Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwermetalle im Trinkwasser und Echtheit von Fleischprodukten: Lebensmittelchemiker tagen in Bonn

17.03.2014

Lebensmittelchemiker aus Nordrhein-Westfalen treffen sich in diesem Jahr an der Universität Bonn zu ihrer Arbeitstagung.

In der eintägigen Veranstaltung am 19. März, die von Juliane Becker vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz eröffnet wird, werden u.a. die Themen Echtheit von Fleischprodukten, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und Schwermetalle im Trinkwasser angesprochen.

Fleisch und Fleischwaren gehören mit einem Pro-Kopf-Verzehr von etwa 80 Kilogramm pro Jahr nach wie vor zu den Hauptbestandteilen der Ernährung in Deutschland und Europa. Die jüngsten Funde von nicht deklariertem Pferde- und Schweinefleisch in Rindfleischprodukten Anfang 2013 haben aber auch gezeigt, dass es in diesem Markt zur massiven Täuschung des Verbrauchers kommen kann.

Ein wichtiger Grund, um das Thema Echtheit von Fleischprodukten in das Programm der Tagung des Regionalverbands Nordrhein-Westfalen der Lebensmittelchemischen Gesellschaft aufzunehmen. Insbesondere für Menschen, die aus ethischen oder religiösen Gründen den Verzehr von Pferde- oder Schweinefleisch ablehnen, ist eine korrekte Deklaration der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln entscheidend.

Dr. Jens Brockmeyer und Professor Dr. Hans-Ulrich Humpf vom Institut für Lebensmittelchemie der Westfälische Wilhelms-Universität Münster haben eine Methode zum schnellen und empfindlichen Nachweis von Schweine- bzw. Pferdefleisch entwickelt. Mit dieser Methode, die von Routinelaboratorien auch ohne vorherige Kenntnis der Proteinanalytik angewendet werden kann, ist ein Nachweis bis zu einem Gehalt von etwa 0,15 Prozent Pferde- oder Schweinefleisch möglich.

Sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und im speziellen den Polyphenolen, die weit verbreitet in Obst und Gemüse vorkommen, werden positive Wirkungen in Bezug auf Herz/Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Alzheimer und Demenz) zugeschrieben. Nun wurde ein neues Verfahren zur Markierung dieser Verbindungen in Petersilie, Spinat und Pfefferminze etabliert und eine Pilot-Humanstudie mit markiertem Pflanzenmaterial durchgeführt.

Durch diese Markierung können bisher unbekannte Stoffwechselprodukte identifiziert werden, was zum besseren Verständnis des Wirkmechanismus solcher funktioneller Lebensmittelinhaltsstoffe beiträgt. Diese Studie ist ein interdisziplinäres Verbundprojekt unter Beteiligung der Universität Bonn und des Forschungszentrums Jülich. Das Projekt wird von Maike Gleichenhagen vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften, Bereich Lebensmittelchemie, der Universität Bonn vorgestellt.

Das Schwermetall Gadolinium (Gd) kann inzwischen weltweit in Oberflächengewässern, im Grundwasser und sogar im Trinkwasser nachgewiesen werden. Die Ursache hierfür ist der weitreichende Einsatz Gd-basierter Kontrastmittel für die Unterstützung bildgebender medizinischer Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT). Gd ist für diesen Zweck besonders geeignet. Da das freie Gd3+-Ion jedoch hoch toxisch ist, erfolgt die intravenöse Applikation in Form von Komplexen.

Diese Komplexe zeichnen sich durch eine sehr gute Wasserlöslichkeit und Stabilität aus, weshalb sie mit einer Halbwertszeit von ca. 1,5 Stunden unverändert ausgeschieden werden. Die Langzeitwirkungen des Eintrags von anthropogenem Gadolinium auf die aquatische Umwelt sind nicht bekannt. Die Gd-Anomalie kann bis in das Trinkwasser verfolgt werden, wie anhand der Untersuchung des Trinkwassers der Stadt Berlin durch die Wissenschaftler Professor Dr. Michael Bau und Dr. Serkan Kulaksiz im Jahr 2011 gezeigt werden konnte.

Der Trinkwassergewinnung kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu. So wird die Anreicherung von Gd durch den Prozess der Uferfiltration stark begünstigt, wobei bisher nicht bekannt ist, welche Gd-Spezies in diesem Fall vorliegen. Vor diesem Hintergrund wurde eine leistungsfähige Methode zum Nachweis von Gd-Spezies im Trinkwasser im Labor von Professor Dr. Uwe Karst vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Münster entwickelt. Erste Ergebnisse zum Nachweis der Gd-Spezies in Trinkwasserproben aus dem Stadtgebiet Münster werden vorgestellt.

Aufgabe der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist es, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Den sechs Regionalverbänden ist es ein besonderes Anliegen, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen und ihm Gelegenheit zu geben, wissenschaftliche Arbeiten in Form von Diskussions- und Posterbeiträgen zu präsentieren. Es soll ein möglichst umfassendes Spektrum an Themen angesprochen werden. 

Die GDCh gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit über 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag – in diesem Jahr im September in Gießen.

Presseanfragen bitte an:
Professor Dr. Matthias Wüst
Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften
Universität Bonn
Endenicher Allee 11-13
53115 Bonn
E-Mail: rt2014@uni-bonn.de
Tel.: 0228-73 2964

Weitere Informationen:

http://www.gdch.de

Dr. Renate Hoer | GDCh

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017
16.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen
15.08.2017 | Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie