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Bundesregierung legt Aktionsprogramm "Wissen schafft Märkte" vor

14.03.2001


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Bulmahn und Müller: "Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft muss gestärkt werden"

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und Bundeswirtschaftsminister Dr. Werner Müller haben am heutigen Mittwoch in Berlin das Aktionsprogramm "Wissen schafft Märkte" vorgestellt. Mit dem umfassenden Aktionsprogramm will die Bundesregierung erreichen, dass neue wissenschaftliche Forschungsergebnisse künftig schneller und direkter in den Markt gelangen.

"Ein enger Schulterschluss zwischen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft ist notwendig, um erfolgreichen Wissens- und Technologietransfer in Deutschland zu praktizieren. Deutschland verfügt über eine leistungsfähige Forschungslandschaft, die international einen sehr guten Ruf hat. Hierauf gilt es aufzubauen. Es muss noch besser als in der Vergangenheit gelingen, neue Forschungsergebnisse schnell in Wertschöpfung am Markt umzusetzen", so die Minister. 5.000 Unternehmen haben in den vergangenen fünf Jahren neue Produkte an den Markt gebracht, die ohne neuere Ergebnisse der Wissenschaft nicht möglich gewesen wären. Gemessen an 23.000 Unternehmen, die regelmäßig Forschung und Entwicklung betreiben, ist dies eine zu geringe Zahl.

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die über keine eigenen Forschungsabteilungen verfügen, sind auf enge Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen dringend angewiesen. Studien belegen, dass 20 bis 40 % aller innovativen KMU mit wissenschaftlichen Einrichtungen kooperieren wollen. Tatsächlich haben aber weniger als 10 % bislang geeignete Kooperationspartner gefunden. Das neue Aktionsprogramm unterstützt deshalb insbesondere den Mittelstand zum Beispiel durch zielgerichtete Weiterbildungsangebote bei der Verbesserung seiner Innovationskompetenz.

Der Wissens- und Technologietransfer hat unter anderem unter der Unterfinanzierung von öffentlicher und privater Forschung und Entwicklung in den 90er Jahren gelitten. Diese Bundesregierung hat bereits mit steigenden Haushalten in Bildung, Forschung und Technologie eine entscheidende Weichenstellung vorgenommen. Jetzt kommt es darauf an, die Potenziale der Forschung in eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und in neue Arbeitsplätze umzusetzen. Bundesministerin Bulmahn: "Bislang ungenutzte Handlungsspielräume sollen jetzt mit dem Aktionsprogramm ausgeschöpft werden". Bundesminister Müller: "Gerade für den Mittelstand bietet die Kooperation mit der Wissenschaft erhebliche Chancen im Innovationswettbewerb".

Das Aktionsprogramm "Wissen schafft Märkte" finden Sie auf den Internetseiten www.bmbf.de und www.bmwi.de.

Im Rahmen des Aktionsprogramms starten wir vier Offensiven:

1. Spitzenforschung braucht Spitzenverwertung:

  • Mit der Verwertungsoffensive wollen wir erreichen, dass wissenschaftliche Forschungsergebnisse schneller den Weg zum Markt finden.
  • Mit der Reform des Hochschullehrerprivilegs sollen die Hochschulen in die Lage versetzt werden, die Erfindungen aus ihrem Bereich selbst zum Patent anzumelden.
  • Bei der Patentierung und Verwertung werden Hochschulen und Forschungseinrichtungen durch professionelle Patentierungs- und Verwertungsagenturen unterstützt, deren Aufbau vom BMBF finanziell gefördert wird.
  • Eine einheitliche Internetplattform für Wissenschaft und Technologien soll künftig dem Informationsbedürfnis der Wirtschaft über die technologischen Kompetenzen der Wissenschaftler besser gerecht werden.

2. Ausgründungen schaffen Beschäftigung:

Mit einer Ausgründungsoffensive wollen wir Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft als Motor für Wachstum und Beschäftigung mobilisieren:

  • Mit dem BMWi-Programm "BTU - Beteiligungskapital für kleine Technologieunternehmen" steht Gründerinnen und Gründern eine wirkungsvolle Unterstützungsmöglichkeit beim Zugang zu Risikokapitel zur Verfügung.
  • Das BMBF wird ein Förderprogramm starten, das gründungsbereite Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Frühphase bis zum Abfassen eines Businessplans finanziell und beratend unterstützt.
  • Darüber hinaus sollen in Zukunft neue Beteiligungsmodelle in Public-Private-Partnership erprobt werden.


3. Wissenschaft als Partner im Transfer:

Mit einer Partnerschaftsoffensive wollen wir Anreize schaffen und Rahmenbedingungen setzen, damit Wissenschaft und Wirtschaft stärker aufeinander zugehen:

  • Engagement im Wissens- und Technologietransfer soll sich stärker lohnen. Bei der Reform des Hochschuldienstrechts soll ein wichtiges Kriterium für die leistungsbezogene Bezahlung die Leistung im Transfer sein.
  • Bei Projekten mit Marktpotenzial soll die wirtschaftliche Umsetzung von Forschungsergebnissen in Innovationen von Anfang an im Forschungsprozess berücksichtigt werden - dies soll für die institutionelle Förderung des BMBF künftig genauso gelten, wie für die Forschungseinrichtungen des BMWi.
  • Die Wirtschaft soll künftig ihre Vorschläge und Überlegungen frühzeitig in den Forschungsprozess einbringen. Die Umstellung der Förderung der Helmholtz-Gesellschaft auf Programmsteuerung sieht deshalb eine Mitwirkungsmöglichkeit der Wirtschaft im künftigen Senat vor.
  • Wissenschaftliche Kompetenzen aus grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung müssen zusammengebracht werden, um die Wissenschaft als Partner der Wirtschaft insgesamt zu stärken. Die Fusion der GMD mit der Fraunhofer-Gesellschaft ist hierfür bei den Informations- und Kommunikationstechnologien ein wichtiger Schritt.
  • Kleine und mittlere Unternehmen müssen stärker in die Forschung eingebunden werden. BMWi und BMBF werden daher die öffentlichen Forschungsförderprogramme für Mittelständler attraktiver machen. Das BMWi hat dazu eine umfassende Systemevaluation seiner auf Kooperation zielenden Forschungsförderung eingeleitet.
  • Fachhochschulen werden als regionale Partner für kleine und mittlere Unternehmen künftig mehr Mittel aus dem speziellen BMBF-Forschungsförderprogramm zur Verfügung stehen.
  • Mit einer neuen Maßnahme "Innovative regionale Wachstumskerne" stärken wir - aufbauend auf InnoRegio - die regionale Zusammenarbeit zwischen Bildung, Forschung und Wirtschaft in den neuen Ländern.


4. Innovationskompetenz als Transfervoraussetzung:

Mit einer Kompetenzoffensive wollen wir Unternehmen darin unterstützen, externes Wissen aus dem akademischen Raum stärker für betriebliche Innovationsprozesse zu nutzen.

  • Durch die Förderung modellhafter Projekte wollen BMBF und BMWi Unternehmen dazu ermuntern, effiziente Lernstrukturen aufzubauen und die beruflichen Kompetenzen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stärken.
  • Über Qualitätsringe der Anbieter sowie Bildungstests sollen Unternehmen künftig die Qualität von Weiterbildungsangeboten besser einschätzen können.
  • Kompetenz zur Innovation soll künftig in den neuen Meisterprüfungsverordnungen in Handwerk und Industrie berücksichtigt werden. Außerdem unterstützt das BMWi speziell auch das Handwerk beim Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Iris Marzian | idw

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