Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aufs Schiff mit den Containern!

11.07.2013
Flüsse als Transportwege: Im Projekt NEWS, geleitet von der TU Wien, werden Ideen für effektiveren und umweltfreundlicheren Gütertransport entwickelt.

Manche europäische Flüsse, etwa der Rhein, werden heute intensiv für Gütertransporte, besonders im Containerverkehr, genutzt. Die Donau zählt hingegen zu den Wasserwegen, deren Kapazität längst noch nicht ausgeschöpft ist.


So sollen die neuen Donauschiffe aussehen - optimal bepackt mit Containern
TU Wien

Die Partner im Projekt NEWS (Development of a Next generation European Inland Waterway Ship and logistics system) haben einige Ideen, das zu ändern: Durch effizientere, umweltfreundlichere Schiffe, die optimal an die Anforderungen des heutigen Transportwesens angepasst sind und klug geplante Transportketten kann man Flüsse zur ökologisch und ökonomisch vielversprechenden Alternative zu Schiene und Autobahn machen. Die umfassende Weiterentwicklung des Transportsystems Wasserstraße ist Inhalt des im 7. EU-Rahmenprogramm geförderten Forschungsprojekts.

Die Donau braucht zeitgemäße Schiffe

„Viele Schiffe, die heute auf Europas Flüssen unterwegs sind, wurden eigentlich für Schüttgut konzipiert und nicht für die genormten Container, die heute verwendet werden“, erklärt Sandra Stein vom Institut für Managementwissenschaften der TU Wien. Als Projektleiterin analysiert sie Logistikketten vom Absender bis zum Empfänger großer Warenlieferungen und versucht herauszufinden, wo man die Transport-Effizienz im Schiffsverkehr verbessern könnte.

„Würde man nur die Aufteilung im Schiffskörper anpassen, ohne die Außenmaße zu verändern, könnte man die Transportkapazität der Schiffe drastisch steigern - in manchen Fällen sogar auf das Doppelte“, sagt Stein. Die Idee und auch ein Patent dazu stammen von Prof. Mag. Herbert Klein und DI Richard Anzböck, die bereits 2009 die Grundidee zu einer Neukonstruktion des Rumpfes hatten.

Auch niedrige Brücken und wechselnde Wasserstände sind im Schiffverkehr heute Herausforderungen. Diese kann man z.B. mit einem Ballasttank lösen, mit dem sich der Tiefgang des Schiffes nach Bedarf anpassen lässt. Auch beim Treibstoff gibt es einen entscheidenden Verbesserungsvorschlag: Statt Diesel oder gar Schweröl kann man auf Flüssigerdgas (LNG) umsteigen. Auf der Nordsee werden mit Flüssigerdgas betriebene Hochseeschiffe bereits im Praxisbetrieb getestet. Durch LNG und durch die Verwendung zweier unterschiedlich starker Generatorsets, deren Leistung auf den aktuellen Lastzustand angepasst werden kann, lässt sich die Effizienz des Schiffstransports um bis zu 30% steigern.

Businessplan für Neuinvestitionen

„Gerade in der Binnenschifffahrt setzen sich solche technologischen Neuerungen leider nur langsam durch“, beklagt Sandra Stein. Insbesondere auf der Donau sind viele Schiffe bereits jahrzehntelang im Einsatz. Ein Großteil der Transporte wird von kleinen Unternehmen durchgeführt, die sich kaum leisten können, große Summen in neue Schiffe zu investieren. Im Forschungsprojekt NEWS soll nun genau untersucht werden, wie sich die neuen Ideen für eine modernisierte Schiffsflotte gemeinsam mit Ideen für eine optimierte Transportlogistik für eine effizientere Binnenschifffahrt nutzen lassen. „Die Donau spielt in unserer Arbeit eine besondere Rolle, vor allem im Hinblick auf die EU Strategie für den Donauraum. Unsere Ideen beziehen sich aber auch auf andere Wasserstraßensysteme“, erklärt Stein.

In den nächsten 30 Monaten wird nun nicht nur ein neuartiges Rumpf- und Antriebskonzept entstehen, sondern gleichzeitig auch ein Finanz- und Businessplan, der genau auf diesen neuen Schiffstyp abgestimmt ist. Eine Marktanalyse soll zeigen, welche Flussabschnitte unter welchen Bedingungen effizient für den Warentransport genutzt werden können. „Wichtig ist, das logistische Gesamtkonzept zu betrachten“, betont Sandra Stein. Es geht nicht nur um die Schiffe selbst, die Effizienz hängt auch von der organisatorischen Struktur im Hinterland ab, und von der Infrastruktur, die an den Häfen verfügbar ist.

Wasserstraßen als wichtiger Teil des Transportnetzes

Warentransport direkt von Tür zu Tür ist mit Schiffen natürlich nicht möglich – man ist immer auch auf andere Transportmittel angewiesen. Diese intermodale Verkettung von Verkehrsmitteln spielt im Forschungsprojekt eine wichtige Rolle. Europas Wasserstraßen werden Bahn und LKW nie ersetzen können, aber sie könnten eine wichtigere Rolle im Gesamtkonzept der Transportketten einnehmen – mit großem Nutzen für Wirtschaft und Umwelt.

Das Projekt NEWS (Development of a Next generation European Inland Waterway Ship and logistics system) wird im Rahmen des Europäischen Forschungsrahmenprogramms FP7 gefördert. Projektpartner sind die Ziviltechnikerkanzlei DI Richard Anzböck, die First DDSG-Logistics Holding GmbH und Projektkompetenz.eu aus Österreich, Regional Development Agency of the West Region Romania, Intermodal Concepts & Management AG aus der Schweiz, University of Novi Sad, Faculty of Technical Sciences aus Serbien sowie Lindenau Maritime Engineering and Projecting, University of Duisburg-Essen, Department of Economic Geography, esp. Traffic and Transport Logistics und TU Dortmund University, Institute of Transport Logistics aus Deutschland.

Rückfragehinweis:
Dr. Sandra Stein
Institut für Managementwissenschaften
Technische Universität Wien
Theresianumgasse 27, 1040 Wien
T: 0043-676-88861627
sandra.stein@tuwien.ac.at

Dr. Florian Aigner | Technische Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.news-fp7.eu
http://www.tuwien.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Urbane Logistik der Zukunft
06.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Unfälle vermeiden und den Verkehrsfluss verbessern - Pilotanlage zum Automatisierten Fahren in Ulm
26.10.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kleine Strukturen – große Wirkung

21.11.2017 | Materialwissenschaften

ESO-Beobachtungen zeigen, dass der erste interstellare Asteroid mit nichts vergleichbar ist, was wir bisher kennen

21.11.2017 | Physik Astronomie

DFKI-Roboter erkunden autonom Lavahöhlen auf Teneriffa

21.11.2017 | Energie und Elektrotechnik