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Außenhandel: Wird der Aufschwung an Deutschland vorbeigehen?

10.04.2002


"Nach einem frostigen Beginn kommt der Außenhandel auch im zweiten Halbjahr als Konjunkturmotor nicht richtig in Schwung." Das erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), heute anlässlich der traditionellen Außenhandelspressekonferenz in Berlin. Bei den Exportzuwächsen prognostiziert Börner für 2002 nur ein unterdurchschnittliches Ergebnis von 5 Prozent auf 670 Milliarden Euro und damit eine Wachstumsrate von deutlich unter dem langjährigen Mittelwert von 6,6 Prozent. Die Importe werden um 4 Prozent auf 572 Milliarden Euro steigen. Bei einem erwarteten Wachstum des Welthandels von 4 Prozent, bedeutet dies, dass Deutschland seinen Weltmarktanteil halten und sogar leicht ausbauen kann. Positiv für den Außenhandel sind der niedrige Wechselkurs des Euro und die niedrigen Leitzinsen.

Börner verweist darauf, dass bereits im abgelaufenen Jahr 2001 nur dank einer Steigerung des Exports um 6,7 Prozent auf 637 Milliarden Euro überhaupt ein Wachstum in Deutschland von 0,6 Prozent erreicht werden konnte - ohne den Außenhandel wäre die deutsche Wirtschaft um 0,6 Prozent geschrumpft. Da im gleichen Zeitraum die Importe lediglich um 2,2 Prozent auf 550 Milliarden Euro stiegen, führte dies im Resultat zu einem Rekordüberschuss von 87 Milliarden Euro und damit erstmals seit 1990 zu einem positiven Saldo der chronisch defizitären Leistungsbilanz.

Gesamtwirtschaftlich sieht Börner für das laufende Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes um lediglich 0,9 Prozent. "Von einem Durchstarten der Konjunktur kann also keine Rede sein - im Gegenteil, in punkto Wachstumsdynamik bewegt sich Deutschland erneut am Ende der Industriestaaten. Der Aufschwung in den USA und in unseren Nachbarländern der Europäischen Union wird an Deutschland vorbeigehen."

Der Außenhandel könne im laufenden Jahr seine klassische Rolle als Wachstumsmotor nur unterdurchschnittlich erfüllen. Strukturelle Probleme, der Mangel an binnenwirtschaftlicher Dynamik und der Reformstau in Deutschland treten so offen zutage. Um nur einen einzigen Arbeitsplatz zu schaffen, sei ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von über 2,3 Prozent notwendig. Dass hier der Außenhandel überfordert ist, dies alleine zu schultern, liege auf der Hand.

Börner kritisiert die völlig überzogenen Lohnforderungen jenseits der Produktivitätsschwelle, die die Konjunktur schon im Ansatz ersticken und weitere Arbeitsplätze gefährden. "Das Kaufkraftargument zur Belebung der Konjunktur ist in der Praxis widerlegter Unsinn", so Börner weiter. Eine Lohnerhöhung von 100 Euro kostet den Betrieb einschließlich Nebenkosten 130 Euro, wovon beim Arbeitnehmer aber lediglich 50 Euro nachfragewirksam übrig bleiben.

Das Anspruchsniveau an Lebensstandard wie an soziale Sicherungssysteme sei in Deutschland hoch. "Um dieses Niveau zu bewahren, müssen wir uns auf mehr Leistung besinnen. Diese Systeme unserer sozialen Sicherung sind nur dann langfristig finanzierbar, wenn wir ein ordentliches Wachstum generieren", erklärt der BGA-Präsident. Notwendig sei eine langfristig angelegte Wachstumspolitik für dieses Land. Deutschland müsse attraktiv werden für Dienstleistungsunternehmen und Unternehmen im Bereich der High-Tech- und Biotechnologien.

"Unternehmer und Mitarbeiter im deutschen Außenhandel stehen bereit für einen Aufschwung mit mehr Wachstum. Vier Prozent BIP-Wachstum über mehrere Jahre hinweg - ähnlich wie die USA - sind möglich, wenn wir alle in Deutschland unsere Hausaufgaben machen", erklärt BGA-Präsident Börner heute in Berlin.

Volker Tschirch | ots

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