Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn die Ampel mit dem Auto »spricht«

24.07.2014

100 Jahre elektrische Ampel – Aktuelles Verkehrsforschungsprojekt an der TU Braunschweig

Die elektrische Ampel feiert ihr hundertjähriges Jubiläum: Am 05. August 1914 hat die erste ihrer Art den Betrieb aufgenommen. Seitdem ist sie an vielen Kreuzungen im Stadtverkehr der wichtigste Faktor, wenn es um Verkehrssteuerung und Sicherheit auf der Straße geht.


Einfaches Schema der „Smarten Kreuzung“

TU Braunschweig

Gegenwärtig erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig, wie diese beiden wichtigen Aspekte im Straßenverkehr optimiert und die Ampel auch für die kommenden hundert Jahre fit gemacht werden kann.

Die Geschichte der Ampel ist, wie bei vielen Entwicklungen, auch eine vom Geschichte des Scheiterns: denn schon vor der ersten elektrischen Ampel, die am 05. August 1914 in Cleveland (USA) in Betrieb genommen wurde, versuchte man es fast 50 Jahre früher in London mit der Idee von einem „Street Crossing Signal“.

Doch der von Hand geregelte Signalmast auf Basis einer Gaslaterne brachte eine erhebliche Explosionsgefahr mit sich und wurde zu einer Gefährdung für seine Bediener. Erst mit Hilfe der Elektrizität konnte man das Konzept der so genannten Lichtzeichenanlage realisieren und anhaltenden Verkehrschaos und Unfällen Herr werden.

Die Idee von der „Smarten Kreuzung“

Die letzten hundert Jahre sind allerdings auch an der Ampel oder Lichtzeichenanlage, wie Fachleute sie nennen, nicht spurlos vorbeigegangen: Während sie in den Anfangsjahren von Hand und später mittels einfacher Schaltungen den Verkehr regelten, arbeiteten moderne Anlagen mit allerlei Sensoren und reagierten damit adaptiv und dynamisch auf die Verkehrsteilnehmer, erläutert Dipl.-Ing. Ralf Kutzner vom Institut für Verkehr und Stadtbauwesen. Er gehört mit seinen Kolleginnen und Kollegen zu den Experten für Verkehrsinfrastruktur an der Technischen Universität Braunschweig.

Ihre Kompetenzen bringen die Braunschweiger Verkehrsexperten unter anderen in das Verbundprojekt „UR:BAN“ ein, wo sie sich vor allem mit der Idee der „Smarten Kreuzung“ beschäftigen. „Ähnlich, wie die Väter der Ampel-Idee leitet uns der Gedanke, den Stadtverkehr vor allem sicher, effizient und dazu noch emissionsarm zu ermöglichen“, erklärt Ralf Kutzner die Ziele des Teilprojekts. Dafür greifen die Verkehrsexperten um Prof. Bernhard Friedrich auf Erfahrungen auf dem Gebiet der Analyse, Simulation und Modellierung von Verkehrsabläufen zurück.

„Vor allem möchten wir, dass die Ampel und das Auto miteinander sprechen und Informationen austauschen“, erläutert Kutzner. Dafür, so der Verkehrsingenieur, soll aus Daten von „intelligenten“ Fahrzeugen ein Abbild des Verkehrsablaufes erzeugt werden, so dass bei der Ampelsteuerung nicht nur die im Straßenraum verbauten Sensoren eine Rolle spielen.

Außerdem könnten sich dies auch andere Verkehrsteilnehmer zu Nutzen machen und über Assistenzsysteme ihr Verhalten optimieren, ständiges Bremsen und Anfahren könnte so zum Beispiel verringert werden, fasst Ralf Kutzner zusammen. Die ersten Prototypen der entwickelten Anwendungen sollen noch dieses Jahr an einer realen Kreuzung in Braunschweig umgesetzt und erprobt werden.

Verbundprojekt „UR:BAN“

Im Verbundprojekt „Urbaner Raum: Benutzergerechte Assistenzsysteme und Netzmanagement“ kommen 31 Partner aus Automobil- und Zulieferindustrie, Elektronik- und Softwarefirmen, Universitäten sowie Forschungsinstitute und Städte zusammen. Für die Technische Universität Braunschweig sind das Institut für Verkehr und Stadtbauwesen und das Institut für Psychologie,
Abteilung Ingenieur- und Verkehrspsychologie, beteiligt.

Ziel ist es, Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt zu entwickeln und gleichzeitig die Sicherheit im städtischen Verkehr sowie die Senkung des Emissionsausstoßes zu optimieren. Das Gesamtbudget des Verbundprojektes beträgt 80 Millionen Euro. Rund 50 % davon trägt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Kontakt
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Bernhard Friedrich
Dipl.-Ing. Ralf Kutzner
Institut für Verkehr und Stadtbauwesen
Rebenring 31, 38106 Braunschweig
Tel.: 0 531 391 2557
r.kutzner@tu-braunschweig.de
www.tu-braunschweig.de/ivs

Weitere Informationen:

http://blogs.tu-braunschweig.de/presseinformationen/?p=7179

Stephan Nachtigall | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Ostfalia forscht an Ultraleichtflugzeug mit Elektroantrieb
19.10.2017 | Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften – Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel

nachricht Wie E-Autos effizient genutzt werden
16.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise