Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Programm zur Entwicklung von Medikamenten gegen Denguevirus-Infektionen

11.10.2010
Die Zahl der Ausbrüche neuer Viren oder neuer Varianten bekannter Viren hat in den vergangenen 15 Jahren weltweit stark zugenommen. Mit neuen Ansätzen zur Entdeckung antiviraler Wirkstoffe und ihrer Entwicklung zu Medikamenten befassen sich die über 100 Wissenschaftler aus 25 Ländern, die in Lübeck vom 10. – 13. Oktober 2010 zum 9. Symposium des „International Consortium for Anti-Virals“ (ICAV) zusammenkommen. Tagungsleiter ist der weltweit bekannte SARS-Forscher und Direktor des Instituts für Biochemie der Universität zu Lübeck, Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Rolf Hilgenfeld.

Eine Pressekonferenz zu Themen und Ergebnissen der Tagung findet am Dienstag, dem 12. Oktober, um 12 Uhr im großen Saal der Media Docks Lübeck, Willy-Brandt-Allee 31 b, statt. Alle Journalistinnen und Journalisten sind dazu herzlich eingeladen. Um kurze Anmeldung unter presse@uni-luebeck.de oder Tel. 0451/500-3004 wird freundlichst gebeten.

Ein Beispiel für neue Viren oder Virenvarianten ist das bis dahin unbekannte Nipah-Virus, das erstmals 1997 in Malaysia auftrat. Im selben Jahr wurde das Vogelgrippevirus H5N1 zum ersten Mal auf Menschen übertragen. Seitdem hat dieses Virus sich weiterentwickelt und ist inzwischen noch gefährlicher geworden. 2003 folgte das SARS-Coronavirus, das sich innerhalb weniger Wochen in 29 Ländern verbreitete. 2009 erschien das noch immer grassierende, wenn auch bisher überwiegend relativ harmlose H1N1-Virus („Schweinegrippe“).

Zu den Gründen für die zunehmend häufigen Virusausbrüche zählen der intensive Flugverkehr und klimatische Veränderungen. Besorgniserregend ist, dass es gegen die meisten der neuen Viren keine wirksamen Impfstoffe und keine Medikamente gibt. Wie das Beispiel des neuen H1N1-Virus gezeigt hat, dauert die Impfstoffentwicklung oft zu lange, um wirksam vor einer aktuellen Epidemie schützen zu können. Daher werden dringend antivirale Medikamente benötigt.

Die Pharmaindustrie forscht in der Regel allerdings intensiv nur an chronischen Viruserkrankungen wie HIV/AIDS oder Hepatitis B und C, die einer lebenslangen Therapie bedürfen. Akute Virusinfektionen dagegen besiegt das Immunsystem der meisten Menschen innerhalb weniger Tage oder Wochen auch ohne medikamentöse Behandlung.

Dennoch fordern gerade diesen Viren weltweit Millionen von Todesopfern. So sterben etwa an Rotavirus-Infektionen 600.000 Kinder pro Jahr. Allein in Westafrika treten im gleichen Zeitraum 500.000 Fälle von Lassafieber auf. Das Chikungunya-Virus, welches durch Moskitos der Aedes-Familie übertragen wird und zu schmerzhaften Entzündungen der Gelenke führt, hat sich in den vergangenen vier Jahren über beinahe alle Anrainerstaaten des Indischen Ozeans ausgebreitet.

Allein in Indien gibt es derzeit mindestens zwei Millionen Fälle. Aufgrund der globalen Erwärmung hat dieses Moskito inzwischen Südfrankreich und Italien erreicht, und folgerichtig gab es 2007 bereits einen ersten Ausbruch der Erkrankung in Ravenna. Durch die gleiche Moskitoart wird auch das Denguevirus übertragen, welches hohes Fieber und in schweren Fällen tödlich verlaufende innere Blutungen hervorruft. Dieses Virus ist mittlerweile auf beinahe der ganzen südlichen Erdhalbkugel verbreitet, und drei Milliarden Menschen leben ständig mit dem Risiko einer Dengue-Infektion.

Auf der Lübecker Tagung des ICAV, die unter Mitwirkung der Graduiertenschule „Informatik in Medizin und den Lebenswissenschaften“ der Universität Lübeck ausgerichtet wird, rufen Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeinsam mit den Veranstaltern ein Programm zur Entwicklung von Medikamenten gegen Denguevirus-Infektionen ins Leben.

Ein wichtiges Thema der Konferenz ist auch die Finanzierung dieser Forschungsarbeiten. Da die Pharmaindustrie sich auf diesem Gebiet kaum engagiert, sind die Forscher auf Gelder von staatlichen Stellen und von Stiftungen angewiesen. So erhielt Prof. Hilgenfeld von der EU-Kommission vor wenigen Tagen eine Zuwendung von knapp einer Million Euro. Diese ist Teil des antiviralen Zwölf-Millionen-Euro-Projekts „SILVER“ („Small-molecule Inhibitor Leads Versus Emerging and neglected RNA viruses”), für das der Startschuss im Anschluss an die Konferenz in den Media Docks fällt.

Kontakt:
Prof. Dr. Rolf Hilgenfeld,
E-mail: hilgenfeld@biochem.uni-luebeck.de,
Tel. 0177-2412455

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.icav-9.org

Weitere Berichte zu: Denguevirus Denguevirus-Infektionen H1N1-Virus Medikament Moskito Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe
23.02.2017 | Technische Hochschule Deggendorf

nachricht DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie