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Zulieferer der Luftfahrtbranche sehen Ihre Existenz bedroht

17.01.2005


Parallelen zur deutschen Automobilindustrie drängen sich auf. Die Handlungsempfehlungen für beide Branchen lassen sich in einem Satz zusammenfassen: "Je intensiver der Wettbewerb - desto höher muss die Wertschöpfungsmigration sein".

Die Lage für kleine und mittelständische deutsche Zulieferer in der Luftfahrtindustrie ist äußerst schwierig geworden. Die Unternehmen bieten in der Regel nur eine sehr enge Produktpalette an und sind stark von wenigen Großkunden abhängig. "Das sehr begrenzte Produkt-Kunden-Portfolio macht die Zulieferer des Luftfahrtzeugbaus tendenziell anfällig bei Nachfrageschwankungen", so Andreas M. Lohner, Luft- und Raumfahrtexperte bei der Münchner Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber und Partner GmbH (W&P). Die wenigen Großkunden verlangen von ihren Zulieferern zunehmend, dass sie flexibel auf ihre Anforderungen eingehen und sie bedarfsgerecht beliefern. "Bedingt durch diese Programmorientierung", so Lohner weiter, "erfolgen Innovations- und Technologieentwicklung oft sprunghaft oder schubweise". Zudem erwarten die Großkunden verstärkt von ihren kleinen und mittelständischen Zulieferern, dass sie sich als so genannte Risikopartner an den Entwicklungskosten beteiligen, indem sie diese vorfinanzieren.

Die Luft- und Raumfahrtbranche ist eine Hochtechnologiebranche. Hier zählen im Wettbewerb in erster Linie Innovationskraft, Zuverlässigkeit und Zukunftsorientierung. "Die Chance deutscher Unternehmen", erklärt W&P-Berater Lohner, "liegt in ihrer starken Position einmal besetzter Teilmärkte. Der Markteintritt für neue Wettbewerber ist, bedingt durch die hohen Vorleistungen für Forschung und Entwicklung, schwierig". Ein weiterer Faktor, der für die deutschen Unternehmen spricht, sind die so genannten Skalenerträge, die durch Lerneffekte im Produktionsprozess entstehen. "Diese müssen", so Lohner, "künftig noch konsequenter genutzt und gestärkt werden". Gelingt es, diesen Vorsprung zu halten oder sogar auszubauen, haben hoch qualifizierte Jobs auch in Zukunft eine Chance. "Wir in Deutschland müssen den Innovationswettbewerb gewinnen, denn den Lohnwettbewerb haben wir bereits an Unternehmen aus Russland, China und Rumänien verloren". sagt Andreas M. Lohner. Das Modell der Zukunft sieht vor, dass das Know-how am Standort Deutschland verbleibt und weiter ausgebaut wird, während die Fertigung in Billiglohnländer verlegt wird, um die Personalkosten im Produktionsbereich deutlich zu verringern.

Erfolgversprechend für die Zukunftssicherung wirkt sich auch die Nischenspezialisierung oder die Ergänzung des Produkt- und Leistungsspektrums aus. "Durch die Erschließung weiterer Absatzmärkten wie z.B. in den Anwendungsbereichen von Automotive, Medizintechnik, Energie- und Versorgungsindustrie oder Sensorik kann die Abhängigkeit des Geschäftsfeldes Luftfahrt stark reduziert werden". "Und", so Lohner weiter, "mit hoch spezialisiertem Know-how insbesondere im Engineering-Dienstleistungsbereich wie z.B. Wartung, Instandhaltung, Systemkonfiguration, Virtual Simulation und Montage kann ein Unternehmen als attraktiver Outsourcing Partner im Markt bestehen".

Die Automobilzulieferindustrie hat diese Entwicklung vorgemacht, indem sie begonnen hat, neue Kompetenzen zu entwickeln und aufzubauen. Entwicklungs- und Produktionspartnerschaften wurden zur Beherrschung der Technologie ins Leben gerufen. Dabei sind einzelne Branchenbereiche zu vernetzten Wertschöpfungsräumen zusammengewachsen, die in den altbekannten, aber auch neu-konfigurierten Unternehmen ein neues Spiel beginnen. Professionelle Einkaufsportale, Megasupplier mit Systemkompetenz und hoch fokussierte Unternehmen, die sich nach innen und außen als Netzwerk organisieren, prägen die Branche. Was früher unter dem Dach einzelner Unternehmen geschaffen wurde, kann heute eine Vielzahl an fokussierten, offenen und vernetzten Einheiten leisten.

Melanie Kellner, M.A. | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.wieselhuber.de

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