Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virushepatitis in Deutschland – Die verkannte Epidemie

24.07.2013
Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2013

Breites Bündnis beschreitet neuen Weg mit dem „Aktionsplan für eine nationale Strategie gegen Virushepatitis in Deutschland“

Virushepatitis, die Entzündung der Leber aufgrund von Infektionen mit Hepatitisviren, ist eine weit verbreitete, aber vollkommen unterschätzte Erkrankung.

Die 63. Weltgesundheitsversammlung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat im Jahr 2010 die Virushepatitis als ein „weltweit bedeutendes Gesundheitsproblem“ benannt. In Deutschland sind vermutlich mehr als eine Million Menschen von einer chronischen viralen Entzündung der Leber betroffen, davon sind über 500.000 Menschen mit dem Hepatitis B- und 400.000 bis 500.000 Menschen mit dem Hepatitis C-Virus infiziert.

Viele wissen nicht einmal davon. Von den diagnostizierten Patienten erhält nur eine Minderheit eine angemessene Behandlung, obwohl wirksame Therapien zur Verfügung stehen. Jedes Jahr sterben zahlreiche Menschen an den Folgen einer Virushepatitis. Die Kosten durch die starke Verbreitung der Virushepatitis sind enorm, aufgrund mangelnder Daten jedoch schwer zu beziffern. Viele der Infektionen und der Todesfälle wären vermeidbar. Es mangelt am Bewusstsein für die Gefahren sowie die Schutz- und Behandlungsmöglichkeiten der Virushepatitis. Mit dem „Aktionsplan für eine nationale Strategie gegen Virushepatitis in Deutschland“ gibt es nun erstmals ein gemeinsam erarbeitetes Papier von insgesamt acht Institutionen mit Vorschlägen für dringend notwendige Maßnahmen zur Prävention und für die medizinische Behandlung der Virushepatitis. Die beteiligten Institutionen sind die Deutsche Leberstiftung, die Deutsche Leberhilfe e.V. und das Aktionsbündnis „Hepatitis und Drogenbrauch“ (mit der Deutschen AIDS-Hilfe e.V., akzept e.V., dem JES-Bundesverband, dem Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit sowie der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin).

Besondere Zielgruppen – besondere Settings
Der Aktionsplan soll insgesamt das Bewusstsein für Virushepatitis und ihre Übertragungswege steigern. Dabei sind für unterschiedliche Zielgruppen unterschiedliche Maßnahmen geplant. Die Zielgruppen sind:
• Allgemeine Öffentlichkeit
• Menschen mit Migrationshintergrund
• Menschen, die Drogen gebrauchen
• Inhaftierte Menschen
• Männer, die mit Männern Sex haben
Der Aktionsplan – ein strategischer Weg
Ziel des Aktionsplans ist es, Infektionen zu vermeiden und bereits bestehende akute und chronische Infektionen zu erkennen und zu behandeln. Dafür sind Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen notwendig:
• Steigerung des Bewusstseins für Virushepatitis und ihre Übertragungswege
• Einbindung der Strategie in ein Konzept für Öffentliche Gesundheit
• Aufklärung über Virushepatitis als Bestandteil staatlicher Gesundheitsprogramme
• Abbau der Stigmatisierung von Menschen mit chronischer Virushepatitis
• Anpassung von Interventionen an die Lebensverhältnisse – das gilt vor allem für besondere Zielgruppen (Migranten, Drogengebraucher, Menschen in Haft usw.)
• Zugang zu einer leitliniengerechten Therapie für alle Patienten mit einer Virushepatitis
• Maßnahmen für die weitere Verbesserung der Virushepatitis-Therapie
• Erhebung von aussagekräftigen Daten zur Häufigkeit von Virushepatitis und deren Krankheitsfolgen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs
Prävention und Gesundheitsförderung
• Aufklärung über Virushepatitis muss in bestehende staatliche Gesundheitsprogramme übernommen werden.
• Testung auf Hepatitisviren muss unter Berücksichtigung und Beteiligung bestimmter Zielgruppen durchgeführt werden.
• Prävention muss durchgeführt werden, um die Inzidenz und Prävalenz von Virushepatitiden zu verringern.

• Eine Strategie gegen Hepatitis muss in ein „Public-Health“-Konzept (Öffentliche Gesundheit) als Teil einer sozialen und politischen Strategie eingebunden sein.

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es verschiedene staatlich unterstützte Institutionen, die das Ziel haben, die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken aufzuklären. Aufklärung zu Virushepatitis wurde bislang nicht ausreichend in staatliche Aufklärungsprogramme aufgenommen. Dies muss dringend korrigiert werden, um Prävalenz und Inzidenz zu reduzieren. Ein wichtiges Instrument zur Senkung von Prävalenz und Inzidenz ist die Untersuchung auf Hepatitisviren. Da es Personenkreise gibt, die einem höheren Hepatitis-Virusinfektionsrisiko ausgesetzt sind oder waren, sollten die Zugangsmöglichkeiten und Angebote zur Testung den jeweiligen Gruppen angepasst werden.

Zugang zur Behandlung
Allen Patienten mit Virusinfektionen der Leber in Deutschland soll ein Zugang zu einer leitliniengerechten Therapie ermöglicht werden. Es ist notwendig, Patienten und Ärzte entsprechend besser über Krankheitsverlauf und Therapieoptionen aufzuklären und eine bedarfsgerechte Unterstützung der Betroffenen vor, während und nach der Therapie zu gewährleisten. Die Hepatitistherapie sollte von qualifizierten Ärzten durchgeführt werden. Die ressourcenintensive Behandlung muss angemessen honoriert werden.
Maßnahmen sind dringend erforderlich, um
• eine optimierte Behandlung der Hepatitis B zu erreichen.
• einen sinnvollen Einsatz der aufwendigen Therapie der Hepatitis C zu gewährleisten.
• die Behandlungsoptionen für die Hepatitis delta zu verbessern.
• bessere Kenntnisse zur chronischen Hepatitis E zu gewinnen.
Kontakt:
Aktionsbündnis Hepatitis und Drogengebrauch
Prof. Dr. Heino Stöver
Fachhochschule Frankfurt – University of Applied Sciences
Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit (Faculty „Health and Social Work”)
Nibelungenplatz 1, 60318 Frankfurt
hstoever@fb4.fh-frankfurt.de
Deutsche Leberhilfe e.V.
Achim Kautz
Krieler Straße 100, 50935 Köln
info@leberhilfe.org
www.leberhilfe.org
Deutsche Leberstiftung
Prof. Dr. Heiner Wedemeyer
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
presse@deutsche-leberstiftung.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.deutsche-leberstiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht „Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn
18.05.2018 | Universität Paderborn

nachricht Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft
17.05.2018 | Universität Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics