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Erste fahrerlose U-Bahn in Deutschland - Auftragswert 185 Millionen Euro

16.11.2001


Siemens Transportation Systems (TS) ist von der Stadt Nürnberg und der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) beauftragt worden, die im Bau befindliche neue U-Bahnlinie U3 mit einem Zugsicherungs- und Betriebsleitsystem für fahrerlosen und vollautomatischen U-Bahnbetrieb auszustatten. Darüber hinaus soll Siemens TS eine bereits bestehende U-Bahn-Linie für den vollautomatisierten Betrieb umrüsten. Der Auftrag enthält auch die Lieferung von 30 Doppeltriebwagen für den fahrerlosen Einsatz. Der Auftragswert beträgt insgesamt rund 185 Millionen Euro.

Siemens liefert mit diesem Auftrag die erste fahrerlose U-Bahn in Deutschland. Zudem wird weltweit zum ersten Mal eine bisher konventionell betriebene U-Bahn bei laufendem Betrieb auf automatisches Fahren umgerüstet. Im Jahr 2006 soll die neue Linie U3 in Betrieb gehen. Auf einem von den Linien U3 und U2 gemeinsam genutzten Streckenabschnitt wird es dann konventionellen und automatischen Betrieb geben. Dieser weltweit einmalige Mischbetrieb wird bis zum Abschluss der Automatisierung der Linie U2 gegen Ende 2007 andauern.

Bei innovativen Automatisierungslösungen für den schienengebundenen Nah- und Fernverkehr verfügt Siemens TS über jahrelange Erfahrung. Referenzen in Deutschland sind zum Beispiel die halbautomatische U-Bahn in München oder die H-Bahn in Dortmund, die als bislang einziges fahrerloses Verkehrsmittel in Deutschland in ein öffentliches Nahverkehrsnetz eingebunden ist. Umfangreiche Erfahrungen hat Siemens außerdem durch den Betrieb von voll- und halbautomatischen Metros und Stadtbahnen gesammelt, die von der TS-Tochter Siemens-Transportation Systems S.A.S in Frankreich verwirklicht wurden. Beispiele hierfür sind das 1983 in Betrieb gegangene erste vollautomatische fahrerlose Bahnsystem der Welt in Lille, die 1992 eröffnete Linie D in Lyon oder die Linie 14 der Pariser Metro. Während die bestehenden fahrerlosen Linien von Anfang an für den automatischen Betrieb konzipiert wurden, wird in Nürnberg eine Umrüstung der bestehenden Infrastruktur erfolgen.

Die 30 zu liefernden Fahrzeuge lehnen sich konzeptionell an den bestehenden Fahrzeugpark der VAG an. Die Doppeltriebwagen mit der Bezeichnung DT 3 sind 36 Meter lang und 2,90 Meter breit. Sie bieten 80 Sitzplätze und 240 Stehplätze. Die zwei Wagen sind durch einen Übergang miteinander verbunden. Im Übergangsbereich gibt es ein spezielles Platzangebot für Rollstuhlfahrer. Auf jeder Wagenseite sind drei Türen vorgesehen. Durch den Wegfall der Fahrerkabine haben die Passagiere freie Sicht auf die Strecke. Die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge beträgt 80 Kilometer pro Stunde. Sie können in Doppeltraktion zu einem Langzug miteinander verbunden werden. Für den Betrieb auf der Linie U3 sind 16 und für die Linie U2 14 Fahrzeuge vorgesehen.

Die Wagenkästen werden im Siemens-Werk in Wien konstruiert und endmontiert. Das Fahrzeugkonzept ist durch die Verwendung im Einsatz bewährter modularer Komponenten gekennzeichnet. Grundlage dafür ist das von Siemens TS entwickelte Mo.Mo.-Konzept (Metro modular) für U-Bahnen. Damit wird eine hohe Verfügbarkeit der Fahrzeuge bei gleichzeitig verringerten Wartungs- und Instandhaltungskosten gewährleistet. Die Drehgestelle stammen aus dem Siemens-Werk in Graz. Die elektrotechnischen Komponenten, zum Beispiel die Antriebstechnik, wird von Siemens überwiegend in den Werken in Erlangen und Nürnberg gefertigt.

Das Zugsicherungs- und Betriebsleitsystem wird bei Siemens in Braunschweig entwickelt und gefertigt. Im Bereich der Bahnautomatisierung ist Siemens Weltmarktführer. Für die Fahrwegsicherung wird Siemens ein Stellwerk des Typs Sicas installieren, der bereits in vielen Ländern zum Einsatz kommt. Um die vorhandenen Relaisstellwerke in den automatischen Betrieb einzubinden, werden von Siemens spezielle Fernsteuerungen des Typs Vicos als Verbindung zur Betriebsleitstelle installiert. Kernstück des fahrerlosen Verkehrs ist ein ATC-System (Automatic Train Control), das sich auf bewährte Automatisierungskomponenten von Siemens stützt und auf Grundlage der Linienleiterübertragung funktioniert. Eine wesentliche Innovation stellt dabei die Einrichtung eines Rückübertragungskanals dar, der es ermöglicht, Statusdaten des Fahrzeugs permanent zur Betriebsleitstelle zu übertragen.

Die Ausschreibung für die Automatisierung der Nürnberger U-Bahn erfolgte im November 2000. Im November 2001 beschlossen der VAG-Aufsichtsrat und der Vergabeausschuss der Stadt die Vergabe des Auftrags an Siemens.

Der Siemens-Bereich Transportation Systems (TS) zählt zu den international führenden Anbietern der Bahnindustrie. Als Gesamtanbieter und Systemintegrator vereint TS heute in seinen Segmenten Automation & Power, Rolling Stock, Turnkey Systems und Integrated Services sämtliche Kompetenzen von Betriebsführungssyste-men über die Bahnstromversorgung bis hin zu Fahrzeugen für den Nah-, Regional- und Fernverkehr sowie umfassende Erfahrungen im Projektmanagement und zukunftsorientierte Servicekonzepte. Im Geschäftsjahr 2001 (30. September) erzielte TS mit weltweit rund 14.800 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,0 Mrd. EUR. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte (EBITA) betrug 186 Mio. EUR (vorläufige Werte).

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Weitere Informationen:
http://www.siemens.com/ts

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