Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweit führende Experten für molekulare Signalübertragung treffen sich im Saarland

27.02.2014

Zwei Sonderforschungsbereiche (SFBs) an der Saar-Uni befassen sich mit dem Thema Signalübertragung in Zellen: Wie gelangt ein Nervenreiz von einer Zelle zur nächsten? Welche Rolle spielt Calcium für den gezielten Tod von Krebszellen? Solchen Fragen gehen die Wissenschaftler an der Saar-Uni nach. Beide Forschergruppen treffen sich am 12. März, um sich gegenseitig über den Stand ihrer Forschungen zu informieren. Zu Gast sind auch drei weltweit führende Wissenschaftler aus den USA, Italien und Schweden, die auf dem Gebiet des „Molekularen Signaling“ forschen. Dieses Forschungsgebiet wurde in den Empfehlungen des Wissenschaftsrates ausdrücklich als Stärke der Saar-Uni hervorgehoben.

Calcium ist ein wichtiges Mineral und eine Grundsubstanz der Knochen und Zähne. Darüber hinaus ist es aber auch der wahrscheinlich wichtigste Botenstoff in allen Zellen. Calcium steuert viele wichtige Körperfunktionen wie Muskelkontraktion, Herzfunktion, Energieproduktion, Übertragung im Nerven- und Immunsystem, Zellvermehrung, aber auch den Zelltod.


Jens Rettig ist Sprecher eines der beiden Sonderforschungsbereiche, deren Wissenschaftler sich am 12. März in Homburg treffen.

Foto: Oliver Dietze

Dafür muss das der Stoff bei diesen Zellfunktionen Signale unseres Körpers miteinander abgleichen. Aber wie kann er so viele verschiedene teilweise gegensätzliche Funktionen parallel steuern?

Diesen integrativen Aspekt des Calciums zu verstehen, ist eines der wesentlichen Ziele des SFB 894. Der Botenstoff hat die Eigenschaft, viele Signale zu verarbeiten und in die gewünschte Zellfunktion umzusetzen. Dabei werden komplexe Änderungen der Calciumkonzentration an verschiedenen „Orten“ einer Zelle zu verschiedenen Zeiten generiert, welche dann von Calcium bindenden Proteinen ausgelesen und in Zellfunktionen umgesetzt werden.

Ein simples Molekül entscheidet also über lebensnotwendige Zellfunktionen. Dabei geht das Calcium von einem relativen Gleichgewichtszustand in einen vorübergehenden Ungleichgewichtszustand über. Welche physikalischen Regeln solchen Prozessen fern des Gleichgewichts in lebenden biologischen Systemen zugrunde liegen, untersuchen die Wissenschaftler im SFB 1027.

Für das gemeinsame Symposium beider SFBs konnten die Forscher drei weltweit führende Wissenschaftler gewinnen. Professor Stefan Feske (New York, USA) und Mitarbeiter haben eine lange gesuchte Klasse von Calciumkanälen erstmals molekular beschrieben, während Professor Rosario Rizzuto (Padua, Italien) und Mitarbeiter den wichtigsten Calciumkanal in den Mitochondrien, den „Kraftwerken der Zellen“, erstmals beschrieben haben.

Beides sind sehr wesentliche Entdeckungen und wurden in der führenden Wissenschaftszeitschrift „Nature“ publiziert. Der dritte Redner, Professor Yenan Bryceson (Stockholm, Schweden), ist einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der immunologischen Zytotoxizität, durch die unter anderem Krebszellen vom Immunsystem abgetötet werden. Er beschäftigt sich in seinen hochrangig publizierten Arbeiten mit einer calciumabhängigen Zellfunktion: der Freisetzung giftiger Substanzen aus Immunzellen zur Abtötung von Krebszellen oder von Viren befallenen Zellen.

Auf einen Blick:

Was?
Integratives Symposium der SFBs 894 „Ca2+-Signale: Molekulare Mechanismen und Integrative Funktionen“ und 1027 „Physikalische Modellierung von Nichtgleichgewichts-Prozessen in biologischen Systemen”
Titel: SFB 894 & SFB 1027 Joint Meeting „Integratives Calcium: Orai, mitochondriale Calcium Kanäle, und Zytotoxizität“

Wann?
12. März 2014
13 Uhr
Campus Homburg, Geb. 59, Robert-Stämpfli-Hörsaal

Hintergrund:

Über den SFB 894: Calcium-Ionen gehören zu den wichtigsten Signalmolekülen im menschlichen Körper. Sie sind von zentraler Bedeutung für den Empfang, die Umwandlung und die Weitergabe von Informationen innerhalb einer Zelle und für die Funktion ganzer Organe. Die Wirkung und die Bedeutung dieser Signale untersuchen Wissenschaftler verschiedener Homburger Institute seit 2011 im Sonderforschungsbereich 894 „Ca2+-Signale: Molekulare Mechanismen und Integrative Funktionen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sprecher des SFB ist Jens Rettig, Professor für Physiologie an der Saar-Uni. Der SFB 894 teilt sich in 15 Teilprojekte und drei Plattformprojekte auf.

Über den SFB 1027: Wie funktionieren grundlegende Prozesse in Zellen? Dieser Frage gehen Wissenschaftler im Sonderforschungsbereich 1027 „Physikalische Modellierung von Nichtgleichgewichts-Prozessen in biologischen Systemen” an der Uni des Saarlandes nach. Die Physiker, Mediziner, Biologen und Bioinformatiker untersuchen zum Beispiel grundlegende physikalische Mechanismen von Zellbewegungen oder die Anhaftung von Bakterien an Oberflächen. Aus den Erkenntnissen über die Zell-„Mechanik“ möchten die Forscher Grundprinzipien zellulärer Prozesse ableiten. Start des SFB 1027 war am 1. Januar 2013. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den SFB über vier Jahre mit 7,6 Millionen Euro. Sprecher des SFB ist Professor Heiko Rieger. Der theoretische Physiker von der Universität des Saarlandes ist einer von neun Physikern der Saar-Uni, die zusammen mit 15 Medizinern, Biologen und Bioinformatikern diesen Fragestellungen nachgehen. Die Wissenschaftler aus forschen in 17 Teilprojekten.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jens Rettig (Sprecher SFB 894)
Tel.: (06841) 16-26485
E-Mail: jrettig@uks.eu

Prof. Dr. Heiko Rieger (Sprecher SFB 1027)
Tel.: (0681) 302-3969
E-Mail: h.rieger@mx.uni-saarland.de

Weitere Informationen:

http://sfb894.uni-saarland.de/start/
http://idw-online.de/de/news508219
http://idw-online.de/de/news397672
http://www.uni-saarland.de/aktuelles/presse/campus-magazin/2011/august-ausgabe/a...


Thorsten Mohr | Universität des Saarlandes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW
08.12.2016 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht NRW Nano-Konferenz in Münster
07.12.2016 | Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie