Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selbstverpflichtungen der Wirtschaft stärken die Politik

20.11.2001


  • Breite Zustimmung zu Selbstverpflichtungen als Ergänzung staatlichen Handelns
  • Weniger Bürokratie und höhere Flexibilität werden als Vorteile anerkannt
  • Enger Zusammenhang zwischen Bekanntheit und Eignung von Selbstverpflichtungen
  • Größere Akzeptanz nur durch Transparenz und Überprüfbarkeit erreichbar
Selbstverpflichtungen der Wirtschaft werden als sinnvolle Ergänzung staatlichen Handelns betrachtet. Sie stärken die Politik und erweitern ihren Aktionsradius. Ihr wichtigster gesamtwirtschaftlicher Vorteil ist, dass sie einer weiteren Bürokratisierung durch Gesetze entgegenwirken. Die größte Bekanntheit und Akzeptanz haben Selbstverpflichtungen in der Umweltpolitik, während sie in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik weniger wahrgenommen werden. Entscheidende Kriterien zur Beurteilung von Selbstverpflichtungen sind die Transparenz des gesamten Prozesses und die Überprüfbarkeit der selbstgesetzten Ziele. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der zweiten Government Relations-Studie, die vom Meinungsforschungsinstitut TNS EMNID im Auftrag der BASF durchgeführt wurde.

"Die Studie zeigt eine grundsätzliche Zustimmung zu mehr Selbstverpflichtungen durch die Wirtschaft. Bürger, Medien und Politiker betrachten Selbstverpflichtungen als sinnvolles Instrument um gemeinsam definierte Ziele unbürokratisch und effizient umsetzen zu können. Damit Bürger und Entscheider erkennen, was solche Vereinbarungen leisten können, müssen ihnen die Ziele und Mechanismen aber viel stärker als bisher vermittelt werden", sagte Klaus Schöppner, Geschäftsführer von TNS EMNID.

"Für die BASF sind Selbstverpflichtungen kein Ersatz, sondern eine sinnvolle Ergänzung staatlicher Gesetzgebung. Die Studie zeigt, dass Selbstverpflichtungen besonders dann akzeptiert werden, wenn bei den Unternehmen verantwortliches und unbürokratisches Handeln Hand in Hand geht. Wenn die Unternehmen ihre Ziele transparent beschreiben und deren Überprüfbarkeit sicherstellen, schaffen sie sich unternehmerische Freiräume, um politisch sinnvolle Vorgaben effizient umzusetzen. Politik und Wirtschaft sollten daher mehr Mut haben: die Politik im Loslassen und die Wirtschaft im Übernehmen von gesellschaftlicher Verantwortung", betonte Klaus Escher, Leiter der Politischen Kommunikation der BASF.

Im Rahmen der Studie wurden im Frühjahr 2001 in Berlin 375 wirtschaftliche und
politische Entscheidungsträger, 52 Journalisten, 75 Vertreter von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) sowie ein Querschnitt der Bevölkerung (1052 Personen) nach ihrer Einschätzung zum Thema Selbstverpflichtungen befragt.

Selbstverpflichtungen als Ergänzung staatlichen Handelns akzeptiert

Rund zwei Drittel der Befragten aus Politik, Wirtschaft, Medien und NGOs sehen in Selbstverpflichtungen eine Ergänzung zur Politik, nur ein Viertel einen Rückzug des Staates. Die Bevölkerung ist etwas skeptischer: 39 Prozent sehen in diesem Instrument einen Rückzug des Staates aus der Politik. Doch mit 57 Prozent sieht auch hier eine klare Mehrheit in Selbstverpflichtungen eine Ergänzung.

Entbürokratisierung und höhere Flexibilität als wesentliche Vorteile von Selbstverpflichtungen

Die überwiegende Mehrheit (über 80 Prozent) aller Befragten erkennt in einer flexibleren Umsetzung von Vorgaben den Vorteil von Selbstverpflichtungen gegenüber Gesetzen an.

Stärker als die Bevölkerung (62 Prozent) sehen Wirtschaft, Politik, NGOs und Medien (72 bis 96 Prozent) darüber hinaus einen wichtigen Vorteil in einer weiteren Entbürokratisierung von Regelungen.

Enger Zusammenhang zwischen Bekanntheit und Eignung von Selbstverpflichtungen

Die Studie zeigt weiter: Je bekannter eine Vereinbarung ist, desto geeigneter erscheint das entsprechende Politikfeld für Selbstverpflichtungen. Am bekanntesten, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau, sind die Selbstverpflichtungen in den Bereichen Umweltschutz (27 Prozent) und Müllvermeidung (25 Prozent). Hier sieht über die Hälfte der Befragten (52 Prozent) auch das Hauptanwendungsfeld für Selbstverpflichtungen.

Insgesamt kennen nur wenige der Befragten konkrete Selbstverpflichtungen der deutschen Wirtschaft. Lediglich 18 Prozent nehmen in diesem Zusammenhang die Zahlungen der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter wahr. Erklärungen zur CO2-Reduzierung und zu arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Themen sind noch weniger bekannt.

Transparenz und Überprüfbarkeit erhöhen Akzeptanz

Eine weit überwiegende Mehrheit der Befragten sieht eine leichte bis deutliche Änderung des Einflusses politischer Institutionen durch Selbstverpflichtungen. 58 Prozent erwarten einen deutlichen, 37 Prozent einen leichten Zuwachs an Einfluss für Wirtschaftsverbände. Dagegen sehen 51 Prozent einen deutlichen und 29 Prozent einen leichten Rückgang des Einflusses des Parlaments.

Dementsprechend werden Transparenz und die Überprüfbarkeit der Zielerreichung als die mit Abstand wichtigsten Kriterien für die Akzeptanz des Instruments angesehen (25 Prozent). Dies ist auch dadurch erkennbar, dass über 80 Prozent der Befragten eine Teilnahme unabhängiger Sachverständiger bzw. Vertreter von NGOs an der Ausgestaltung von Selbstverpflichtungen als wichtig bis sehr wichtig erachten. Weitere Akzeptanzkriterien sind der gesellschaftliche Nutzen und die Erreichbarkeit der Ziele (je 16 Prozent), das Vorhandensein von Sanktionsmechanismen (9 Prozent) sowie Freiwilligkeit der Unternehmen und Kosteneffizienz von Selbstverpflichtungen (je 8 Prozent).

Dr. Hartmut Unger | Pressemitteilungen
Weitere Informationen:
http://www.basf.de

Weitere Berichte zu: BASF NGO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie