Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verpackungsfolien als keimfreie Zone

11.10.2004


Für das gelbe Bakterium Micrococcus luteus ist es in der Mitte der Petrischale ungemütlich: Die mit Benzoesäure beschichtete Folie bleibt unbesiedelt. © Fraunhofer IVV


Schimmelige Nahrung will niemand - schon gar nicht bei eben gekauften Produkten. Doch auch Konservierungsstoffe lassen Verbraucher nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen. Verpackungsforscher überlassen jetzt beschichteten Folien den Kampf gegen Keime. Vorgestellt werden solche Produkte auf der Messe "K" in Düsseldorf.


Ein Operationssaal und die Lebensmittelverpackung haben auf den ersten Blick nicht viel gemein. Doch sieht man den enormen Aufwand, mit dem Verpackungsmaterialien sterilisiert werden, ist die Analogie zum OP nicht mehr weit. Denn gerade dort, wo das Lebensmittel an die Verpackung grenzt, nisten sich Keime ein, um sich von hier rasant zu vermehren. Um unerwünschten Siedlern den Garaus zu machen, setzt man manchen folienverpackten Lebensmitteln Konservierungsstoffe wie Benzoe- oder Sorbinsäure zu. Kritische Verbraucher wünschen sich jedoch möglichst wenig Zusätze in ihrer Nahrung.

Wissenschaftler des Verbunds Polymere Oberflächen POLO vertreiben Schimmelpilz und Co daher auf andere Weise: Sie setzen die konservierenden Stoffe nicht dem Nahrungsmittel zu, sondern beschichten die Verpackungsfolie damit. "So werden die Substanzen gezielt an die Oberfläche des Lebensmittels gebracht, wo sie auch wirken sollen", erklärt Dieter Sandmeier, Gruppenleiter am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV. "Konservierungsstoffe können wir so auf minimale Mengen reduzieren." Aufgebracht werden die Schichten über spezielle Lackierungsverfahren, in denen etwa Ormocere® als Lackgrundstoff dienen. Diese Kunststoffe enthalten Bestandteile von anorganischen Gläsern und organischen Polymeren. "Wir konnten Folien entwickeln, die feste Produkte vor dem Befall verschiedenster Keime schützen", freut sich Sandmeier.


Ein flüssiges Lebensmittel wie Milch schützt eine solche Folie jedoch nicht ausreichend. Die abgegebenen Konservierungsstoffe blieben hier nicht wie bei festen Produkten an der Oberfläche, sondern würden sich durch Konvektion im gesamten Produkt verteilen und bis zur Unwirksamkeit verdünnen. Verpackungsmaterialien für Flüssigkeiten werden daher vor dem Kontakt mit den Lebensmitteln entkeimt, etwa mit Wasserstoffperoxid. Das aufwändige Verfahren erfordert jedoch Temperaturen von über 70 °C, die einige Kunststoffe wie PET nicht aushalten. Forscher vom IVV haben Medizintechnikern auf die Finger geschaut: Sie sterilisieren Medizinbestecke mit Plasma, einem ionisierten Gas. Der Haken: Die Behandlung dauert über eine halbe bis eineinhalb Stunden - für einen industriellen Prozess deutlich zu lange. Die Wissenschaftler haben das Verfahren so weit optimiert, dass bereits ein bis fünf Sekunden genügen. Umweltauflagen wurden eingehalten und der Energieeinsatz ließ sich um bis zu einem Faktor 1 000 senken. Über diese und ähnliche Themen informieren die Forscher auf der Messe "K", die vom 20. bis 27. Oktober in Düsseldorf stattfindet (Halle 3).

Ansprechpartner:

Dr. Dieter Sandmeier
Telefon: 0 81 61 / 4 91-6 05, -6 04, Fax: -6 66, dieter.sandmeier@ivv.fraunhofer.de

Dipl.-Biol. Joachim Wunderlich
Telefon: 0 81 61 / 4 91-6 24, joachim.wunderlich@ivv.fraunhofer.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.polo.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/fhg/fair/2004/K2004.jsp
http://www.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Folie Konservierungsstoff Kunststoff Polymer Verpackung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Neues Verfahren bringt komplex geformte Verbundwerkstoffe in die Serie
23.01.2017 | Evonik Industries AG

nachricht Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile
19.01.2017 | Fraunhofer IFAM

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie