Thüringen dar und können über kurz oder lang selbst als ,Saatbeet' weiterer Gründungen dienen", erwartet Margraf ein weiterhin "erhebliches Entwicklungspotenzial" in diesem Bereich.

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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