Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die USA - größter Aktienmarkt der Welt

19.03.2001


... mehr zu:
»ADR »Marktkapitalisierung »NYSE »UBS
Die an der New York Stock Exchange (NYSE) und an der National Association of Securities Dealers Automated Quotations (Nasdaq) gelisteten Unternehmen hatten Ende 2000 eine gemeinsame
Marktkapitalisierung von mehr als 20 Billionen Dollar. Davon entfielen 17,1 Billionen Dollar allein auf die NYSE. Mit 3,6 Billionen Dollar ist die oft als reiner "Wachstumsmarkt" qualifizierte Nasdaq zwar um einiges kleiner, aber als Nummer 2 weltweit immer noch größer als die nächst-platzierte Börse in Tokio mit 3,2 Billionen Dollar. London kommt auf Platz 4 mit etwa 2,6 Billionen Dollar. An fünfter Stelle steht Euronext mit 2,3 Billionen Dollar, gefolgt von der Deutschen Börse auf Platz 6 mit 1,3 Billionen Dollar.

Ausländische Firmen an den US-Börsen

Die amerikanischen Börsenplätze sind wegen der Größe des heimischen Marktes, der langen Tradition der Unternehmensfinanzierung über die Kapitalmärkte und der Bedeutung des privaten Asset Managements weltweit führend. 1985 wurden 111 ausländische Unternehmen an allen amerikanischen Börsen neu gelistet, 1999 waren es fast fünfmal so viele, nämlich 504. An der NYSE wurden im Jahr 2000 insgesamt 434 nicht-amerikanische Aktiengesellschaften aus 51 Ländern gehandelt. 61 nicht-amerikanische Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 730 Milliarden Dollar wurden in 2000 neu an der NYSE gelistet. Von den europäischen Unternehmen sind unter anderem Novartis und UBS aus der Schweiz, Pearson und Prudential aus Grossbritannien und die französische Vivendi vertreten. Aus Deutschland sind vor Siemens bereits 13 Unternehmen an der NYSE gelistet, darunter Allianz, Infineon und BASF, sowie acht Unternehmen an der Nasdaq.

Die New York Stock Exchange ist der bevorzugte Markt der Großunternehmen

In den letzten anderthalb Jahrzehnten haben sich zwischen den Börsensegmenten interessante Verschiebungen ergeben. 1985 suchten noch 77 Prozent der ausländischen Unternehmen eine Notierung an der Nasdaq, nur 17 Prozent ließen ihre Aktie an der NYSE listen. 1999 hatte die NYSE kräftig aufgeholt: 65 Prozent der Non-US-Companies wurden nun an der NYSE neu notiert und nur mehr 34 Prozent an der Nasdaq. In den 80er Jahren waren es vorwiegend die kleineren und mittleren Wachstumswerte, die auf der Suche nach Wagniskapital nach Amerika strebten. Der Venture Capital Markt war in weiten Teilen Europas damals noch völlig unterentwickelt. In den letzten Jahren kamen dann mehr und mehr auch die großen, etablierten Unternehmen - die meisten aus ähnlichen Gründen wie nun auch Siemens: um den bedeutenden amerikanischen Kapitalmarkt noch besser zu erschließen und um im Zuge der Globalisierung ihres Geschäfts die Möglichkeit zu haben, ihre Aktie als Akquisitionswährung einzusetzen.

Warum sich Siemens für die New York Stock Exchange entschieden hat

Der Schwerpunkt der Nasdaq liegt eindeutig auf den kleineren und mittleren Werten mit starken Wachstumsraten und oft noch geringer Profitabilität. In diesem Umfeld hätte sich Siemens eher fremd ausgenommen. Auch die überwiegende Zahl der Wettbewerber von Siemens sind an der NYSE notiert: Alcatel, Alstom, Nokia, Philips, GE, Emerson, Lucent, Motorola und Nortel. Nur Ericsson, Marconi und Cisco sind aus diesem Kreis an der Nasdaq vertreten.

Ein Vergleich der Marktkapitalisierung der neugelisteten europäischen Unternehmen zeigt dasselbe Bild. Mit ihrem aktuellen Börsenwert von rund neun Milliarden Dollar war die finnische Sonera der größte Nasdaq-Wert der letzten drei Jahre. Die größten NYSE-Listings spielen dagegen in der Liga von Siemens: Die HSBC mit 134 Milliarden, Novartis mit 123 Milliarden und die UBS mit 71 Milliarden Dollar.

Ein wesentlicher Grund, weswegen auch viele Firmen aus dem Hightech-Bereich die NYSE wählen, liegt in ihrem besonderen Spezialisten-Handels-System. Die NYSE hat in den vergangenen zehn Jahren über zwei Milliarden Dollar in ihre eigene technische Fortentwicklung investiert. Während an der Nasdaq der Markt auf viele hundert Market-Maker zersplittert ist, werden an der NYSE die Aufträge an einem Punkt, nämlich beim sogenannten "Specialist", zentralisiert. Seine Aufgabe ist es, für einen "orderly market", also für faire Preise in einem liquiden Markt zu sorgen. Dazu stellt er Kurse notfalls auch unter Einsatz eigenen Geldes. Außerdem agiert er als zentrale Informationsquelle für seine Werte und als Ansprechpartner in kritischen Marktsituationen.

Aktionärsstruktur von Siemens - Breite Basis in den USA

Siemens erschließt sich mit dem Listing den US-Aktienmarkt nicht neu. Bereits heute liegen etwa 13 Prozent des Kapitals von Siemens in den Händen amerikanischer Anleger, vorwiegend großer institutioneller Aktionäre. Bei der letzten Aktionärserhebung im Jahr 1996 lagen erst etwa 7 Prozent des Kapitals in den USA, 1993 waren es 5 Prozent. Das Gesamtinvestment amerikanischer Anleger in ausländische Aktien hat sich seit 1991 mehr als verfünffacht. Es lag im Jahr 2000 bei ca. 1,7 Billionen Dollar, und für die nächsten Jahre ist ein anhaltendes Wachstum prognostiziert.

Mit ihrem Anteil am Siemens-Kapital sind die Vereinigten Staaten eine der stärksten ausländischen Aktionärsbasen. Im Inland, wo die Mehrzahl der privaten Siemens-Aktionäre zu Hause ist, werden etwas mehr als 50 Prozent des Kapitals gehalten. Neben den USA liegen bedeutendere Anteile auch in Großbritannien und in der Schweiz.

Deutlich über 50 Prozent des Siemens-Kapitals werden von institutionellen Anlegern, also großen Fonds und Versicherungen, gehalten. Die Familie von Siemens ist mit rund 6,5 Prozent weiterhin der einzige Großaktionär. Mehr als 800.000 Privataktionäre machen die Siemens-Aktie zu einem der am breitesten gestreuten deutschen Aktienwerte.

Die Siemens-Aktie wird als American Depositary Receipt gelistet

Siemens emittiert zum Listing keine neuen Aktien, um sie spezifisch in den USA zu platzieren. Dies stünde im Widerspruch zur grundsätzlichen Politik, das Eigenkapital durch den Rückkauf und Einzug eigener Aktien zu verringern und den Gewinn pro Aktie zu erhöhen. Die Notierung in den USA eröffnet eine zusätzliche Handelsmöglichkeit. So dürfen insbesondere einige öffentliche institutionelle Anleger, wie z. B. staatliche Pensionsfonds, aufgrund ihrer Anlageprinzipien nur in Aktien investieren, die als US-Wertpapiere registriert sind.

Siemens listet seine Aktie in den USA als American Depositary Receipts (ADR’s). Ein ADR des sogenannten Level II wird in den USA als "registered US equity" angesehen und kann damit von allen Investoren erworben werden. Technisch funktioniert das so, dass eine ADR-Bank - bei Siemens ist das JP Morgan - eine Siemens-Aktie bei sich hinterlegt und auf dieser Grundlage das Receipt emittiert und in den Handel gibt. Beim Level II erfüllt das Unternehmen die vollen Anforderungen der Securities Exchange Commission (SEC) und der Börse bezüglich Rechnungslegung und Transparenz wie jedes amerikanische Unternehmen (von einigen kleineren Sonderregelungen für ausländische Firmen abgesehen). Die ADR’s können deshalb vollgültig als Investment-Instrument wie auch als Akquisitionswährung eingesetzt werden.

Die Alternative zum ADR wäre die Global Share gewesen. Nur drei ausländische Konzerne haben sich bislang für diese Variante entschieden, DaimlerChrysler, Celanese und UBS. Beim Global Share ermöglicht eine globale Clearing-Struktur den unterbrechungslosen Handel in der Aktie, es gibt keine Zwischenschaltung eines anderen Wertpapiers. Die Etablierung der globalen Handelsplattform ist jedoch ein aufwendiger Prozess. Bei den bislang als Global Shares notierten Werten stehen dem keine deutlich höheren US-Handelsvolumina als bei vergleichbaren ADR’s gegenüber. Der Haupthandel findet weiterhin am liquidesten Markt statt.

Pressestelle |

Weitere Berichte zu: ADR Marktkapitalisierung NYSE UBS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Aufschwung setzt sich fort
28.11.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Rückgang, aber noch keine Tendenzwende
21.11.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Brände die Tundra langfristig verändern

12.12.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen

12.12.2017 | Medizin Gesundheit