Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IT- und Unterhaltungselektronik: Die Suche nach dem Gold

26.08.2008
Forscher der TU Berlin bewerten Verfahren für die Entsorgung von IT- und Unterhaltungselektronik - Gold im Wert von 530 Dollar pro Tonne verschwindet

Fein säuberlich zerlegt und in Plastikbeuteln separiert lagern sie in großen blauen Tonnen: Hunderte von Spielzeugen, die Eines gemeinsam haben - elektronische Bauteile.

Ein Diplomand am Fachgebiet Abfallwirtschaft analysierte die Zusammensetzung der Spielzeuge für seine Diplomarbeit. Die Ingenieurin Perrine Chancerel untersucht dagegen die Spielzeuge der Erwachsenen für ihre Doktorarbeit: Wie sind Handys und Drucker, HiFi-Anlagen und Computer-Bildschirme zusammengesetzt? Wie werden die einzelnen Teile entsorgt? Welche Verfahren eignen sich am besten, um Computer, Toaster und Handys umweltschonend zu recyceln?

Was heutzutage schon aus Image-Gründen zur Selbstverständlichkeit wird - dass Hersteller von Produkten auch deren Inhalt beziehungsweise Bestandteile kennen - galt vor zehn Jahren wohl noch als unnötiger Aufwand. "Bildschirme oder Festplatten, die heute auf dem Müll landen, sind bis zu 20 Jahre alt", sagt die Französin, deren Promotion an der TU Berlin durch ein Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanziert wird. Am Anfang ihrer Arbeit stand also eine umfangreiche Analyse der elektronischen Bauteile. Die in einer wahren Sysiphosarbeit zusammengetragenen Daten hat Perrine Chancerel in einer Datenbank gesammelt. "Gerätetyp, Herstellungsjahr, Gewicht, Masse, enthaltene Bauteile und die Ergebnisse chemischer Analysen sind darin verzeichnet", erläutert sie.

Dieses Material liefert die Basis für den nächsten Schritt der Untersuchungen, die genaue Analyse der Aufbereitungsmethoden. "Prinzipiell unterscheidet man drei Punkte: Das Aufbereiten der Produkte durch Demontage und/oder Zerkleinerung, Verwerten und Entsorgen", sagte die Diplom-Ingenieurin. Den experimentellen Teil des Projektes hat sie kürzlich abgeschlossen - mit erstaunlichen Ergebnissen. Bei der Aufbereitung von 27 Tonnen Elektronik-Schrott in einer Anlage, wo die Altgeräte vor dem Schreddern manuell sortiert werden, untersuchte die Forscherin die 44 verschiedenen Outputfraktionen: Unter anderem befanden sich wertvolle Edelmetalle wie Gold, Palladium sowie Silber und auch Basismetalle wie Kupfer, Eisen und Aluminium darunter. Aber auch hoch giftige Substanzen wie Cadmium, Blei und Quecksilber, letzteres in modernen TFT-Bildschirmen.

Pro Tonne Schrott aus der IT- oder Unterhaltungselektronikbranche entdeckte Perrine Chancerel 22,2 Gramm Gold. Nur 25 Prozent des Goldes, das hauptsächlich in den Leiterplatten steckt, wird in dem Recyclingbetrieb aus dem Müll, der dann noch zum Beispiel an einen Kunststoffrecycler weitergegeben wird, vergütet. "Wir reden von 16,5 Gramm Gold pro Tonne Schrott, die dem Recyclingunternehmen verloren gehen", rechnet die Französin vor. "Nach dem heute gültigen Goldpreis entspricht das etwa 530 Dollar pro Tonne E-Schrott." Beim Palladium errechnete sie einen Wert von 70 US-Dollar, der letztlich vergeudet wird, weil das Palladium ebenso wenig wie das Gold separat verwertet wird.

Ende dieses Jahres wird die Wahl-Berlinerin zwei Monate lang am Center for Industrial Ecology an der US-amerikanischen Elite-Universität Yale vergleichende Forschungen anstellen. Und sicher wertvolle Informationen für ihre Arbeit sammeln, um dann schließlich alle Ergebnisse zusammenzuführen. Dass die Edelmetalle im Schrott wirtschaftlich so relevant sind, war den Recyclingunternehmen bislang unbekannt. Die aufwendigen Messungen wurden in dieser Art erstmals durchgeführt. Die nächste Herausforderung wird sein, den Prozess so zu modifizieren, dass das Gold gewonnen werden kann. Optimistisch darf man bei diesem Projekt wohl für die Umwelt sein: Neben mehr Gewinn für das Recyclingunternehmen ermöglicht die Optimierung der Verfahren, die Ressourcen besser zu schonen und Umweltgifte adäquat zu entsorgen.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Ingénieur Diplômée Perrine Chancerel,
Technische Universität Berlin, Institut für Technischen Umweltschutz, Fachgebiet Abfallwirtschaft,
Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin,
Tel.: 030/314-79250, Fax: 030/314-21720,
E-Mail: chancerel@ut.tu-berlin.de, Homepage: http://itu107.ut.tu-berlin.de
Weiterführende Links:
Homepage des Umweltbundesamtes,
Informationen zum Thema Abfall:
www.umweltbundesamt.de/abfallwirtschaft/index.htm
Homepage des Bundesumweltministeriums,
hier: ElektroG - Elektro- und Elektronikgerätegesetz:
http://www.bmu.de/abfallwirtschaft/downloads/doc/5582.php

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten