Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutschland entwickelt sich immer schneller zur Dienstleistungsgesellschaft

13.06.2007
Seit Beginn der 90er Jahre hat sich in Westdeutschland der Strukturwandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft beschleunigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern des RWI Essen und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Sie zeigt außerdem, dass es für Arbeitslose schwieriger geworden ist, in ihrem angestammten Fachgebiet einen Arbeitsplatz zu finden. Zudem werden in wachsenden Sektoren größtenteils Arbeitskräfte neu eingestellt, die zuvor nicht von den Sozialversicherungen erfasst waren.

In Westdeutschland hat sich der Strukturwandel bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen seit Beginn der 90er Jahre beschleunigt. Der produzierende Sektor schrumpfte seither schneller als zuvor, während der Dienstleistungssektor stärker wuchs. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von zwei Wissenschaftlern des RWI Essen und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Untersuchung beruht auf Daten aus der IAB-Regionalstichprobe der Jahre 1975 bis 2001 des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Der Datensatz enthält Informationen aus Meldungen der Arbeitgeber an die Sozialversicherungsträger und umfasst unter anderem rund 1,1 Millionen Westdeutsche, darunter keine Beamten und Selbständigen. Genauer untersucht wurden ein schrumpfender und ein wachsender Sektor: Zum einen der Konsumgütersektor, dessen Anteil an der Beschäftigung zwischen 1975 und 2001 um 35% sank, zum anderen der Sektor "unternehmensbezogene Dienstleistungen", dessen Beschäftigungsanteil im gleichen Zeitraum um 75% zunahm.

... mehr zu:
»RWI »Strukturwandel

Beschäftigungswachstum durch höhere Zuflüsse an Arbeitskräften

Die Studie zeigt, dass wachsende und schrumpfende Sektoren sich bezüglich des Anteils abfließender Arbeitskräfte kaum unterscheiden, wachsende Sektoren jedoch erheblich höhere Zuflüsse an Arbeitskräften aufweisen. So verzeichnete der schrumpfende Konsumgütersektor im Zeitraum zwischen 1981 und 2000 einen Zufluss von 18,7%, während er bei den wachsenden "unternehmensbezogenen Dienstleistungen" 25,7% betrug. Gleichzeitig wies der schrumpfende Sektor bei den neu eingestellten Arbeitskräften einen höheren Anteil von Personen, die zuvor Arbeitslosenunterstützung bezogen hatten, auf als der wachsende Sektor.

Insgesamt hat die Wahrscheinlichkeit, aus Arbeitslosigkeit zurück in Beschäftigung zu kommen, abgenommen. So sank die Wahrscheinlichkeit für einen Arbeitslosen, wieder im Sektor seiner letzten Beschäftigung zu arbeiten, von 46% in den 80er auf 30% in den 90er Jahren. Sie stieg jedoch in Zeiten der Rezession. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass der Anteil der kurzzeitig Arbeitslosen, die wegen ihrer Qualifikation rasch eine neue Beschäftigung finden, in einer Phase des Abschwungs höher ist.

Strukturwandel wird von verschiedenen Sektoren bestimmt

Der Blick auf einzelne Sektoren zeigt, dass keiner alleine für den beschleunigten Strukturwandel verantwortlich ist. In der ersten Hälfte der 90er Jahre bestimmte vor allem das produzierende Gewerbe das Geschehen, während der Dienstleistungssektor nur durchschnittliche Veränderungen der Nettobeschäftigung aufwies. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre zeigte sich das produzierende Gewerbe relativ stabil, während bezüglich der Nettobeschäftigung die Turbulenzen im Transport- und Kommunikationssektor sowie bei den unternehmens- und haushaltsbezogenen Dienstleistungen zunahmen. Auslöser für den beschleunigten Strukturwandel seit Beginn der 90er Jahre könnten mehrere Faktoren sein, darunter beispielsweise die deutsche Wiedervereinigung, die neue wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnete.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Ronald Bachmann Tel.: (0201) 8149-220
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse
http://www.rwi-essen.de/rep

Weitere Berichte zu: RWI Strukturwandel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr steigt nur geringfügig
14.02.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Früherkennung von Innovationsfeldern
09.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie