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Das Gehäuse misst 120 mal 60 mal 60 Zentimeter. Schwarz ist es, genauso wie die Geräte darin. Alles zusammen wiegt rund einen Zentner. Eher unscheinbar wirkt diese Kiste in dem Labor der Hochschule Bremen, aber sie hat es in sich! Lange haben die Professoren Friedrich Fleischmann und Thomas Henning daran getüftelt und darüber gebrütet.
Ihr Ziel: Sie wollten ein Messsystem entwickeln, mit dem sie die Güte optischer Systeme hochpräzise und trotzdem einfach vermessen können, so dass es sich auch klein- und mittelständische Unternehmen leisten könnten. Nun haben die Wissenschaftler es geschafft. "EasyPrecision" heißt ihre Entwicklung.
Inzwischen hat die innoWi GmbH, das Gemeinschaftsunternehmen der Bremer Hochschulen und der Bremer Investitions-Gesellschaft mbH, das Messsystem zum Patent angemeldet und sucht nun nach Kooperationspartnern und Lizenznehmern.
Optische Messsysteme, die im Nanometerbereich arbeiten können, sind in der Regel sehr empfindlich, recht komplex in der Handhabung, groß, schwer und ziemlich teuer.
Die Preise dafür liegen zumeist im sechsstelligen Bereich, also zu hoch für die meisten kleineren Unternehmen. Dass es auch einfacher und günstiger geht, zeigen nun die beiden Bremer Hochschulwissenschaftler. Ihr Gerät ist unproblematisch zu handhaben, leicht, mobil und flexibel. Es hat keine besonderen Ansprüche an den Standort, und der Preis - das versichern Hochschule und innoWi - werde "ganz sicher nicht im sechsstelligen Bereich liegen".
Eines der Geheimnisse der Entwicklung liegt in seiner Einfachheit. Die Forscher haben kostengünstige, handelsübliche Komponenten verwendet: unter anderem drei einfache Linearmotoren und eine hochauflösende Industriekamera. Als Lichtquelle in dem optischen Messsystem dient eine LED. Ihr weißes Licht kann mit Farbfiltern an die speziellen Messanforderungen der Kunden angepasst werden. "Ganz einfach", meinen Henning und Fleischmann. Weniger einfach ist die Software, die sie zur Auswertung der Messdaten erstellt haben. Auch der Rechner, auf dem sie läuft, ist ein einfaches, handelsübliches Gerät.
"Für hochgenaue Messungen, wie sie in der optischen Industrie erforderlich sind, gibt es zahlreiche Messsysteme", erklärt Fleischmann. "Aber sie sind normalerweise sehr aufwändig, kompliziert, und reagieren sehr empfindlich auf Erschütterungen und Temperaturschwankungen", ergänzt sein Kollege Henning. "EasyPrecision" hingegen sei im Vergleich dazu recht unempfindlich und flexibel, arbeite dabei aber dennoch hochpräzise.
"EasyPrecision" misst im Nanometer-Bereich, also in der Größenordnung von Millionstel Millimetern, und es ist vielfältig einzusetzen. Objektive, Spiegel und Linsen lassen sich damit vermessen, wie sie zum Beispiel für Anlagen der Laserbearbeitung, für medizinische Geräte oder in der optischen Industrie gebraucht werden. Interessant ist das neue Messsystem für Unternehmen mit großer Produktpalette, die Prototypen und kleine Stückzahlen fertigen und für Hersteller von Sonderoptiken.
"Das sind häufig klein- und mittelständische Unternehmen mit eingeschränkten finanzielle Möglichkeiten", sagt Dr. Matthias Althaus von der innoWi. Der Physiker und Innovationsmanager hat die Entwicklung auf ihre Vermarktungsmöglichkeiten hin geprüft und rechnet mit einem großen Bedarf: "Die Bandbreite an potenziellen Interessenten ist groß", sagt Althaus. Er sehe gute Chancen für das Produkt. Daher habe sich die innoWi auch des Projektes angenommen - und recherchiert nun bundesweit nach Interessenten für die Entwicklung.
Auch die Hochschule sucht - nach einem Doktoranden oder einer Doktorandin für weitere Studien und für die Weiterentwicklung des Messsystems. Interessenten können sich bei den Prof. Dr. Friedrich Fleischmann und Dr. Thomas Henning melden.
Ulrich Berlin | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.hs-bremen.de
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