Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

KfW/ZEW-Gründungspanel: Nicht allen verleiht der Aufschwung Flügel

14.11.2011
Das starke Wirtschaftswachstum im Jahr 2010 und die gute Arbeitsmarktsituation haben sich auf wirtschaftsaktive Gründungen und junge Unternehmen unterschiedlich ausgewirkt: Im Jahr 2010 wurden häufiger solche Gründungen realisiert, die es in der Krise aufgrund mangelnder Erfolgsaussichten vermutlich nicht gegeben hätte. Diese Gründungen waren weniger innovativ, weniger umsatzstark und schufen weniger Beschäftigung als Gründungen im Jahr zuvor. Die vor oder während der Finanz- und Wirtschaftskrise gegründeten Untenehmen profitierten vom Aufschwung.

Dies sind Hauptergebnisse des KfW/ZEW-Gründungspanels, die Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, zusammen mit Dr. Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs Industrieökonomik am ZEW, und Michael Bretz, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, heute in Frankfurt vorstellte.

Trotz der guten Wirtschaftslage wurden von Gründungen des Jahres 2010 rund 90.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze (inkl. der Gründerpersonen) weniger geschaffen als im Vorjahr. Insgesamt waren es rund 460.000 Stellen. „Etablierte Unternehmen bieten tendenziell eine höhere Arbeitsplatzsicherheit sowie höhere Löhne. Daher waren neu gegründete Unternehmen für Arbeitssuchende im vergangenen Jahr weniger attraktiv. Für die Gründungen dürfte es daher schwerer gewesen sein, qualifizierte Arbeitnehmer für ihr Unternehmen zu finden“, sagte Dr. Georg Licht.

Die kleinere Größe spiegelt sich auch in den Umsatzzahlen wider: Die Gründungen erzielten im ersten Jahr ihres Bestehens im Durchschnitt einen Umsatz von 144.000 EUR, während es im Jahr zuvor noch 192.000 EUR gewesen waren.

Sie waren zudem weniger innovativ: Lediglich 12 % der Gründungen des Jahres 2010 begannen ihre Geschäftstätigkeit mit der Einführung einer Marktneuheit, während es im Krisenjahr 2009 noch 16 % waren. Vermutlich haben viele neu gegründete Unternehmen aufgrund der günstigen makroökonomischen Nachfragebedingungen erwartet, auch mit bewährten Produkten genügend Kunden zu gewinnen.

Im Gegensatz zu den Gründungen profitierten Unternehmen im zweiten bis vierten Geschäftsjahr vom Wirtschaftsaufschwung. Sie wiesen höhere Umsätze auf als gleichaltrige Unternehmen ein Jahr zuvor (durchschnittlicher Umsatz 2010: 355.000 EUR, 2009: 300.000 EUR) und konnten ähnlich schnell Beschäftigung aufbauen wie gleichaltrige Unternehmen ein Jahr zuvor (durchschnittliche Anzahl vollzeitäquivalenter Stellen Ende 2010: 3,6 2009: 3,5). Allerdings haben die Unternehmen im zweiten bis vierten Geschäftsjahr ihre Innovationstätigkeit zurückgefahren und im Durchschnitt weniger für Forschung und Entwicklung ausgegeben (2010: 33.000 EUR, 2009: 41.000 EUR)

Das Investitionsklima für junge Unternehmen hat sich im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert. Mehr Unternehmen im zweiten bis vierten Geschäftsjahr haben investiert (2010: 64 %; 2009: 54 %), auch wenn sie ihr Investitionsvolumen im Vergleich zu den gleichaltrigen Unternehmen im Vorjahr nicht ausgeweitet haben (Median jeweils 10.000 EUR). „Damit junge Unternehmen gut gerüstet in die Zukunft aufbrechen können, sind Investitionen zum Aufbau eines Kapitalstocks erforderlich“, sagte Michael Bretz. „Es ist daher eine gute Nachricht, dass junge Unternehmen im Jahr 2010 ihre Investitionsanstrengungen verstärkt und für positiven Schwung auf ihren jeweiligen Märkten gesorgt haben.“

Erwartungsgemäß sind die Finanzierungsschwierigkeiten im vergangenen Jahr dank des Konjunkturaufschwungs zurückgegangen. Insbesondere die älteren Gründungskohorten hatten seltener Probleme bei der Beschaffung externer Finanzmittel. So ist der Anteil von Unternehmen im zweiten bis vierten Geschäftsjahr, die über Finanzierungsschwierigkeiten berichteten, um 4 Prozentpunkte auf 12 % gesunken. Gründungen hingegen klagten im vergangenen Jahr in nahezu identischer Intensität wie im Krisenjahr 2009 über Finanzierungsprobleme (2010: 23 %, 2009: 25 % der Gründungen).

„Neu gegründete Unternehmen haben keine Unternehmenshistorie und keine Evidenz der Marktakzeptanz - das macht die Fremdfinanzierung risikoreich und Kreditinstitute zurückhaltend. Dies gilt unabhängig der konjunkturellen Lage“, sagte Dr. Norbert Irsch. „Daher ist ein verlässliches Förderangebot für Gründungen sehr wichtig - in guten und in weniger guten Zeiten -, damit neue Unternehmensprojekte und Ideen passende Finanzierungen finden.“

In den kommenden drei Jahren planen 71 % der wirtschaftsaktiven jungen Unternehmen eine Umsatzausweitung. Allerdings stammt diese Einschätzung aus dem Befragungszeitraum des Frühsommers 2011. Vor dem Hintergrund der unübersehbaren Anzeichen für ein Ende des Aufschwungs dürfte sich dieses Bild eingetrübt haben, dennoch belegt es die positiven mittelfristigen Zukunftserwartungen der jungen Unternehmen.

Das KfW/ZEW-Gründungspanel
Mit dem KfW/ZEW-Gründungspanel schaffen die KfW Bankengruppe, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und der Verband der Vereine Creditreform eine Datenbasis, die als erster Längsschnittsdatensatz in Deutschland die Entwicklung junger Unternehmen vom Zeitpunkt ihrer Gründung an über mehrere Jahre verfolgt und ein breites Spektrum unternehmens- und personenspezifischer Informationen bereitstellt. Grundlage der jährlich rund 6.000 Unternehmen umfassenden Stichprobe sind so genannte wirtschaftsaktive Gründungen (=Unternehmen, die entweder in das Handelsregister eingetragen sind, die für die Gründung auf Fremdkapital, Handelskredite oder Ähnliches zurückgegriffen haben oder die auf sonstige Weise aktiv in den Wirtschaftsprozess eingebunden sind). Die so erfassten Unternehmensgründungen sind tendenziell größer als diejenigen, die im breiten Gründungsgeschehen unter Berücksichtung von Gründungen im Nebenerwerb und Freiberuflern verzeichnet werden.

Die Studie „KfW/ZEW-Gründungspanel 2011“ finden Sie im Internet unter www.gruendungspanel.de

Gunter Grittmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.gruendungspanel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie