Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutschland in der "Pole Position" - 500.000 neue Arbeitsplätze durch EU-Erweiterung

26.04.2004

"Die Erweiterung macht sich für Deutschland - zusätzlich zu den unschätzbaren Zugewinnen an Frieden, Sicherheit und Stabilität - positiv in Euro und Cent und auch in Arbeitsplätzen bemerkbar. Sie bietet unserer Wirtschaft eine historische Gelegenheit, auf einen anhaltenden Wachstumspfad einzuschwenken." Dies erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), heute in Berlin.

"Allein für unser Land prognostiziere ich die Entstehung von 500.000 neuen Arbeitsplätzen im Laufe der kommenden zehn Jahre - wohlgemerkt "netto", das heißt als Saldo der neu gewonnenen und der verlagerten Arbeitsplätze", so Börner.

... mehr zu:
»Abgabe »BGA »BGA-Präsident »EU-Erweiterung »Pol

Ausgangspunkt für diesen Optimismus seien schon alleine die Größe des entstehenden Wirtschaftsraumes, der enorme ökonomische Nachholbedarf der Beitrittskandidaten sowie der Wegfall der letzten verbleibenden nichttarifären Handelshemmnisse bis auf ganz wenige Ausnahmen. "Nicht zuletzt die vom 1. Mai an fließenden Mittel aus den Strukturfonds und der gemeinsamen Agrarpolitik werden einen Wachstumsschub auslösen, wie dies auch schon bei den Süderweiterungen der EU um Spanien, Portugal und Griechenland der Fall gewesen ist", so der BGA-Präsident.

Deutschland werde sowohl von der weiteren Belebung der Investitionsgüternachfrage wie von der steigenden Konsumgüternachfrage profitieren: "Aufgrund unserer zentralen Lage und unserer guten, über lange Jahre gewachsenen Verbindungen genießen wir die ’Pole Position’ im Rennen um die neuen Märkte im Osten. Wir rechnen mit einer Zunahme der Exporte in die Region um 6-8 Prozent in jedem der nächsten zehn Jahre."

"Mit der ökonomischen Verflechtung werden die Importe weiter stark ansteigen. Dies ist für unsere Volkswirtschaft nicht nachteilig, im Gegenteil, wir sind zunehmend auf sie angewiesen. Nicht nur viele hunderttausend hochwertige Jobs bei uns werden durch kostengünstige Importe von Vorprodukten gesichert sondern auch zahlreiche neue entstehen. Und nur so erhalten wir unsere Wettbewerbsfähigkeit, beispielsweise gegenüber unseren asiatischen Konkurrenten. Das Problem des deutschen Arbeitsmarktes liegt nicht im Jobexport gen Osten sondern im schwachen Wirtschaftswachstum hierzulande", so Börner.

Die prognostizierten Kosten von netto 2,5 Milliarden Euro, die die Erweiterung Deutschland bis zum Jahr 2006 kostet, hält Börner für vertretbar und überschaubar, wenn man die großen Vorteile für den Standort Deutschland gegenrechnet: "Dies ist vielmehr eine Investition in die Zukunft, die wir mit Zins und Zinseszins zurückerhalten. Es ist ein großer Irrglaube, dass wir mit unseren Steuern dort Arbeitsplätze finanzieren."

In welchem Maß die Integration bereits fortgeschritten ist, zeigen die Ergebnisse der repräsentativen BGA-Studie unter deutschen mittelständischen Groß- und Außenhändlern hinsichtlich ihres Engagements in den "big four" (Polen, Ungarn, Tschechien und Slowakei). Knapp die Hälfte der Unternehmen (46 Prozent) ist bereits in einem oder mehreren der vier Ländern tätig. Mit der heute erscheinenden Broschüre "Willkommen im neuen Europa!" legt der BGA eine Analyse der wirtschaftlichen Chancen der Erweiterung vor. Sie dient zugleich als Anleitung für mittelständische Unternehmen, die noch nicht in der Region tätig sind, und klärt über die veränderten Rahmenbedingungen auf.

Die EU-Erweiterung bedeutet auch einen verschärften Standortwettbewerb. "Die beitretenden Länder sind uns mittlerweile in vielen Bereichen mehr als ’eine Nasenlänge voraus’", warnt Börner und mahnt die Fortsetzung der dringend notwendigen Reformen an. So haben die Staaten Mittel- und Osteuropas im Rahmen des Reformprozesses ihre Steuersysteme modernisiert und treten mit Deutschland in den Wettbewerb um Auslandsinvestitionen. "Auch unser Land muss sich dem Steuerwettbewerb stellen. Nicht nur die sinkende Transparenz und zunehmende Komplizierung des Steuerrechtes, sondern auch die EU-Osterweiterung machen eine grundlegende Reform des Steuerrechtes dringender notwendig denn je", erklärt der BGA-Präsident.

Und weiter: "Überhaupt: Bürokratieabbau und Ausbildungsplatzabgabe - das passt nicht zusammen! Diese Abgabe bedeutet noch mehr Bürokratie, behindert die Wettbewerbsfähigkeit und vernichtet weitere Ausbildungsplätze. Wenn Abgaben produktiv sein sollen, warum dann nicht gleich eine Arbeitsplatzabgabe zur Schaffung von Millionen neuer Jobs? Die Beitrittsländer schlagen den gegenteiligen Weg ein." Zudem gelte es Investitionen in Wachstumsbranchen nicht weiter zu behindern. Forschung und Bildung müssten massiv gefördert werden, denn sie seien das Fundament künftigen Wachstums.

Auch nach Abschluss der Erweiterung müsse die Europäische Union freihändlerisch orientiert bleiben, fordert Börner: "Protektionismus, ob im Agrarbereich oder sonst wo, ist stets ein Zeichen von wirtschaftlicher Schwäche und der Angst vor dem Wettbewerb. Mehr noch: Aus Protektionismus entstehen Diskriminierung und Nationalismus."

"Wir befinden uns dann auf dem Weg hin zu einer echten Gewinnerspirale, von der nicht nur die Bevölkerung in den Beitrittsstaaten, sondern auch die "alte EU" und insbesondere Deutschland profitieren werden", so der BGA-Präsident abschließend.

André Schwarz | BGA
Weitere Informationen:
http://www.bga.de

Weitere Berichte zu: Abgabe BGA BGA-Präsident EU-Erweiterung Pol

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten