Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sichere Gestaltung von Verkehrsknotenpunkten

22.01.2015

Die Zahl der Verletzten bei Verkehrsunfällen in Deutschland wird, so schätzt das Statistische Bundesamt, für das Jahr 2014 bei etwa 382.000 liegen. Bis Oktober 2014 ereigneten sich fast 93.000 Unfälle beim Ein- oder Abbiegen an Verkehrsknotenpunkten wie Kreuzungen oder Kreisverkehren. 

Neue Erkenntnisse zur verkehrssicheren Gestaltung solcher Knotenpunkte stellen Experten aus Forschung und Praxis bei einem Kolloquium des Instituts für Straßen- und Eisenbahnwesen (ISE) des KIT vor. Die Veranstaltung findet am 28. Januar 2015 im Alten Bauingenieur-Gebäude (KIT-Campus Süd, Otto-Ammann-Platz 1) ab 13.30 Uhr statt.

„Verkehrsknoten – innerorts und außerorts – müssen dafür sorgen, dass sowohl der Kfz-Verkehr als auch Rad- und Fußverkehr reibungslos und vor allem sicher verknüpft wird“, so Professor Ralf Roos, Leiter des ISE. Das Sicherheitsniveau an Knotenpunkten auf deutschen Straßen sei ohnehin schon hoch, dennoch suche man nach Möglichkeiten, es noch weiter zu steigern. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Diskussion zu Kreismittelinseln: gemäß eines Erlasses des Verkehrsministeriums müssen diese überprüft und gegebenenfalls umgebaut werden.

„Zumindest in der Öffentlichkeit werden Bäume oder Kunstobjekte in der Mitte von Kreisverkehren gerne gesehen und bestehende verteidigt“, sagt Dr. Matthias Zimmermann, Leiter der Abteilung Straßenentwurf und –betrieb des ISE. „Nach einer EU-Richtlinie von 2009 und anderen nationalen Regelwerken stellen solche stabilen Hindernisse allerdings eine Gefahr dar, falls es zu Fahrfehlern kommt.“

In einem aktuellen Vorhaben untersucht das ISE die Auswirkungen verschiedener Abbiegerführungen an Einmündungen an Landstraßen auf die Verkehrssicherheit. Hierzu betrachtete das Team um Zimmermann „T-Kreuzungen“ mit unterschiedlichen Führungen für Links- und Rechtsabbieger. Die Ergebnisse zeigten allgemein, dass die in Deutschland in der Regel vorhandenen Linksabbiegestreifen in der übergeordneten Straße sowie Mittelinseln in der untergeordneten Zufahrt grundsätzlich zur Verbesserung der Verkehrssicherheit an Knotenpunkten beitragen.

Allerdings hat sich auch gezeigt, dass Führungen, bei denen die Rechtsabbieger neben einer zusätzlichen Dreiecksinsel abbiegen, deutlich unsicherer sind als solche ohne diese zusätzliche Insel. Ohne Dreiecksinsel ist die Situation vor allem für den wartenden Linksabbieger übersichtlicher. Die Wissenschaftler haben insgesamt 40 ausgewählte Knotenpunkte mit Radar- und Videotechnik untersucht, um zusätzlich zur Verkehrssicherheit auch das Fahrverhalten zu betrachten.

Dafür haben sie gemessen, wie groß die zeitlichen Abstände zum Beispiel zwischen abbiegenden und ihnen entgegenkommenden Fahrzeugen sind, um so Gründe für unterschiedliche Sicherheitsstandards aufzuspüren. „Weiterhin bleibt die Empfehlung bestehen, bei nennenswertem Verkehrsaufkommen Ampelregelungen vorzusehen, um für noch größere Sicherheit zu sorgen“, so Zimmermann.

Im Kolloquium präsentieren die Experten außerdem neue Ergebnisse zur Führung von Fuß- und Radverkehr in Kreisverkehren und zur Gestaltung von Turbokreisverkehren, einer zweistreifigen Variante des einfachen Kreisels. Auch zeigen sie Möglichkeiten auf, wie sich Karlsruhe durch die Gestaltung innerstädtischer Knotenpunkte als fahrradfreundliche Kommune etablieren kann.

Zu den Forschungsschwerpunkten des Instituts für Straßen- und Eisenbahnwesen (ISE) gehören umweltgerechte Entwürfe für Straßen, Sicherheit von Straßennetzen und -abschnitten sowie die Untersuchung von Unfallschwerpunkten. Außerdem berät es bei der Ermittlung von Schadensursachen im Straßenbau und beim Erarbeiten und Betreuen von Sanierungskonzepten.

Das Kolloquium richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Verwaltung, Ingenieurbüros und Industrie sowie an Wissenschaftler und Studierende. Die Teilnahme ist kostenlos.

Nähere Informationen und das Programm unter www.ise.kit.edu/rd_download/Sonstiges/Kolloquium_SEB_Jan2015_KIT_Flyer.pdf

Das Zentrum Mobilitätssysteme bündelt die fahrzeugtechnischen Aktivitäten des KIT: An den methodischen und technologischen Grundlagen für die Fahrzeuge der Zukunft arbeiten derzeit knapp 40 Institute mit rund 800 Mitarbeitern. Ziel ist es, Konzepte, Technologien, Methoden und Prozesse für die Mobilität der Zukunft zu erarbeiten. Die Wissenschaftler berücksichtigen dabei das komplexe Zusammenspiel von Fahrzeug, Fahrer, Verkehr, Infrastruktur und Gesellschaft.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vereint als selbstständige Körperschaft des öffentlichen Rechts die Aufgaben einer Universität des Landes Baden-Württemberg und eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft. Seine drei strategischen Felder Forschung, Lehre und Innovation verbindet das KIT zu einer Mission. Mit rund 9 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 24 500 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Weitere Informationen:

http://www.kit.edu/kit/pi_2015_16213.php

Monika Landgraf | Karlsruher Institut für Technologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Hubschrauberflüge unter Extrembedingungen simulieren
27.12.2016 | Technische Universität München

nachricht HS Trier stellt neues Elektrofahrzeug für Nahverkehr vor – Weltneuheit im Bereich Mobilität
23.12.2016 | Hochschule Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

18.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kompositmaterial für die Wasseraufbereitung

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht

18.01.2017 | Informationstechnologie