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Gute Nachricht vom Handel

21.01.2004

"Dank von Außen kommender Impulse blickt der Großhandel - nach zwei geradezu katastrophalen Jahren - erstmals wieder verhalten optimistisch in die Zukunft." Dies erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), in Berlin bei der Vorstellung der Ergebnisse des BGA-Großhandels-Indikators sowie seiner jüngsten Unternehmensbefragung. Der Grund hierfür seien jedoch nicht die politischen Beschlüsse des vergangenen Jahres. Vielmehr werde der Großhandel als Beschaffungs- und Absatzorganisation deutscher Produzenten überproportional vom weltwirtschaftlichen Aufschwung profitieren. Das Jahr 2003 sei, so Börner, auch für den Großhandel enttäuschend verlaufen. Aber, während das Bruttoinlandsprodukt fiel und andere Branchen Umsatzrückgänge hinnehmen mussten, stiegen die Umsätze im Großhandel in 2003 moderat und exakt wie prognostiziert - um nominal 0,7 und real 0,1 Prozent - an.

Aufgrund des weltweiten Aufschwungs erwartet der BGA für 2004 einen Anstieg des deutschen Bruttoinlandsproduktes um 1,5 Prozent. "Der leichte Aufwärtstrend wird mit Deutschland wenig und mit dem Rest der Welt viel zu tun haben. Achillesferse der Entwicklung bleibt die Binnenwirtschaft, so Börner.

Für das laufenden Jahr rechnet Börner abermals damit, dass das Wachstum im Großhandel das der deutschen Volkswirtschaft übersteigt. Die vergangenen Jahre habe die Branche zur Konsolidierung und Anpassung an die herrschenden Bedingungen genutzt und profitierte nun von den außenwirtschaftlichen Impulsen auf die inländische Industrie. Umsatzsteigerungen zwischen 1,7 und 1,9 Prozent seien erreichbar. Problematisch bleibe der anhaltend schwache Konsum. Erfreulich habe sich der halbjährlich vom BGA ermittelte Großhandels-Index entwickelt, der im Januar zum zweiten Mal in Folge auf nunmehr 97,9 Punkte stieg und nach dem jüngsten Anstieg um 11,3 Punkten nun kurz vor einem Ausgleich positiver und negativer Urteile stehe. Die Entwicklung der Umsätze, der Ertragssituation und der Großhandelskapazitäten bleibe weiterhin unbefriedigend, jedoch wiesen insbesondere die Erwartungs-Parameter in Richtung Besserung. Der Beschäftigungsabbau der vergangenen zwei Jahre konnte - anders als im Einzelhandel - erfolgreich gestoppt werden. 16 Prozent der befragten Unternehmen planten sogar, die Beschäftigung im Verlauf der kommenden sechs Monate aufzustocken.

Der Politik stellen die Befragten ein geradezu desaströses Zeugnis aus: In keinem einzigen Bereich können die bisherigen Reform-Leistungen überzeugen. Im Großhandel werden die im Vermittlungsausschuss getroffenen Vereinbarungen demzufolge keine zusätzlichen Jobs schaffen oder gar nachhaltige und zusätzliche Wachstumsimpulse auslösen. 99 Prozent des Großhandels mit immerhin über 100.000 Unternehmern und rund 1,2 Millionen Beschäftigten erwarten von den verabschiedeten Steuergesetzen keine positiven Effekte für Wachstum und Beschäftigung. Auf betrieblicher Ebene sehen 70 Prozent der Befragten keine Entlastung bzw. sogar Mehrbelastungen. Der BGA-Präsident forderte stärkere Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung und die Rückkehr zur Marktwirtschaft. Der wiederholte Verstoß gegen den europäischen Stabilitätspakt, schade langfristig auch den deutschen Wachstumsgrundlagen. "Ich habe Herrn Solbes ausdrücklich unterstützt, seinen konsequenten Kurs zur Wahrung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes umzusetzen." 98 Prozent der Unternehmen gaben an, die Maßnahmen am Arbeitsmarkt reichten nicht aus. 85 Prozent sind der Meinung, die jüngste Anhebung des Schwellenwertes im Kündigungsschutzgesetz auf 10 Mitarbeiter sei zu gering ausgefallen. In diesem Bereich gaben die Hälfte an, die Heraufsetzung des Schwellenwertes würde Neueinstellungen erleichtern. Dies zeige laut Börner deutlich, dass dies der richtige Weg für mehr Beschäftigung ist, hierzu müsse der Schwellenwert jedoch deutlich auf 50 Mitarbeiter angehoben werden. Auch die hohen Lohnnebenkosten bleiben ein weiteres Einstellungshindernis und blockieren damit unser Wachstum. "Die deutsche Wirtschaftspolitik engt die Wachstumsmöglichkeiten des Großhandels ein. Die begonnenen Reformen des Jahres 2003 reichen bei weitem nicht aus, die unzureichenden Rahmenbedingungen für Unternehmen spürbar zu verbessern. Im Zuge der EU-Osterweiterung steigt auch für zahlreiche mittelständische Unternehmen die Attraktivität, über Betriebsverlagerungen in die Beitrittsländer nachzudenken", so Börner.

Mehr denn je sei er davon überzeugt, dass Deutschland einen echten Neuanfang sowohl beim Steuer- als auch beim Arbeitsrecht brauche und schaffen könne. Deshalb forderte der BGA-Präsident Bundesregierung und Opposition auf, es nicht bei den Lippenbekenntnissen zum Jahresende zu belassen. "Die Signalwirkung eines klaren Steuerrechts mit einem Spitzensteuersatz von maximal 35 Prozent wäre für Bürger und Unternehmer immens und würde zudem Investoren aus der ganzen Welt anlocken. Einhergehend mit einigen mutigen Schritten bei der Liberalisierung des Arbeitsmarktes könnte dies Deutschland in wenigen Jahren zurück an die Spitze der Wachstumsmärkte bringen und Innovationsgipfel, Ausbildungsplatzabgaben, Hartz- und Rürup-Kommissionen sämtlich überflüssig machen."

André Schwarz | BGA
Weitere Informationen:
http://www.bga.de

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