Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie viel Wert hat ein Unternehmen? Human- und Sozialkapital kennen, nutzen und fördern.

27.10.2004


Zur Konferenz "Methoden der Erfassung und Bewertung immaterieller Ressourcen" des Forschungsverbundes "Nachhaltigkeit von Arbeit und Rationalisierung" am Institut Arbeit und Technik



Bei einem Blick auf die Börsenwerte großer Unternehmen wird deutlich, dass das Human- und Sozialkapital heute oft mehr als die Hälfte des Wertes eines Unternehmens ausmacht. Das individuelle Wissen und Können der Mitarbeiter, ihre Leistungsfähigkeit und Gesundheit, aber auch Reputation, Vertrauen, die Einbettung in Netzwerke und ähnliche "weiche" Faktoren gelten zunehmend als wesentliche Quellen des langfristigen wirtschaftlichen Erfolges.



In Kostenrechnung und Bilanzierung werden diese immateriellen Ressourcen bisher kaum wirklich erfasst. Wie kann man sie richtig bewerten, besser nutzen und gezielt für den Unternehmenserfolg einsetzen? Neue Methoden und Instrumente zur Erfassung und Bewertung immaterieller Ressourcen waren jüngst Thema einer Tagung des Forschungsverbundes "Nachhaltigkeit von Arbeit und Rationalisierung" (NAR) am 21. und 22. Oktober im Institut Arbeit und Technik/ Wissenschaftszentrum NRW in Gelsenkirchen, zu der sich rund 70 Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, Unternehmensberater und "Praktiker" aus der Wirtschaft trafen.

Die zunehmende Bedeutung immaterieller Werte wird seit kurzem durch die neuen Bilanzierungsregeln in der Europäischen Union gewürdigt, wie Dr. Inge Wulf von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg erläuterte. Eine die Unternehmensbilanz ergänzende "Lageberichterstattung" erlaubt zudem die Darstellung und Bewertung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Unternehmens sowie Informationen zu selbst geschaffenen immateriellen Werten. Präzisere quantitative Angaben zu den "intangible assets" sollten aber weiterhin als Ziel verfolgt werden, z.B. bei entsprechender Ausgestaltung von Wissensbilanzen.

Daneben standen vor allem Verfahren und Methoden zur Erfassung und Bewertung des Humankapitals, d.h. dem Wissen und Können der Beschäftigten, und des Sozialkapitals im Mittelpunkt der Tagung. Einen dritten Schwerpunkt bildete die Bilanzierung von Gesundheit und Belastung der Mitarbeiter. Prof. Dr. Peter Richter, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Dresden, zeigte anhand eines neuen Bewertungsverfahrens exemplarisch, wie sich die ökonomische Effizienz und Effektivität von Gesundheitsförderungsmaßnahmen im betrieblichen Kontext belegen lässt, und damit ein Nachweis für die positiven ökonomischen Effekte dieser Maßnahmen geliefert werden kann.

Ein Trend bei qualifizierter "Kopfarbeit" ist die zunehmende "Subjektivierung von Arbeit", wie Dr. Anja Gerlmaier vom IAT ausführte. Eigeninitiative, individuelle Leistungsaushandlung und Selbstkontrolle sind in vielen dieser Tätigkeitsbereiche mittlerweile selbstverständlich, führen aber zu veränderten Belastungsmustern, die erst mit entsprechend angepassten Verfahren ermittelt werden können. Auch die gesundheitlichen Folgen unterscheiden sich: Klagte man früher eher über Monotonie, körperliche Zwangshaltungen mit der Folge von Demotivation und häufiger Abwesenheit, so sind es bei den modernen Kopfarbeitern eher Versagensängste, chronische Erschöpfung und "Burnout", die die langfristige Produktivität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefährden.

Unternehmen, die erfolgreich in die Zukunft gehen wollen, müssen zudem den demografischen Wandel der Erwerbsbevölkerung bewältigen, führte der Arbeitsmediziner Dr. Jürgen Trempel, Hamburg, aus. Die regelmäßigen Arbeitsanforderungen sollte aus medizinischer Sicht in der Regel nicht mehr als die Hälfte der maximalen Leistungsfähigkeit betragen. Arbeitsplätze sollten zudem so gestaltet sein, dass man dort von 15 bis 65 arbeiten kann: "Wir brauchen keine Reservate für ältere ArbeitnehmerInnen, sondern eine altersgerechte Arbeitsgestaltung und -organisation!"

Das Verbundprojekt "Nachhaltigkeit von Arbeit und Rationalisierung" unter Federführung der Technischen Universität Chemnitz wird vom BMBF im Rahmen des Schwerpunktes "Innovative Arbeitsgestaltung - Zukunft der Arbeit" gefördert. Spezielle Aufgabe des IAT ist in diesem Rahmen, Bedingungen und Möglichkeiten nachhaltiger Arbeitsgestaltung bei hoch qualifizierter, wissensintensiver Projektarbeit zu untersuchen.

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.nar-projekt.de

Weitere Berichte zu: IAT Rationalisierung Ressource Sozialkapital

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind
27.04.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland
25.04.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie