Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Revolution in der globalen Logistikwirtschaft – The Physical Internet

21.08.2014

Umfassende Vernetzung, Schnelligkeit und Effektivität: eine Welt ohne Internet ist kaum noch vorstellbar. Wenn etwas so gut funktioniert, fragt man sich: wieso funktioniert das nur in der digitalen Welt und nicht auch in der realen Welt der Dinge?

„Bis spätestens 2050 könnte sich das ändern. Das Internet der Dinge wird die Welt ebenso revolutionieren, wie zuvor das Internet“, sagt Rod Franklin, Professor für Logistik an der Kühne Logistics University in Hamburg.


Prof. Rod Franklin

So effizient Supply Chains heute auch organisiert sind, „sie folgen einem Denkmodell, das die Nichtauslastung von Transportkapazität und damit verbundene höhere Energieaufwendungen in Kauf nimmt sowie Verspätungen als System immanent akzeptiert“, bilanziert Rod Franklin.

Wir können heute exakt feststellen, wo sich eine bestimmte Ware innerhalb der Supply Chain gerade befindet und den Kunden informieren, dass sie aufgrund bestimmter Umstände vermutlich einige Tage später eintreffen wird, was hinsichtlich der Kommunikation einen erheblichen Fortschritt darstellt. „Wir können aber auch darüber nachdenken, wie die Waren auf völlig neuen Wegen zum Kunden gelangen und die Vergeudung von Ressourcen nahezu vollständig zu vermeiden ist, indem man die unschlagbar effiziente Logik des Internets auf die physische Welt überträgt“, rät der Logistikexperte.

Benötigt werden standardisierte kleinere Containerformate, open source software für die umfassende Abbildung der Supply Chains und Transportmittel, die gemeinsam genutzt werden, um Waren weltweit zu bewegen und zu ihrem Bestimmungsort zu bringen. Und natürlich bedarf es der Vision, dass hier die Zukunft der Logistikwirtschaft liegt.

„Logistik ist die am meisten genutzte Industrie der Welt, die mit ungefähr 15 Prozent Anteil am weltweiten Bruttosozialprodukt, auch über ein erhebliches Wertschöpfungspotenzial verfügt. Aber wir nutzen sie noch nicht effektiv genug“, kritisiert Rod Franklin. Nur etwa 10 Prozent der Logistleistungen sind reine Transportleistung, der Rest entfällt auf Leerfahrten, Standzeiten, Be- und Entladung.

Wie würde eine Supply Chain nach dem Muster des Physical Internets aussehen? Rod Franklin beschreibt es so: „Trucks werden immer bis ihrer maximalen Kapazität und damit höchst effektiv beladen. Leerfahrten entfallen so nahezu völlig. Das heißt, open source Software stellt sicher, dass nur Waren transportiert werden, die auf der Route durch andere Logistikstützpunkte unverzüglich weiterverteilt werden können. Dabei ist es unerheblich, ob die Waren von Produzent A, B oder C stammen, ebenso unwichtig ist, wem die Transportmittel gehören.“

Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Trucks wären immer effektiv ausgelastet. Die Fahrer fahren nur eine bestimmte Strecke und sind abends wieder bei ihren Familien, weil andere die Weiterbeförderung der Fracht besorgen und sie selbst am Abend mit einem anderen Truck, andere Güter auf dem Rückweg transportieren. Die Rechnung der Befürworter eines Physical Internets ist bestechend: „Das sorgt in der Summe für weniger Verkehr auf den Straßen, weniger Emissionen, geringere Kosten und mehr Schnelligkeit, Qualität und Service“.

„Das Physical Internet ist die zu Ende gedachte Grüne Logistik“, sagt Rod Franklin. „Und es ist eine völlig neue Form der Kooperation innerhalb der Logistikwirtschaft. Nicht jeder baut sich sein globales Netzwerk selbst, alle Anbieter zusammen sind das globale Logistiknetzwerk, das sich natürlich auch in einem fairen Preismodell niederschlagen muss, indem jeder seine erbrachte spezielle Logistikleistung auch entsprechend bezahlt bekommt“, blickt der Experte in die Zukunft. Für ihn steht fest: „Wir müssen nicht weiter die Transportmittel optimieren, sondern die Art und Weise, wie wir transportieren. Interessant ist dabei nicht mehr die Route, oder wem die Transportmittel gehören, interessant sind nur noch Geschwindigkeit, Kosten und die Qualität der Dienstleistung.“

Ein Problem besteht allerdings. Die überaus erfolgreichen Standardcontainer im Seeverkehr taugen an Land nur für den Zugverkehr. Um das Physical Internet umzusetzen, müssten kleinere Standardcontainer entwickelt werden, die eine Supply Chain vom Erzeuger bis zum Verbraucher ermöglichen. „Aber warum soll das nicht möglich sein?“, fragt Rod Franklin. Schließlich hat man den Schiffscontainern in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts auch keine große Zukunft vorausgesagt. Ohne sie aber gäbe es die globale Wirtschaft, wie wir sie heute kennen, nicht.

Das Physical Internet erfordert Umdenken und Neudenken. „Über die technischen und technologischen Voraussetzungen verfügen wir inzwischen. Die auf Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung fußende Industrie 4.0 erfordert auch eine Global Logistics 4.0. Wenn wir uns daran machen, Supply Chains neu zu organisieren, sie vor allem als Herausforderung völlig neuer Formen der Kooperation verstehen lernen, dann wird die Welt eine andere sein“, daran lässt Rod Franklin keine Zweifel.

Weitere Informationen:

http://www.the-klu.org/recent-press-releases/

Dr. Ulrich Vetter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Urbane Logistik der Zukunft
06.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Unfälle vermeiden und den Verkehrsfluss verbessern - Pilotanlage zum Automatisierten Fahren in Ulm
26.10.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte