Neues Forschungsprojekt: Der Faktor Sterblichkeit und die Messung von Armut

Volkswirte untersuchen Einfluss von Sterblichkeitsraten auf die Analyse der Wohlfahrtsentwicklung


(pug) Der Faktor „Sterblichkeit“ und sein Einfluss auf die Messung von Armut, Ungleichheit und Wohlfahrt ist Thema eines neuen Forschungsprojektes, das Wissenschaftler der Universität Göttingen durchführen. Prof. Stephan Klasen, Ph.D., und Juniorprofessor Dr. Michael Grimm vom Volkswirtschaftlichen Seminar untersuchen, wie sich unterschiedliche Sterblichkeitsraten in reichen und armen Bevölkerungsgruppen auf die ökonomische Wohlfahrt in Entwicklungsländern und deren statistische Erfassung und Auswertung auf mikro- und makroökonomischer Ebene auswirken. Sie gehen zudem der Frage nach, wie Haushalte „Wohlfahrtsverluste“ ausgleichen, wenn ein Mitglied stirbt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das auf zwei Jahre angelegte Projekt vom 1. Januar 2006 an mit rund 110.000 Euro für Mitarbeiterstellen und Sachmittel.

„Die meisten Wohlfahrtsindikatoren sind Größen, die sich auf die derzeit lebende Bevölkerung beziehen. Die Vernachlässigung von Sterblichkeit kann die Analyse von Wohlfahrtsveränderungen erheblich verzerren“, so Prof. Klasen. „Ist etwa die Sterblichkeitsrate unter der armen Bevölkerung höher als in den reichen Bevölkerungsteilen, sinken allein aufgrund dieser differentiellen Sterblichkeit die üblicherweise verwendeten Armutsindikatoren. Real haben sich jedoch die Einkommen der armen Bevölkerungsgruppe nicht geändert“, erläutert der Wissenschaftler. Weitere Aspekte betreffen die Aids-Epidemie in Afrika sowie geschlechtsspezifische Abtreibungen in Asien. Die Forscher untersuchen, inwiefern solche Phänomene Standard-Wohlfahrtsindikatoren verzerren. In einem zweiten Schritt suchen sie nach Möglichkeiten, diese Verzerrungen in der Wohlfahrtsmessung zu vermeiden. „Dies ist insbesondere notwendig, um wirksame Strategien der Armutsbekämpfung entwickeln zu können“, sagt Prof. Grimm. Darüber hinaus setzen sich die Wissenschaftler theoretisch und empirisch mit der Frage auseinander, wie Haushalte mit Entscheidungen über Konsum, Sparen und Arbeitsangebot auf den Tod eines Mitglieds reagieren und damit die Auswirkungen eines Sterbefalls zu kompensieren versuchen.

Zu den Forschungsschwerpunkten von Prof. Klasen in der Volkswirtschaftstheorie und der Entwicklungsökonomik gehören die Messung von Armut und Ungleichheit, Unterernährung und Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern sowie der Einfluss von geschlechtsspezifischer Ungleichheit auf das Wirtschaftswachstum und die Entwicklung der Bevölkerung. Prof. Grimm forscht unter anderem zu den ökonomischen Konsequenzen von Aids in Entwicklungsländern sowie zum Einfluss der Sterblichkeit auf Einkommen und Armut. Zudem evaluiert er die Wohlfahrtseffekte, die von Strategien zur Armutsbekämpfung und von makroökonomischen Schocks ausgehen.

Kontaktadresse:
Prof. Stephan Klasen, Ph.D.
Prof. Dr. Michael Grimm
Georg-August-Universität Göttingen
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Volkswirtschaftliches Seminar
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-7303, -8170
Fax (0551) 39-7302, -8173
e-mail: sklasen@uni-goettingen.de
e-mail: mgrimm@uni-goettingen.de

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Marietta Fuhrmann-Koch idw

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