Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neisserien-Forscher tagen in Würzburg

10.08.2012
Neisserien sind gefährliche Bakterien, die Hirnhautentzündungen, Blutvergiftungen und Geschlechtskrankheiten auslösen können. Neue Erkenntnisse über die Erreger werden ab 9. September auf einer internationalen Tagung an der Universität Würzburg diskutiert.
In Deutschland fand sie zuletzt 1990 statt, nun kehrt sie nach langer Zeit zurück: Die „International Pathogenic Neisseria Conference“ findet vom 9. bis 14. September in Würzburg statt. Auf dieser Tagung treffen sich alle zwei Jahre die wichtigsten Neisserien-Forscher der Welt.

Zur Bakteriengattung der Neisserien gehören die Meningokokken, die als Erreger von Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen vor allem bei Kindern und Jugendlichen bekannt sind. Auch die Gonokokken, die für die Geschlechtskrankheit Gonorrhoe („Tripper“) verantwortlich sind, fallen in diese Gattung.

Zu der Tagung in Würzburg werden rund 450 Wissenschaftler aus aller Welt erwartet. Sie sprechen hier über Aspekte der Grundlagenforschung, aber auch über die weltweite Zunahme von Gonokokken-Stämmen, die gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig resistent sind.

Neue Impfstoffe gegen Meningokokken

Ein weiteres Thema auf der Tagung ist die Entwicklung von Impfstoffen gegen Meningokokken. Auf diesem Gebiet wird in Europa derzeit auf einen Durchbruch gewartet: auf die Zulassung des ersten Meningokokken-B-Impfstoffs. Erste Studien haben gezeigt, dass damit bei Säuglingen und Jugendlichen schon nach zwei Impfungen ein Impfschutz erzielt wird. Meningokokken aus der Serogruppe B machen in Europa die meisten Fälle aus. Die Entwicklung des Impfstoffs war jedoch schwierig, weil der Erreger sehr variabel ist.

In Afrika dagegen verursachen Meningokokken aus der Serogruppe A große Epidemien. Dort laufen aber zurzeit Impfkampagnen, auf deren Wirksamkeit große Hoffnungen ruhen. Der neue Impfstoff wurde von einem weltweiten nicht-kommerziellen Konsortium entwickelt und zur Marktreife gebracht.

Organisatoren der Tagung

Organisiert wird die Tagung von den Professoren Matthias Frosch und Ulrich Vogel vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie sowie von Professor Thomas Rudel vom Lehrstuhl für Mikrobiologie am Biozentrum der Universität.

Nationales Referenzzentrum für Meningokokken

In Sachen Meningokokken sind die Wissenschaftler vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität seit Jahren als renommierte Experten anerkannt: Das Bundesgesundheitsministerium hat das Würzburger Institut im Jahr 2002 zum Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken ernannt.

Das heißt: Die Teams der Professoren Matthias Frosch und Ulrich Vogel sind mit der Typisierung der Erreger und mit der bakteriologischen Überwachung von Meningokokken-Infektionen in ganz Deutschland betraut. Diese Aufgaben erfüllen sie im Auftrag des Robert-Koch-Instituts (Berlin).

2007 wurde am Institut zudem das bundesweit tätige Konsiliarlabor für Haemophilus influenzae angesiedelt, das für den Nachweis und die Typisierung dieses Bakteriums zuständig ist. Der Erreger kann lebensbedrohliche Blutvergiftungen und Hirnhautentzündungen auslösen; außerdem Mittelohrentzündungen und Infektionen der Atemwege.

Gonokokken weltweit auf dem Vormarsch

Wie infizieren Gonokokken die Zellen des Menschen, wie lösen sie Krankheiten aus? Zu diesen Fragen hat die Forschungsgruppe von Professor Thomas Rudel wesentliche neue Erkenntnisse geliefert. Rudels Team hat auf molekularer Ebene entschlüsselt, wie Gonokokken sich an ihre Wirtszellen heften, in sie eindringen und dann den programmierten Zelltod beeinflussen.

Diese Arbeiten sind von großer Bedeutung, weil Gonokokken-Infektionen weltweit stark zunehmen und vermehrt Stämme mit multiplen Antibiotika-Resistenzen auftreten. Diese besorgniserregende Entwicklung hat die Weltgesundheitsorganisation WHO inzwischen dazu veranlasst, einen Aktionsplan zur Eindämmung der Infektionen mit Gonokokken zu veröffentlichen. Dieser Plan wird auf dem Kongress in einem eigenen Symposium diskutiert.

Link

Zur Homepage der International Pathogenic Neisseria Conference: http://www.ipnc2012.de

Kontakt

Prof. Dr. Ulrich Vogel, Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg, T (0931) 31-46802, uvogel@hygiene.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Uni Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.ipnc2012.de
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Wie Menschen wachsen
27.03.2017 | Universität Trier

nachricht Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme
27.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE