Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökonomische und effektive Sicherheitskonzepte

04.05.2015

Betreiber von Infrastrukturen wie Energienetzen oder Flughäfen müssen hohe Sicherheitsstandards erfüllen – doch der finanzielle Spielraum dafür ist begrenzt. Fraunhofer-Forscher haben in einem EU-Projekt ein Analysewerkzeug entwickelt, mit dem sich evaluieren lässt, wie effektiv und wirtschaftlich Sicherheitsmaßnahmen sind.

Immer wieder legen Stürme ganze Städte lahm. Erst Anfang April dieses Jahres sorgten Orkane in vielen Teilen Deutschlands für Stromausfälle. Züge standen still, Fahrstühle blieben stecken, Bildschirme in Büros wurden schwarz.


Sicherheitsanforderungen an öffentliche Infrastrukturen wie Bahnhöfe sind hoch.

© Fraunhofer ISST

Der Spuk ist zwar bei solchen Unwettern meist schnell vorbei, dennoch zeigt sich: Kritische Infrastrukturen wie Energienetze sind eine »Achillesferse« unserer modernen Gesellschaft. Effektive Sicherheitsmaßnahmen haben daher hohe Priorität. Auch in Bezug auf andere öffentliche Infrastrukturen steigen die Sicherheitsanforderungen, etwa an Flughäfen oder in Verkehrsnetzen.

»Im Grunde wollen die Betreiber solcher Infrastrukturen heute zwar alle ihre Sicherheitsstandards erhöhen, um Sabotageakte oder Angriffe zu verhindern. Dabei müssen sie aber auch die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen im Blick haben«, beschreibt Prof. Jan Jürjens vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST das grundsätzliche Dilemma.

Forscher des Dortmunder Instituts haben im EU-Projekt »SECONOMICS« gemeinsam mit internationalen Partnern ein Analysewerkzeug entwickelt, mit denen Betreiber von Infrastrukturen vorhandene und geplante Sicherheitsmaßnahmen sowohl im Hinblick auf ihre Wirksamkeit als auch auf ihre Wirtschaftlichkeit bewerten können. »Damit liefert unser System eine fundierte Entscheidungsgrundlage, um die Sicherheit im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten optimal zu verbessern«, sagt Jürjens.

Software stellt sicherheitsrelevante Schwachstellen grafisch dar

Ausgangsbasis ist eine individuelle Risikoanalyse der aktuellen Situation: Dazu ent-wickelten die Forscher vom ISST eine modellbasierte Software. Dort sind Szenarien für verschiedene Infrastrukturen hinterlegt. »Wir haben dazu auf Basis von Recherchen vor Ort sicherheitsrelevante Aspekte identifiziert und mittels mathematischer Algorithmen in Bezug zueinander gesetzt«, erklärt Jürjens.

An Flughäfen fallen beispielsweise die Anzahl der Sicherheitskontrollen, das verfügbare Personal oder Regularien wie die Mitnahme von Flüssigkeiten unter sicherheitsrelevante Aspekte. Um die Analyse auf die individuelle Situation zuzuschneiden, gibt der Anwender konkrete Daten zu den einzelnen Aspekten in eine Benutzeroberfläche ein – etwa die Anzahl der Mitarbeiter an den Sicherheitskontrollen.

Die Software zur Risikoanalyse erstellt anhand dieser Daten ein modellhaftes Szenario und bereitet die Ergebnisse in grafischer Form auf. Die Grafiken zeigen zum einen vorhandene Schwachstellen. Zum anderen lassen sich mit einer solchen Simulation auch geplante Sicherheitsmaßnahmen auf ihre Effektivität und Wirtschaftlichkeit überprüfen, indem der Nutzer einzelne Parameter verändert – also etwa das Personal aufstockt. Die Analyse gibt Aufschluss darüber, wie sich bestimmte Maßnahmen auf das Sicherheitsprofil auswirken würden und welche Investitionen dazu erforderlich wären.

Neben der intelligenten Verknüpfung der einzelnen sicherheitsrelevanten Aspekte bestand die Herausforderung für die Wissenschaflter darin, die großen und heterogenen Datenmengen zu managen. »Die Bewertung von Sicherheitsstandards umfasst in der Regel sehr viele Einzelfaktoren, die alle mit berechnet werden müssen – und das muss aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit natürlich einigermaßen schnell gehen«, sagt Jürjens. Hier konnte das ISST seine langjährige Expertise im Bereich des Big-Data-Managements einbringen.

Seine Praxistauglichkeit hat das Analysewerkzeug bereits unter Beweis gestellt: In Fallstudien evaluierten die Projektpartner unter anderem ein Energieversorgungsnetz in Großbritannien, das U-Bahn-Netz in Barcelona sowie einen Flughafen in der Türkei.

Außerdem kommt die Software seit längerem in der Kundenberatung beim ISST zum Einsatz. Vor kurzem erfolgte die Abschlusspräsentation des Projekts in Brüssel. Derzeit werden weitere Testszenarien vorbereitet. Im nächsten Schritt wollen die Partner ihren virtuellen Werkzeugkasten als Produkt auf den Markt bringen.

Britta Klocke | Fraunhofer Forschung Kompakt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Smarte Datenanalyse für Verkehr in Stuttgart
28.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa
22.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten