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Produktivitätslücke ostdeutscher Betriebe nur teilweise erklärbar

15.03.2001


Übersicht über die als sehr wichtig

erachteten Maßnahmen. Ostdeutsche Betriebe messen der Organisation

und dem Personal deutlich weniger Bedeutung bei als

westdeutsche.


Die durchschnittliche Wertschöpfung je

Mitarbeiter liegt in den ostdeutschen Betrieben deutlich unter

Westniveau. Zudem unterscheidet sich die gewinnbereinigte

Wertschöpfung hier nur unwesentlich.


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»ISI
Technisch auf Westniveau / Doch noch unzureichende Personalentwicklung

Die Produktivität der ostdeutschen Betriebe des produzierenden Gewerbes erreicht auch zehn Jahre nach der Wirtschaft- und Währungsunion nur etwa zwei Drittel des Wertes westlicher Bundesländer. Das zeigen jüngste Analysen des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe. Sie untersuchten rund 1300 Betriebe der deutschen Investitionsgüterindustrie, etwa ein Viertel davon stammten aus dem Osten. Besonders ausgeprägt ist der Produktivitätsrückstand in Sachsen-Anhalt, wo nur 60,5 Prozent des Westniveaus erreicht werden.

Die Gründe für diese Produktivitätslücke sind vielfältig: Doch lassen sie sich nur zu etwa einem Drittel quantitativ erklären. Knapp 2 Prozentpunkte werden durch unterschiedliche Größen- und Branchenstrukturen erklärt, 3 Prozentpunkte sind den im Osten immer noch geringer ausgelasteten Kapazitäten zuzurechnen. Mit 7 Prozentpunkten schlägt die Tatsache zu Buche, dass die Betriebe in den neuen Ländern zu Preisen anbieten müssen, die kaum kostendeckend sind.

Ein technischer Rückstand oder ein Rückstand bei der Nutzung neuer Produktionskonzepte ist jedoch nicht mehr festzustellen. Dieser wurde seit der Wende aufgeholt. Ferner zeigt sich, dass die Betriebe der östlichen Länder den Produktpreis als Wettbewerbsfaktor lange nicht mehr so hoch gewichten wie noch 1997. Statt dessen konkurrieren sie stärker über Termintreue und vor allem über neue Produkte. Bei Erzeugnissen, die nicht älter als drei Jahre sind, weisen die östlichen Bundesländer mit gut 20 Prozent sogar höhere Umsatzanteile aus als der Westen (15 Prozent).

Die Produktivitätslücke scheint hauptsächlich auf unzureichende Maßnahmen bei Personalangelegenheiten und bei der Arbeitsorganisation zurückzuführen zu sein. Es scheint, dass die Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit den neuen technischen Lösungen und den organisatorischen Konzepten produktiv umzugehen, nicht ausreichend mitentwickelt wurden. Eine konsequente Qualifizierung der Beschäftigten, flankiert mit arbeitsorientierten, organisatorischen Innovationen, halten die Fraunhofer Forscher daher für dringend geboten.

Die Wissenschaftler nahmen insbesondere Sachsen-Anhalt unter die Lupe. Es steht im Vergleich noch schwächer da, als so manch anderes östliche Bundesland. So erwirtschafteten die sachsen-anhaltinischen Firmen 1998 eine durchschnittliche Wertschöpfung von 92 000 DM je Mitarbeiter. In den Betrieben der anderen neuen Länder belief sich der Wert auf immerhin 100 000 DM. Für die westlichen Bundesländer ermittelten die Fraunhofer-Forscher dagegen eine mittlere Wertschöpfung von 152 000 DM.

Auch in Bezug auf Forschungs- und Entwicklungs-Kooperationen mit Kunden hinkt Sachsen-Anhalt hinter anderen Bundesländern hinterher. Erhöhte sich die Zahl derartiger Kooperationen zwischen 1997 und 1999 in den anderen neuen Ländern explosionsartig von 39 auf 66 Prozent, liegt der entsprechende Wert in Sachsen-Anhalt derzeit bei 33 Prozent. Das liegt noch deutlich unter dem Durchschnitt von 45 Prozent im Westen. Dagegen haben die Betriebe Sachsen-Anhalts seit 1997 die anderen deutschen Firmen bei der Aufgliederung der Fertigung in kundenorientierte Systeme "überholt".

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl.-Phys. Gerhard Samulat | idw

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