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Deutschen Unternehmen steht mehrheitlich die Umstellung auf IAS/IFRS noch bevor

21.04.2004


Untersuchung von PwC und Universität Eichstätt zur Kapitalmarktorientierung deutscher Firmen legt den Umstellungsbedarf auf IAS/IFRS offen / Insbesondere eine Vielzahl von kleineren Unternehmen ist hiervon betroffen

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Mehr als die Hälfte der kapitalmarktorientierten und konsolidierungspflichtigen Unternehmen in Deutschland haben ihr Rechnungslegungssystem noch nicht an die IAS/IFRS (International Accounting Standards / International Financial Reporting Standards) angepasst, die ab dem 1. Januar 2005 in der Europäischen Union für diese Konzerne Pflicht sein werden. Ziel ist es, eine Integration der europäischen Kapitalmärkte zu erreichen.

Obwohl von der Umstellungspflicht 789 von rund 1.000 notierten Firmen an den deutschen Wertpapierbörsen betroffen sind, erstellen bislang nur 36 Prozent ihren Konzernabschluss nach IAS/IFRS. 45 Prozent bilanzieren noch nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB), 19 Prozent nach dem amerikanischen Rechnungslegungsstandard US-GAAP (United States-Generally Accepted Accounting Principles). Nur vergleichsweise wenig Konzerne (75) können die verlängerte Umstellungsfrist bis 2007 in Anspruch nehmen, so dass die Umstellung auf die IAS/IFRS in 2005 rund 450 Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Handel und sonstige Dienstleistungen sowie Finanzdienstleistern und Versicherern bevorsteht. Von diesen bilanzieren 72 Prozent noch nach HGB, was insbesondere die meisten der kleineren Konzerne betrifft, die übrigen 28 Prozent nach US-GAAP. "Deutschland nimmt zwar mit bereits rund 260 IAS/IFRS-Bilanzierern im europäischen Vergleich eine Vorreiterrolle wahr", erklärt Jochen Pape, Mitglied des Vorstands von PwC. "Doch insbesondere vielen kleineren Unternehmen steht die Umstellung auf IAS/IFRS in 2005 noch bevor; die Tragweite des Umstellungsprozesses darf nicht unterschätzt werden. Man kann nur hoffen, dass die noch umstellungspflichtigen Konzerne in der Zwischenzeit mit diesem Prozess bereits begonnen haben."


Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Studie IAS/IFRS 2005 - Kapitalmarktorientierte Unternehmen in Deutschland, die PricewaterhouseCoopers (PwC) heute in Frankfurt vorgestellt hat. Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Erstmals wurden sämtliche an Regionalbörsen sowie am Frankfurter Markt gelisteten Unternehmen umfassend analysiert. Neben der Größe (nach Umsatz oder Bilanzsumme) und Branchenzugehörigkeit wurde dabei auch berücksichtigt, ob der Konzern nur Aktien, nur Anleihen oder beides emittiert. Dazu sind im Rahmen der Studie die Abschlüsse für in 2002 endende Geschäftsjahre zugrunde gelegt worden.

Die meisten kleineren Unternehmen bilanzieren noch nach HGB

Wie die Untersuchung weiter ergab, praktizieren vor allem kleinere Unternehmen noch nicht die Rechnungslegung nach den IAS/IFRS. So liegt der Anteil der HGB-Bilanzierer bei den Unternehmen aus Industrie, Handel und sonstigen Dienstleistungen mit einem Jahresumsatz von bis zu einer Milliarde Euro bei 44 Prozent. Noch klarer dominiert die Rechnungslegung nach deutschem Recht bei den Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als zehn Millionen Euro (56 Prozent).

Andererseits befindet sich auch unter den 144 kleinen Firmen mit einem Jahresumsatz zwischen 10 und 50 Millionen Euro eine relative Mehrheit von 45 Prozent, die bereits IAS/IFRS nutzt. "Dies ist vor allem darauf zurückzuführen", so Jochen Pape, "dass sich in dieser Größenklasse viele Unternehmen der früheren Börsensegmente SMAX und Neuer Markt befinden, die bereits zur internationalen Rechnungslegung verpflichtet waren. Bereinigt man die Statistik um diese Firmen liegt der Anteil von Unternehmen, die nach HGB bilanzieren, sogar bei mehr als zwei Drittel."

Im Bereich der kleinen und mittelgroßen Finanzdienstleister mit einer Bilanzsumme von weniger als 100 Milliarden Euro ist die Internationalisierung der Konzernrechnungslegung sogar noch weniger vorangeschritten. Rund 75 Prozent dieser Finanzinstitute bilanzieren nach HGB und haben damit einen vergleichsweise höheren Umstellungsbedarf als Unternehmen aus anderen Branchen, was auch damit zusammenhängt, dass ein höherer Anteil reiner Anleiheemittenten erst in 2007 auf IAS/IFRS umstellen muss.

Korrespondierend zu den obigen Feststellungen belegt die Studie, dass der Hang zur internationalen Rechnungslegung mit der Unternehmensgröße wächst - so bilanzieren 43 Prozent der 113 Firmen aus Industrie, Handel und sonstigen Dienstleistungen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro nach IAS/IFRS und 20 Prozent nach US-GAAP, das heißt, zusammen gesehen haben sich bereits 63 Prozent für die internationale Rechnungslegung und der damit verbundenen höheren Akzeptanz an den Kapitalmärkten entschieden.

Ausnahmeregelung ’2007’ gilt nur für vergleichsweise wenig Konzerne

Im Rahmen der den Mitgliedsstaaten gemäß EU-Verordnung eingeräumten Wahlrechte, die nach dem vorliegenden Entwurf des Bilanzrechtsreformgesetzes auch in Deutschland weitergegeben werden sollen, können bestimmte Unternehmen die verlängerte Umstellungsfrist bis 2007 in Anspruch nehmen. Dies betrifft insgesamt nur 75 kapitalmarktorientierte Unternehmen: 62 Konzerne emittieren lediglich Anleihen, 13 weitere Unternehmen sind an der NYSE oder NASDAQ gelistet und bilanzieren gemäß Anforderungen der EU-Verordnung bereits nach US-GAAP.

Bereits 2002 hatte PwC 700 europäische Finanzvorstände hinsichtlich der IAS/IFRS-Umstellung befragt. Danach befürwortete zwar die Mehrzahl die neuen Regelungen, doch nur 15 Prozent hatten sie bislang in Europa vollzogen. In Deutschland waren dies bereits 39 Prozent der damals befragten börsennotierten Unternehmen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass der Umstellungsbedarf der von der IAS-Verordnung betroffenen Unternehmen nach wie vor immer noch sehr hoch ist, da bereits für das laufende Geschäftsjahr eine Anfangsbilanz nach IAS/IFRS - in der Regel zum 1. Januar 2004 - erstellt werden muss.

Jochen Pape | PricewaterhouseCoopers
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com/de/ifrs-studie

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