Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was hat ein Flugsimulator mit einem Wagenheber gemein?

24.06.2002


Die Fachhochschule Trier bringt High Tech in den Hochwald: in intensiver Zusammenarbeit mit der Firma Thyssen-Krupp Bilstein aus Mandern im Hunsrück hat Professor Dr.-Ing. Harald Ortwig aus dem Fachbereich Maschinenbau ein Projekt zur Realisierung eines neuartigen Wagenheberprüfstands durchgeführt. Der Prüfstand soll Wagenheber vor ihrem Einsatz in Fahrzeugen auf Herz und Nieren testen und aufwändige Versuche beim Automobilhersteller erübrigen.

Nachdem ihre alte Anlage zum Testen von Wagenhebern den gestiegenen Anforderungen an die Simulation von Bewegungen moderner Autos nicht mehr gewachsen war, wandten sich die Ingenieure der Firma Bilstein an den Leiter des Fachgebiets Fluidtechnik der FH Trier, wo Hydraulik und Pneumatik anwendungsbezogen erforscht werden.

Die Fahrzeugbewegung beim Aufbocken konnte bisher nur stark vereinfacht nachgebildet werden und Bewegungen in Längs- oder Querrichtung waren sehr eingeschränkt. "Die Automobilindustrie verlangt von uns Zulieferern eben immer mehr Informationen über das Verhalten der Wagenheber, bevor diese in Serie gehen" erklärt Wolfgang Metzen, bei Bilstein für den Bau von Wagenhebern verantwortlich.
Statt, wie bisher üblich, auf die Zusammenschaltung einzelner, nur in der jeweiligen Richtung wirkenden Elemente zu setzen, wurde das Prinzip des Flugsimulators auf den neuen Prüfstand übertragen. An Stelle der Pilotenkanzel wird nun der Anlenkpunkt des Wagenhebers durch ein aus sechs Hydraulikzylindern bestehendes Gestell - ein so genannter Hexapod - völlig frei im Raum bewegt. Der Punkt des Prüfstandsgestells, an den der Wagenheber angesetzt wird, kann somit alle nur denkbaren Bewegungen durchführen und gleichzeitig mit beliebigen Kräften belastet werden. Die Fahrzeugbewegungen können so für jede noch so kritische Situation, wie beispielsweise beim Aufbocken am Hang oder auf Sand, nachgebildet werden. "Durch die neue Technologie verkürzen wir die Entwicklungszeiten und reduzieren die Zahl von Versuchen und Prototypen erheblich" freut sich Guido Naumes, der das Projekt seitens Bilstein geleitet hat. "Weiterhin ist es durch die Anbindung des Prüfstands an das Internet möglich, dass der Fahrzeughersteller unsere Versuche direkt per Webcam online mitverfolgt."

Professor Ortwig beriet Bilstein bei der Ausarbeitung des Lastenheftes für den neuen Prüfstand, recherchierte die Firmen, welche für den Bau in die engere Wahl gezogen wurden, wählte zusammen mit dem Auftraggeber Lieferanten aus und begleitete das Projekt bis zur Endabnahme. Laut Ortwig "... sparten die Ingenieure der Firma Bilstein so die Zeit, die erforderlich gewesen wäre, sich in die komplizierte hydraulische Antriebstechnik einzuarbeiten. Da das Spezialwissen nur für dieses eine Projekt erforderlich ist, war es für die Fa. Bilstein erheblich kostengünstiger, es von außerhalb einzukaufen".

Karl Heinz Röß Entwicklungsleiter für Hinterachsen, Anhängevorrichtungen und Zubehör bei Daimler-Chrysler in Sindelfingen, der eigens für die Prüfstandsvorstellung nach Mandern gekommen war, zeigt sich beeindruckt: "Die Wettbewerber der Firma Bilstein, aber auch die anderen Unternehmensteile von Thyssen-Krupp werden sich hinsichtlich ihres technischen Fortschritts an diesem Prüfstand messen lassen müssen".

Ansprechpartnerin:
Dr. Adelheid Ehmke
Präsidentin
Fachhochschule Trier
Tel. 0651/8103-445

Konstanze Kristina Jacob | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-trier.de/

Weitere Berichte zu: Flugsimulator Prüfstand Wagenheber

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Schnell, präzise, aber nicht kalt
17.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Neues Laserstrahl-Schweißverfahren des Fraunhofer IWS erlangt die Zertifizierung der DNV GL
16.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten