Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flüssiges Holz

20.12.2005


Nachwachsende Rohstoffe dringen in immer weitere Bereiche des Alltags vor. Ein Beispiel dafür ist das schmelzbare Holz Arboform®. Krippenfiguren und andere Artikel werden daraus im Spritzguss gefertigt. Aus dem Extruder sollen bald Bunt- und Kosmetikstifte kommen.

... mehr zu:
»Arboform »Extruder »Kunststoff »TECNARO

Maria, Joseph und der neugeborene Gottessohn versammeln sich mit Hirten, Königen, Engeln und den Tieren alljährlich zur Weihnachtszeit unter dem Stern von Bethlehem. Meist werden die Figuren aus Holz geschnitzt, oft bestehen sie auch aus Plastelin, Zinn, Plastik und sogar Bienenwachs. Seit wenigen Jahren können Figuren aus weitgehend naturidentischem Holz im kostengünstigen Spritzguss produziert werden - in einem Verfahren, das am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT entwickelt wurde. Wie geht dies, zumal Holz unschmelzbar und in allen gängigen Lösungsmitteln unlöslich ist?

Lignin ist nach Cellulose das häufigste Polymer. In Holz hält es die Pflanzenfasern zusammen und bildet so einen elastischen und festen Faserverbundwerkstoff. Bei der Herstellung von Papier werden beide Substanzen chemisch getrennt. Techniker der ICT-Ausgründung TECNARO im thüringischen Eisenach mischen das Lignin wieder mit Naturfasern wie Sisal, Hanf oder Flachs sowie einigen Additiven und Farbstoffen, falls vom Kunden gewünscht. Anschließend extrudieren sie es zu einem Granulat, von dem das Unternehmen monatlich fünf bis zehn Tonnen liefern kann. Sollen daraus attraktiv anmutende Teile wie Krippenfiguren, Lautsprecherboxen, Armaturenbretter für Autos, Brettspiele oder Schäfte für Jagdgewehre gefertigt werden, lässt sich Arboform® wie jeder gewöhnliche thermoplastische Kunststoff in einer Spritzgussmaschine verarbeiten. Einen Golftee hat das Unternehmen ebenfalls im Programm. Diese kleine Stütze für Golfbälle wird mit diesem meist gemeinsam verschossen. Der "Di Tee-CHAMPION" ist so weich, dass er die scharfen Klingen des Rasenmähers nicht beschädigt. Da die Tees aus einem nachwachsenden Werkstoff bestehen, verrotten sie gemeinsam mit dem Grasschnitt zu Kompost.


Mit der Extrusion seines Flüssigholzes will TECNARO nun Neuland betreten. Mit diesem Verfahren können Kunststoffe ähnlich wie Nudelteig kontinuierlich und daher viel schneller verarbeitet werden. Natürlich hat das Unternehmen keine hölzernen Makkaroni vor Augen. "In wenigen Monaten wollen wir mit der Produktion von Schreib- und Kosmetikstiften beginnen", hofft Jürgen Pfitzer, der das Unternehmen mit seinem Kollegen Helmut Nägele 1998 gründete. "Dank unserer bewährten Verbindungen zum Fraunhofer-Institut sind wir zuversichtlich, dass wir mit dem Extruder die erforderliche Produktqualität erreichen." Während hochwertige Bleistifte heute noch aus importiertem Zedernholz hergestellt werden, kommen für Lippenstifte und Kajale bisher nur klassische Kunststoffe auf Erdölbasis zum Einsatz.

Ansprechpartner:

Jürgen Pfitzer
Telefon: 0 36 91 / 6 21-3 20, Fax: -3 29
info@tecnaro.de

Emilia Regina Inone-Kauffmann
Telefon: 07 21 / 46 40-4 27, Fax: -5 30
emilia.regina.inone@ict.fraunhofer.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.tecnaro.de
http://www.ict.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Arboform Extruder Kunststoff TECNARO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Dresdner Forscher drucken die Welt von Morgen
08.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Neues Verfahren bringt komplex geformte Verbundwerkstoffe in die Serie
23.01.2017 | Evonik Industries AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie