Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psychische Widerstandsfähigkeit trainieren: Wissenschaftliche Tagung über Resilienz

16.11.2011
Der Tod eines geliebten Menschen, eine psychische Erkrankung der Eltern, Stress am Arbeitsplatz: Einige Menschen können mit solchen Belastungen besser umgehen, andere weniger gut. Woran liegt das?

Ausschlaggebend ist die eigene psychische Widerstandsfähigkeit, die Wissenschaftler als Resilienz bezeichnen. Dazu gehören persönliche Resilienzfaktoren, wie ein starkes Selbstbewusstsein, familiäre Resilienzfaktoren, zum Beispiel eine gute Partnerschaft oder stabile Familienbeziehungen, aber auch soziale Faktoren spielen eine Rolle: zum Beispiel Freundschaftbeziehungen.

Unter dem Titel „Resilienz: Innere Stärke – geheimnisvoll und grenzenlos!?“ haben die LWL Klinik Paderborn und das Institut für Gesundheitsforschung und Soziale Psychiatrie (igsp) der Katholischen Hochschule NRW zu einer zweitägigen Tagung eingeladen. Rund 350 Teilnehmer, vor allem Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter, sind der Einladung gefolgt und haben sich mit dem Thema unter zwei Gesichtspunkten beschäftigt: Was sagen aktuelle wissenschaftliche Studien, wie man seine Resilienz stärken kann? Und: Wie können die Berufsgruppen, die täglich mit dem Leiden ihrer Patienten umgehen müssen, ihre eigene Resilienz stärken?

In der Diskussion um Burnout und Depressionen ist der Begriff Resilienz stark in den Vordergrund gerückt und fast schon zu einem Modewort geworden: Als wenn die innere Stärke einen Menschen zu einem „Super-Menschen“ mache. „Dem ist aber nicht so“, sagt Professor Albert Lenz vom igsp. „Resilienzfaktoren sind wie ein Handwerkszeug, das mir zur Verfügung steht, um mit belastenden Situationen besser fertig zu werden. Sie machen mich aber nicht für alle Probleme immun und Resilienz ist nicht durchgängig stabil: In einigen Lebensphasen gelingt mir das gut, in anderen nicht.“ Dennoch: Seinen Koffer mit Resilienzfaktoren zu füllen und zu wissen, wie man sie einsetzt, kann in belastenden Lebensphasen helfen. Dies bezieht sich besonders auch auf die berufliche Situation von Ärztinnen und Ärzten, wie der Ärztliche Direktor der LWL-Klinik Paderborn, PD Dr. Bernward Vieten anhand neuer Untersuchungsergebnisse im Auftrag der Bundesärztekammer ausführt.

Weiter erklärt Professor Lenz am Beispiel seines eigenen Forschungsschwerpunktes: Die Stärkung von Kindern psychisch Kranker Eltern. „Aus der Belastungsforschung wissen wir, dass es Probleme gibt, die wir nicht ändern können“, sagt Lenz. „Wir können aber Fähigkeiten erlenen, wie wir mit solchen Situationen umgehen, ohne daran zu zerbrechen.“ Kinder mit einem psychisch erkrankten oder suchtranken Elternteil fühlen sich häufig verantwortlich für die Situation, in der ihre Familie steckt. Sie ziehen sich sozial zurück. Damit fehlt ihnen sozusagen ein Resilienzfaktor. „Die Kinder sollen lernen, trotz der Probleme Fußball spielen zu gehen oder sich mit Freundinnen zu treffen“, sagt Lenz. Also soziale Kontakte außerhalb der Familie aufbauen, um so ihre sozialen Resilienzfaktoren zu stärken. Eine klassische Aufgabe von Sozialarbeiten: Menschen helfen, Kontakte zu anderen Menschen zu knüpfen.

Daher ist die folgende Frage vor allem für Sozialarbeiter, Ärzte oder Psychologen wichtig: Wie kann ich in meiner Arbeit mit den häufig belastenden Situationen resilient werden oder bleiben, damit ich weiterhin helfen kann? „Menschen in helfenden Berufen sind von Burnouts und Suizid überdurchschnittlich häufig betroffen, weil sie von den Problemen ihrer Patienten selbst oft belastet werden“, sagt Professor Lenz. Regelmäßige Supervision und Teambesprechungen hält der Wissenschaftler deshalb für besonders wichtig.

Daher sind sich Initiatoren und Teilnehmer der Tagung einig: Prävention und Gesundheitsförderung müssen eine zentrale Aufgabe sein. „Aber gerade dieser Bereich ist in Deutschland in den Köpfen immer noch zu wenig verankert“, bedauert Lenz. Hier sei auch eine stärkere Fürsorge der Arbeitgeber gefragt, indem sie zum Beispiel ihren Arbeitnehmern Supervisoren zur Seite stellen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Albert Lenz, a.lenz@katho-nrw.de, 05251/1225-56, PD Dr. Bernward Vieten, 05251/295-102, bernward.vieten@wkp-lwl.org

Redaktion: Julia Harzendorf, presse@katho-nrw.de, Tel. 0221/7757-507

Julia Harzendorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.katho-nrw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Operatortheorie im Fokus
20.07.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0
18.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie