Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Niedrige Inflation ist kein Gift für den Arbeitsmarkt

24.01.2011
Einige namhafte Ökonomen wie die Nobelpreisträger James Tobin und George Akerlof warnten wiederholt davor, dass eine niedrige Inflationsrate unter Umständen zu höherer Arbeitslosigkeit führt. Eine am Montag veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt jedoch, dass der Effekt zu vernachlässigen ist.

Tobin und Akerlof argumentierten, dass eine niedrige Inflationsrate es Firmen erschwert, ihre Lohnkosten zu senken, wenn sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Bei einer hohen Inflation reicht es bereits aus, keine Lohnerhöhungen vorzunehmen. Die Reallöhne sinken auf diese Weise automatisch: Die Nominallöhne bleiben zwar gleich, zugleich steigen jedoch die Preise.

Bei einer niedrigen Inflation wären für entsprechende Kosteneinsparungen dagegen sinkende Nominallöhne erforderlich, also echte Lohnsenkungen: Die Beschäftigten bekommen weniger Lohn überwiesen als zuvor. Davor würden Firmen häufig zurückschrecken, um die Motivation und Produktivität der Beschäftigten nicht zu gefährden. Auch tarifvertragliche und andere arbeitsrechtliche Regelungen können dem entgegenstehen. Ökonomen sprechen hier von „Abwärts-Nominallohn-Starrheit“.

Statt die Löhne zu senken würden Firmen dann verstärkt Arbeitsplätze abbauen, um Einsparungen zu erreichen. Niedrige Inflation führt in Kombination mit Abwärts-Nominallohn-Starrheit zu höherer Arbeitslosigkeit, lautet die These von Tobin und Akerlof.

Die IAB-Studie zeigt jedoch anhand empirischer Daten, dass der von Tobin und Akerlof befürchtete Effekt zu vernachlässigen ist. Die Firmen üben von vornherein Zurückhaltung bei Lohnerhöhungen, um zu vermeiden, später die Löhne vielleicht wieder senken zu müssen. Zudem berücksichtigen sie bei Lohnverhandlungen, ob sie in der Vergangenheit auf eigentlich gewünschte Lohnkürzungen verzichtet haben, und führen in diesem Fall keine oder nur geringe Lohnerhöhungen durch.

Unterm Strich beeinflusst die Lohnstarrheit das durchschnittliche Lohnniveau kaum. „Daher sind auch keine negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung zu erwarten. Abwärts-Nominallohn-Starrheit liefert demnach kein überzeugendes Argument für eine höhere Ziel-Inflationsrate der Zentralbanken“, so die IAB-Studie.

Die IAB-Studie im Internet: http://doku.iab.de/kurzber/2011/kb0211.pdf

Wolfgang Braun | idw
Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2011/kb0211.pdf
http://www.iab.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Atypische Beschäftigung: Zunahme bei Teilzeit und Leiharbeit, Zahl der Mini-Jobs geht leicht zurück
18.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie