Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zu wenig Innovation in Nordhessens Betrieben

06.11.2007
Die Unternehmen in Nordhessen schöpfen ihr Innovationspotential nicht aus. Das ist das Ergebnis einer Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Beckenbach, Fachgebiet Umwelt- und Innovationsökonomik an der Universität Kassel.

Die Unternehmen in Nordhessen schöpfen ihr Innovationspotential nicht aus. Wenn es gilt, neue Produkte zu entwickeln, sie auf dem Markt einzuführen, neue Produktionsverfahren einzurichten oder die Betriebsorganisation zu verbessern, schneiden die in der Region ansässigen Betriebe im Vergleich mit ihren Wettbewerbern in prosperierenden Regionen schlecht ab.

Das ist das Ergebnis einer Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Beckenbach, Fachgebiet Umwelt- und Innovationsökonomik an der Universität Kassel. Die Studie basiert auf einer Befragung von 1783 Unternehmen in Nordhessen, die im Jahr 2006 durchgeführt wurde. Die Projektmitarbeiterinnen Maria Daskalakis und Martina Kauffeld-Monz haben die Antworten aus 527 zurückgesandten Fragebögen zu den Innovationsaktivitäten der Unternehmen ausgewertet und analysiert.

Zwar geben 82 Prozent der Unternehmen an, in den vergangenen drei Jahren Neuerungen eingeführt zu haben, wovon die Wissenschaftlerinnen nahezu die Hälfte als "hoch bis höchst innovativ" einstufen. Allerdings entwickeln nur ein Drittel der innovierenden Unternehmen tatsächlich neue Produkte. "Aber gerade diese neuen Produkte tragen wesentlich zur Steigerung des Umsatzes und damit auch zur Beschäftigung in der Region bei", sagt Prof. Dr. Frank Beckenbach. Als Vergleichsregion haben die Kasseler Forscher die Region Jena gewählt, die zu den entwicklungsstärksten der neuen Bundesländer zählt. Auffällig ist, dass in Jenaer Unternehmen ein größerer Teil der Mitarbeiter mit Innovationen betraut ist (37 gegenüber nur 20 Prozent in Nordhessen) und dass ein mehr als doppelt so hoher Anteil des Umsatzes für Innovationen aufgewendet wird (19 gegenüber 8 Prozent). Ein weiteres Indiz dafür, dass Jena bei den Innovationen die Nase vorn hat, ist der Vorsprung beim Umsatz mit neuen Produkten und Dienstleistungen: 28 Prozent des Umsatzes Jenaer Unternehmen, die Produkt- und Dienstleistungsinnovationen durchgeführt haben, entfallen darauf, nur 16 Prozent sind es bei den nordhessischen Unternehmen.

Zwei wesentliche Faktoren haben die Forscher für die Unterschiede zwischen den Jenaer und den nordhessischen Betrieben ausgemacht: Wenn Neuentwicklungen anstehen, gehen die Betriebe in der Region Jena wesentlich häufiger Kooperationen mit anderen Betrieben ein als diejenigen in Nordhessen. Außerdem werden in Jenaer Betrieben deutlich mehr Akademiker beschäftigt als in nordhessischen (44 gegenüber nur 16 Prozent). Der eklatante Mangel an akademisch ausgebildetem Personal wird von nordhessischen Unternehmen ausdrücklich betont und ist ebenso wie die relativ geringe Quote von Schulabgängern mit Hochschulzugangsberechtigung und die niedrige Studierendenquote (immer im Vergleich zu der Region Jena) ein Problem, dem sich Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in verstärkter Form annehmen müssen. Die Autoren sehen in diesen Problemfeldern einen entscheidenden Nachteil für die nordhessischen Betriebe und ihre Innovationsfähigkeit. Den Zugang zu neuem Wissen, das sich in den Köpfen von Akademikern aufbaut, könnten sich die Betriebe allerdings auch auf anderem Wege erschließen. "Wie die Ergebnisse zeigen", sagt Dipl. Oec. Maria Daskalakis, "resultiert der Nutzen von Innovationskooperationen auch daraus, dass die Kooperationspartner komplementäres Wissen aufweisen".

Wie Kooperationen die Innovationsfähigkeit steigern können, zeigt sich an einer weiteren Vergleichsgruppe der Untersuchung: Als Ausgründungen aus der Universität Kassel hervorgegangene Unternehmen weisen deutlich stärkere Innovationsaktivitäten auf, haben mehr Beschäftigte mit Hochschulabschluss und pflegen intensive Kontakt mit anderen Unternehmen. Diese jungen Firmen von geringer Größe bauen sich in der Kasseler Untersuchung zum positiven Beispiel für die Etablierten auf. Mit ihrer guten Vernetzung untereinander und zur Universität sowie ihrer hohen Akademikerquote weisen sie Merkmale auf, die den etablierten Betrieben in Nordhessen im Vergleich zu den Jenaer Unternehmen fehlen. "Die Ausgründungen haben Prozesse in Gang gesetzt, die man auf die 'Normalunternehmen' übertragen sollte", sagt Prof. Dr. Beckenbach und verweist dazu auf Einrichtungen wie das Regionalmanagement und die Arbeitsstelle UniKasselTransfer. Neben der Initiative und Bereitschaft der Unternehmen ist aber auch die Politik gefragt, wenn es gilt, Strukturvoraussetzungen für mehr Innovation und damit erweiterte und gesicherte Entwicklungschancen in den nordhessischen Betrieben zu schaffen.

Dipl.-Oec. Maria Daskalakis, Dipl.-Oec. Martina Kauffeld-Monz: Die Innovationskraft der Unternehmen in Nordhessen. Ergebnisse einer Befragung der Forschungsprojekte "RIS" und "Innopart". (Gefördert von der VW-Stiftung). Kassel, Oktober 2007

Info
Universität Kassel
Maria Daskalakis
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
tel (0561) 804 3809, -3883 (Sekretariat)
mobil 01784771813
e-mail Daskalakis@wirtschaft.uni-kassel.de

Ingrid Hildebrand | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge
28.05.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht KMU suchen die finanzielle Unabhängigkeit
25.05.2018 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Nierentumor: Genetischer Auslöser entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Schnell, günstig, tragbar: Testgerät PIDcheck prüft Solarmodule im Feld auf PID

18.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics