Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Unternehmensfusionen nach Zusammenbruch von Kartellen

06.08.2013
Nach dem Zusammenbruch von Kartellen fusionieren in den folgenden drei Jahren deutlich mehr Unternehmen als in den drei Jahren, die dem Zusammenbruch vorausgehen.

Diesen Zusammenhang hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim nun in einer aktuellen Studie belegt. So steigt die Anzahl der weltweiten Unternehmenszusammenschlüsse nach einem Kartellzusammenbruch um bis zu 51 Prozent, vergleicht man auf Branchenebene die drei Jahre vor und nach dem Zusammenbruch.

In den drei Jahren vor Kartellzusammenbrüchen gab es demnach weltweit 696 Unternehmensfusionen in den in die Studie einbezogenen Branchen, in den drei Jahren danach 1.052. Werden ausschließlich horizontale Fusionen betrachtet, das heißt Zusammenschlüsse von Unternehmen der gleichen Produktionsstufe, steigt die Anzahl der weltweiten Fusionen sogar um bis zu 83 Prozent. Hier handelte es sich um einen Anstieg von 196 auf 359 Fusionen weltweit.

Des Weiteren hat das ZEW die Zahlen für Fusionen mit Beteiligung eines europäischen Unternehmens sowie für Fusionen mit Beteiligung von ausschließlich europäischen Unternehmen betrachtet. Auch hier sind die Anstiege klar zu erkennen, aber nicht so deutlich ausgeprägt wie für weltweite Fusionen.

Die Ergebnisse der ZEW-Studie legen den Wettbewerbsbehörden nahe zu bedenken, dass Fusionen für die beteiligten Unternehmen möglicherweise die "second best"-Alternative zum gerade zusammengebrochenen Kartell sein könnten. Ehemalige Kartellmitglieder könnten daher systematisch versuchen, die durch den Kartellzusammenbruch verloren gegangene Marktmacht über das vermehrte Eingehen von Fusionen wieder zu erlangen. Weiterhin weist die ZEW-Analyse darauf hin, dass es notwendig sein kann, Ressourcen in Wettbewerbsbehörden, Kanzleien und ökonomischen Beratungsgesellschaften umzuschichten oder sogar aufzustocken, um den Anstieg der Fusionsfälle im zur Verfügung stehenden Zeitrahmen zu bewältigen.

Für seine Analyse verwendet das ZEW zwei Datensätze. Der erste Datensatz umfasst alle Kartellfälle, die die Europäische Kommission in den Jahren 2000 bis 2011 bearbeitet hat. Er enthält fallspezifische Informationen – etwa den Kartelltyp, die Dauer des Kartells oder die Anzahl der beteiligten Unternehmen – sowie firmenspezifische Informationen wie etwa die Länge der Kartellmitgliedschaft oder die Höhe der Strafzahlungen. Dieser Datensatz beinhaltet Informationen zu 73 Kartellfällen der EU-Kommission und 464 Kartellmitgliedern. Es konnten jedoch lediglich 22 dieser Kartelle betrachtet werden, da sich in vielen Branchen Kartelle zeitlich überlappten und hier der Einfluss eines einzigen Kartellzusammenbruchs nicht mehr untersucht werden konnte oder aber nur eine unzureichende Anzahl an Beobachtungen zur Verfügung stand.

Beim zweiten Datensatz handelt es sich um den ZEPHYR Datensatz von Bureau van Dijk, der Informationen zu weltweiten Fusionen und Übernahmen beinhaltet, beispielsweise zur Art der Fusion, dem Transaktionsvolumen und den beteiligten Unternehmen. Für seine Analysen filterte das ZEW 5.244 Unternehmen aus 24 Branchen heraus.

Kartellabsprachen zwischen Wettbewerbern zielen typischerweise darauf ab, den Wettbewerb zu verringern und gleichzeitig die Unternehmensgewinne zu steigern. Dazu treffen zwei oder mehrere Unternehmen Absprachen etwa hinsichtlich Preisen, Auftragsvergabe oder Outputquoten. Da solche Vereinbarungen ökonomischen Schaden anrichten, beispielsweise in Form höherer Preise oder geringerer Innovationsaktivitäten, stellen sie einen schweren Verstoß gegen die Kartellgesetze dar.

Bei Fusionen verschmelzen zwei oder mehrere Unternehmen zu einem neuen Unternehmen mit dem Ziel, Verbundvorteile zu nutzen und die Gewinne zu steigern. Man unterscheidet drei Formen von Fusionen: Bei horizontalen Fusionen schließen sich Unternehmen der gleichen Produktionsstufe zusammen, bei vertikalen Fusionen Unternehmen vor- oder nachgelagerter Produktionsstufen und bei konglomeraten Fusionen Unternehmen verschiedener Produktionsstufen und Branchen.

Für Rückfragen zum Inhalt:
Florian Smuda (ZEW), Telefon 0621 1235-233, E-Mail smuda@zew.de
Weitere Informationen:
Die Studie (ZEW Discussion Paper Nr. 13-036) findet sich unter:
http://www.zew.de/publikation6984

Gunter Grittmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de/publikation6984

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Aufschwung setzt sich fort
28.11.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Rückgang, aber noch keine Tendenzwende
21.11.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie