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IMK-Indikator: Rezessionsrisiko erneut gestiegen, Aufschwung aber noch nicht gefährdet

15.06.2015

Auch Krise um Griechenland verunsichert deutsche Wirtschaft

Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in nächster Zeit in eine Rezession gerät, ist zum zweiten mal in Folge spürbar gestiegen, bleibt aber unter dem Strich auf niedrigem Niveau. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Für den Zeitraum von Juni bis Ende August 2015 weist das IMK-Frühwarninstrument eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von 17,3 Prozent aus. Im Mai waren es noch 11,7 Prozent. Nach dem Ampelsystem des Indikators liegt die Rezessionswahrscheinlichkeit trotz des Anstiegs weiterhin im „grünen Bereich“ (keine Rezessionsgefahr), der von null bis 30 Prozent reicht.

In die Gleichungen des Indikators fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren.

Das IMK nutzt bei seinem Indikator die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Frühwarnsystem signalisiert eine Rezession, wenn die Industrieproduktion über fünf Monate um mindestens ein Prozent schrumpft.

Die erneute Eintrübung der Indikator-Prognose erklären die Wissenschaftler des IMK vor allem damit, dass in den vergangenen Wochen die Auftragseingänge aus dem Inland und die Aktienkurse zurückgegangen sind. Beide Entwicklungen sollten zunächst nicht überbewertet werden.

„Das Auftragswachstum im Mai war durch einige Großaufträge außergewöhnlich hoch, da ist ein Rückgang nicht überraschend. Und die Kursrückgänge, die wir bei den DAX-Werten seit dem historischen Höchststand vom März beobachten, kann man als fundamental gerechtfertigte Korrektur interpretieren“, sagt IMK-Experte Dr. Thomas Theobald.

Zudem registriere der Indikator auch positive Trends: So hätten sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen weiter verbessert. Zudem werde die Konjunktur durch die lebhafte private Nachfrage angetrieben, die sich wesentlich auf die positive Arbeitsmarktentwicklung und steigenden Löhne stütze.

Trotz des Anstiegs der Rezessionswahrscheinlichkeit tragen die neuen Indikatorwerte damit grundsätzlich weiterhin die konjunkturellen Erwartungen des IMK. Die Düsseldorfer Forscher rechnen in diesem und im nächsten Jahr mit einem konjunkturellen Aufschwung.

„Allerdings reflektiert unser Indikator zunehmend, dass die Eintrübung in manchen großen Schwellenländern und die ungelöste Krise im Euroraum die deutsche Wirtschaft verunsichert“, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK.

„Diese Unsicherheit könnte wieder reduziert werden, wenn eine rasche Einigung Griechenland eine realistische Wachstums- und Entwicklungsperspektive in der Währungsgemeinschaft ermöglichen würde“, so der Ökonom.

Der IMK Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung

Dr. Thomas Theobald
Konjunkturexperte, IMK
Tel.: 0211-7778-215
E-Mail: Thomas-Theobald@boeckler.de

Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK
Tel.: 0211-7778-331
E-Mail: Gustav-Horn@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:

http://www.boeckler.de/imk - Zum Indikator
http://www.tagesspiegel.de/politik/krise-in-griechenland-eine-einigung-ist-nicht... - Einen neuen Vorschlag zur Lösung der Krise um Griechenland machen Gustav Horn, der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann und Prof. Dr. Gesine Schwan in einem heute erschienenen Gastbeitrag

Rainer Jung | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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