Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

OECD warnt: Pseudo-Erfindungen erschweren Marktzugang für Innovationen

21.09.2011
Deutschland hat im Zeitraum 2000 bis 2005 so viele Patente im Europäischen Patentamt registriert wie kein anderes Land auf der Welt. Gleichzeitig verschlechtert sich die Qualität von Patentanmeldungen in den großen Industriestaaten der OECD seit zwei Jahrzehnten und verlängert so die Zeit, die neue Produkte brauchen, um schließlich auf den Markt zu gelangen. Dies geht aus der jüngsten Publikation der OECD zu Wissenschaft und Industrie, dem „Science, Technology and Industry Scoreboard“ hervor, deren Ergebnisse jetzt öffentlich zugänglich gemacht wurden.

Mit beinahe 70.000 Patenten war Deutschland zwischen 2000 und 2005 innovativer als die USA mit knapp 60.000 und Japan mit 48.500 Patenten. Die Qualität der Patentanmeldungen ist in den drei Ländern im internationalen Vergleich hoch.

Allerdings hält sogar hier ein Trend Einzug, der Experten Sorgen macht: Unternehmen versuchen, selbst kleinste Veränderungen an altbekannten Produkten oder Dienstleistungen patentieren zu lassen und belasten die Patentämter mit Anträgen, die schließlich negativ beschieden werden.

Marktbrechende Erfindungen hätten es in diesem Wust von Einreichungen entsprechend schwerer, sich abzuheben, wahre Innovationen würden behindert, kritisieren die Experten.

Kamen zwischen 1996 und 2000 noch 70 Prozent der Top-Patente, die das Europäische Patentamt vergab, aus den USA, Deutschland und Japan, so lag dieser Anteil fünf Jahre später bei nur noch 60 Prozent. Verantwortlich ist ein spürbarer Rückgang in den USA und Japan, während der Anteil deutscher Top-Patente stabil blieb. Dafür betreten China, Indien und Korea im Jahr 2000 die Bühne der besten Innovationen, auf der bis dahin nur westliche Länder gespielt hatten.

Allgemein ist die Qualität der Patentanträge dem Bericht zufolge seit 1990 jedoch um 20 Prozent gefallen. Im Schnitt wird nur jede vierte Anmeldung akzeptiert. Am höchsten ist die Vergabequote der in Europa geschützten Patente in relativ jungen Bereichen, wie zum Beispiel bei erneuerbaren Energien, Nanotechnologie und IT-Methoden. Deutschland ist bei Innovationen in der Solarenergie besonders stark.

Die größten Summen für Forschung und Entwicklung wenden noch immer die USA auf: 400 Milliarden US-Dollar investierte das Land im Jahr 2009 in seine wissenschaftliche und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. China und Japan folgen mit knapp einem Drittel dieser Summe an Platz zwei und drei. Gemessen an der Wirtschaftskraft führen allerdings Finnland und Schweden mit Ausgaben von 4,0 beziehungsweise 3,6 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes.

Das OECD-Scoreboard für Wissenschaft, Technologie und Industrie verfolgt die globalen Trends in diesen Bereichen und versucht, sichtbar zu machen, wie sich einzelne Länder in der Wissensgesellschaft aufstellen. Der Bericht beruht auf 180 international vergleichbaren Indikatoren und liefert außerdem statistisches Material für wichtige Länder außerhalb der OECD: Brasilien, Indien, China und Russland.

Die Publikation steht als Web Book zur freien Verfügung. Einzelne Indikatoren sind als PDF herunterladbar. Die Druckversion des STI Scoreboards kann beim OECD Berlin Centre bestellt werden.

Quelle: OECD Berlin Centre und IB des BMBF

| Kooperation International
Weitere Informationen:
http://www.kooperation-international.de
http://www.oecd.org/document/45/0,3746,de_34968570_35008930_48714669_1_1_1_1,00.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE