Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kaufrausch in der Vorweihnachtszeit: Wissenschaftler der Universität Hohenheim rät zur Gelassenheit

11.12.2006
Vorsicht Schuldenfalle - Finanz-Experte Prof. Dr. Burghof warnt vor vermeintlichem Sparen der Mehrwertsteuer

Jetzt kaufen und dabei sparen! Mit solchen Slogans wirbt der Einzelhandel derzeit und verweist auf die drei Prozent erhöhte Mehrwertsteuer Anfang nächsten Jahres. "Das ist grober Unfug", weiß Prof. Dr. Hans-Peter Burghof, Leiter des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistung der Universität Hohenheim. "Nach Weihnachten fallen die Preise für viele Konsumgüter um weit mehr als drei Prozent", so Burghof. Dringend rät der Finanzexperte auch davon ab, für größere Anschaffungen in diesem Jahr noch vorschnelle Kredite aufzunehmen. "Die Zinsen sind in solchen Fällen viel höher als die gesparte Mehrwertsteuer."

"Nichts überstürzen", rät Prof. Burghof den Weihnachtseinkäufern. Auch wenn ab dem 1. Januar 2007 die Mehrwertsteuer um drei Prozent erhöht wird, sind "nach Weihnachten viele Produkte sehr viel billiger als jetzt". Das gilt insbesondere für Konsumgüter wie elektronische Geräte, Spielzeug und Haushaltsgeräte. "Wer überlegt, jetzt Anschaffungen zu tätigen, nur um die Mehrwertsteuer zu sparen, dem würde ich lieber raten zu warten", sagt Prof. Burghof. Auch bei Kleidung ist es lohnenswert, auf den Zeitpunkt zu warten, wenn die Läden mit Blick auf Saisonende ihre Lager räumen.

Allerdings könne es passieren, dass "der Einzelhandel nach dem 1.1.2007 die Mehrwertsteuererhöhung als Vorwand benutzt, um den Preis darüber hinaus nach oben zu drücken - ähnlich, wie wir es bei der Euroumstellung erlebt haben", sagt Prof. Burghof. Dagegen müssten sich die Verbraucher wehren, ein stärkeres Preisbewusstsein entwickeln und, falls notwendig, härter verhandeln. "Bei vielen Produkten bestehen ausreichende Gewinnspannen. Wer konsequent über den Preis verhandelt, sollte in der Lage sein, die Produkte für das gleiche Geld wie vor der Mehrwertsteuererhöhung zu erstehen", sagt Prof. Burghof. Nur bei sehr knapp kalkulierten Waren - wie etwa Lebensmitteln oder Benzin - wären die Verkäufer gezwungen, die Mehrwertsteuererhöhung über den Preis voll an den Kunden weiterzugeben.

"Lieber keine Eile", rät Prof. Burghof vor allem allen, die jetzt noch rasch Kredite aufnehmen möchten, um drei Prozent Mehrwertsteuer bei einer größeren Anschaffung wie einem Auto, einer Wohnungseinrichtung oder einem Hauskauf zu sparen. "Wer jetzt nicht genug Geld hat, sollte lieber noch für die Anschaffung ansparen und dann einen kleineren Kredit aufzunehmen. Das rechnet sich trotz der Mehrwertsteuererhöhung, denn dann fallen die monatlichen Raten geringer aus oder der Kredit ist deutlich schneller abbezahlt".

Selbstverständlich sei es bei jedem Kredit wichtig im Vorfeld gut zu kalkulieren, ob die Raten in das Monatsbudget passen. "Wegen unerwarteter Kosten - wie einem Schaden an Auto, Reparaturen in der Wohnung oder Krankheit - reicht es nicht, monatlich 0 auf 0 herauszukommen", sagt Burghof. Besonders junge Ehepaare nähmen häufig einen zu hohen Kredit auf, um sich in ihrem Leben wunschgemäß einzurichten. Das oft noch recht kleine Familieneinkommen wird dann durch die Raten aufgezehrt, und "damit auch viel Spaß im Leben. Dies darf auch nicht unterschätzt werden - möchte man doch auch mal in den Urlaub oder abends ausgehen", so Prof. Burghof.

"Vorsicht Schuldenfalle", warnt der Finanzexperte auch alle Eltern, die ein Handy unter den Weihnachtsbaum legen: "Wer seinen Kindern ein Handy schenkt, schenkt damit auch gleich einen Kredit". Selbst Handys mit Prepaidkarten seien meist keine Garantie vor der Schuldenfalle. "Handys sind die häufigste Ursache, mit der sich Jugendliche den erfolgreichen Eintritt ins Erwachsenenleben durch Schulden verbauen. Ein Beispiel: Wenn Jugendliche ihren Kredit aus ihrem Handy nicht ordentlich bezahlen und dadurch bei der Schufa auffällig werden, bekommen sie, wenn sie anschließend studieren wollen, von Banken keinen Studienkredit."

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Berichte zu: Kredit Mehrwertsteuer Mehrwertsteuererhöhung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten