Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vor dem Umschwung?

25.02.2002


Deutschland ist nach der Jahresmitte 2001 in eine bislang milde Rezession geraten. Das BIP-Wachstum betrug im Jahresdurchschnitt nur noch 0,6 %. Es wird auch im ersten Halbjahr 2002 schwach bleiben, sich im zweiten aber deutlich erhöhen. Im Jahresdurchschnitt beläuft sich die Zunahme wegen der Schwäche in der ersten Jahreshälfte nur auf 0,8 %. Trotz der Erholung wird der Arbeitsmarkt zunächst noch nicht entlastet: Vielmehr erhöht sich die Zahl der Arbeitslosen um 70 000 und damit mehr, als die Beschäftigung sinkt. Der Preisauftrieb schwächt sich weiter ab (1,6 %). 2003 gewinnt die gesamtwirtschaftliche Produktion an Dynamik und Breite; auch die Bauwirtschaft trägt hierzu bei. Im Jahresdurchschnitt dürfte das BIP um 2,6 % wachsen, die Beschäftigung um 250 000 Personen zunehmen; die Zahl der Arbeitslosen sinkt um 200 000 auf 3,72 Mill. Die Teuerung zieht etwas an (1,8 %).

Das konjunkturelle Umfeld stellt sich im Prognosezeitraum insgesamt wieder günstiger dar. Ursache sind insbesondere die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Auch entfalten nun die expansiven Impulse der Geldpolitik des vergangenen Jahres ihre volle Wirkung. Zudem entwickeln sich die Lohnstückkosten wieder günstiger. Die Finanzpolitik hingegen wirkt restriktiv.

Allerdings ist das Risiko einer Verschärfung der Rezession in den kommenden Monaten nicht unerheblich, zumal die Prognoseunsicherheit in Umschwungphasen beträchtlich ist. Insbesondere besteht aber die Gefahr, dass sich die Abwärtstendenzen in den großen Industrieländern gegenseitig verstärken und somit die globale Nachfrage kumulativ weiter zurückgeht. Zwar hat die Wirtschaftspolitik in den Vereinigten Staaten inzwischen massiv reagiert, sowohl in der Geld- als auch in der Fiskalpolitik. Ob es damit aber gelingt, die Nachfrageschwäche sehr rasch zu überwinden, ist keineswegs sicher.

Was kann die Wirtschaftspolitik tun? Nach der Selbstverpflichtung der Bundesregierung gegenüber dem EU-Ministerrat, das öffentliche Budget bis 2004 nahezu auszugleichen, sind in der Finanzpolitik keine Möglichkeiten zur Stimulierung mehr zu sehen. Umso mehr sollte deshalb die EZB ihren durchaus vorhandenen Spielraum für Zinssenkungen - der mindestens einen halben Prozentpunkt beträgt - recht bald nutzen, zumal sich keine Inflationstendenzen abzeichnen und die Wirkungsverzögerung beträchtlich ist. Die Tarifpolitik muss weiterhin am Ziel der Beschäftigungsausweitung orientiert sein, also ihren moderaten Kurs fortsetzen. Die gegenwärtig aufgestellten Lohnforderungen werden sich zwar wiederum nur zum Teil materialisieren. Angesichts der beschriebenen Risiken sind sie aber alles andere als hilfreich.

Eckwerte der Prognose für 2002 und 2003
2001 bis 2003
Stand: Januar 2002
2001 2002 2003
Bruttoinlandsprodukt1, Veränderung in %0,6 0,8 2,6
Erwerbstätige2, in 1 000 38 761 38 750 39 000
Arbeitslose3, in 1 000 3 852 3 920 3 720
Arbeitslosenquote4, in % 9,1 9,2 8,7
Verbraucherpreise5, Veränderung in % 2,5 1,6 1,8
Lohnstückkosten6, Veränderung in % 1,2 1,5 0,6
Finanzierungssaldo des Staates7, in Mrd. E -53,9 -46 -38
Leistungsbilanzsaldo8, in Mrd. E 11,1 -5 0
Eigene Berechnungen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, der Deutschen Bundesbank und der Bundesanstalt für Arbeit; 2002 und 2003 eigene Schätzung; Angaben gerundet; Veränderung jeweils gegenüber dem Vorjahr. - 1In Preisen von 1995. - 2Im Inland. - 3Nationale Abgrenzung. - 4Bezogen auf inländische Erwerbspersonen. - 5Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte. - 6Arbeitnehmerentgelt je Beschäftigten bezogen auf das reale Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen. - 7In der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. - 8In der Abgrenzung der Zahlungsbilanzstatistik.

(aus: RWI-Konjunkturberichte 2/2001)
Ihre Ansprechpartner dazu:
Dr. Elke Schäfer-Jäckel, Tel.: (0201) 81 49-296
Joachim Schmidt (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-292

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse/publikat/ver-kb01.htm#Heft

Weitere Berichte zu: Finanzpolitik Wirtschaftspolitik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik