Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Grünes Wachstum" - Märchen oder Strategie?

03.12.2012
Climate Lecture 2012 an der TU Berlin

Wirtschaftswachstum lässt nicht nur Umsätze und Einkommen steigen, sondern auch den Ausstoß von Treibhausgasen. Ist "Grünes Wachstum" ein Ausweg, ist es "Märchen oder Strategie"? Gerade jetzt wird beim Weltklimagipfel in Doha über Probleme wie dieses gestritten.

Lösungspfade zeigten bei der Climate Lecture an der Technischen Universität Berlin (TU) an diesem Montag vor rund 1000 Gästen zwei Wissenschaftler auf – der britische Wachstumskritiker Professor Tim Jackson und der Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Professor an der TU, Ottmar Edenhofer.

Wohlstand sei durchaus auch ohne Wachstum möglich, und auf Dauer schade das Wachstum unserem Wohlstand, weil es dessen natürliche Grundlagen plündert - so argumentierte Tim Jackson von der Universität Surrey. Eine Entkopplung von Wachstum und Umweltschäden hält er nicht für machbar. "Die Anforderungen wären enorm: in einer Welt mit neun Milliarden Menschen, die alle nach westlichen Einkommen streben, müsste die globale Kohlenstoffintensität der Wirtschaftsleistung im Jahr 2050 mindestens 130-mal niedriger sein als heute – dies wäre eine technologische Meisterleistung der Industriegesellschaft, jenseits von allem bisher Erreichten", sagte Jackson.

"Letztendlich geht Wohlstand über materielle Interessen weit hinaus", betonte Jackson. "Er beruht auf unserer Fähigkeit, als menschliche Wesen ein gutes Leben zu führen – und zwar innerhalb der ökologischen Grenzen einer endlichen Welt."

Bislang sei eine Entkoppelung des Emissionswachstums vom Wirtschaftswachstum in der Tat noch nicht gelungen, sagte Ottmar Edenhofer. "Aber genau das ist für einen ambitionierten Klimaschutz notwendig: Soll er gelingen, müssten die Emissionen bis zum Jahr 2020 ihren Höhepunkt erreicht haben, um dann zu sinken. Bis 2080 müsste die Weltwirtschaft praktisch CO2-frei sein."

Diese Transformation sei aber nur möglich, wenn Techniken eingesetzt werden, die neben Chancen auch Schwierigkeiten mit sich bringen – etwa die Kohlenstoffabscheidung und Einlagerung im Untergrund (CCS) und die Nutzung von Biomasse in großem Maßstab. Wachstum berge also Risiken. Aber wirtschaftliches Schrumpfen statt Wachsen, erklärte Edenhofer, würde die Handlungsmöglichkeiten in der Klimakrise verkleinern statt vergrößern.

Das Grundproblem sei aber, dass Wachstum in der Zunahme privater Vermögen in den Händen Weniger münde – und Investitionen in Bildung oder den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen zu kurz kämen. "Die Nutzung der Atmosphäre zum Beispiel ist kostenlos, weshalb Investitionen in emissionsarme Infrastrukturen nicht rentabel sind", erklärte Edenhofer. "Mit anderen Worten: Wir haben in manchen Bereichen zuviel, in anderen Bereichen zu wenig investiert." Es werde höchste Zeit, beim Wachstum umzusteuern. "Wer dies will, benötigt jedoch nicht nur Gaspedal und Bremse, er benötigt vor allem ein Lenkrad", so Edenhofer. "Wenn wir wissen, wohin wir fahren wollen, kann man immer noch über die Geschwindigkeit streiten. Jetzt kommt es auf die Richtung an."

Die TU Berlin biete mit der Climate Lecture ein einmaliges öffentliches Forum in der deutschen Hauptstadt zu den Themen Klimawandel und Klimaforschung, erklärte Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, Präsident der TU Berlin. „Wir holen damit große gesellschaftliche Debatten an den Ort, an den sie gehören – an die Universität – und öffnen die Tür für die Öffentlichkeit.“

Erstmals fand die Climate Lecture dieses Jahr in Form von Rede und Gegenrede statt. Seit 2009 veranstaltet die Technische Universität Berlin gemeinsam mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die Vorlesungsreihe, Initiator der Climate Lecture ist Prof. Dr. Ottmar Edenhofer. Unterstützt wird sie von dem europäischen Energieversorger Vattenfall. In den Jahren zuvor traten bei der Climate Lecture weltweit renommierte Denker und Forscher auf: Lord Nicholas Stern von der London School of Economics, die für ihre Arbeiten zu Gemeingütern mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Norwegerin Elinor Ostrom, und der Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP mit Sitz in Nairobi, Achim Steiner.

Gastredner Tim Jackson, Professor an der Universität Surrey, war Berater der britischen Regierung und ist Autor des Erfolgsbuchs „Wohlstand ohne Wachstum“.

Ottmar Edenhofer ist Berater der Weltbank in Fragen des Wachstums und sprach erst kürzlich zu diesem Thema auch in der Enquêtekommission des Bundestags. Er ist außerdem Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change.

Weblink zum Lebenslauf von Prof. Tim Jackson, PhD: www.surrey.ac.uk/ces/people/tim_jackson/

Weblink zum Lebenslauf von Prof. Dr. Ottmar Edenhofer: www.pik-potsdam.de/members/edenh/curriculum-vitae/lebenslauf?set_language=de

Kontakt für weitere Informationen:

Technische Universität Berlin, Pressestelle
Telefon: 030 / 314-23922
E-Mail: pressestelle@tu-berlin.de
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: 0331 / 288-2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de

Presse PIK | PIK Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen
18.06.2018 | Fraunhofer MEVIS - Institut für Bildgestützte Medizin

nachricht Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?
15.06.2018 | Akademie der Wissenschaften in Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics