Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kongress - Das Lebensende planen

01.09.2015

Advance Care Planning stärkt die Selbstbestimmung von Patienten in der letzten Lebensphase. An der LMU findet im September der 5. Weltkongress zum Thema statt.

Mit dem sogenannten Advance Care Planning (ACP), der Gesundheitlichen Vorausplanung, erhalten Menschen in kritischen Erkrankungsphasen lebensverlängernde Therapie nur in dem Umfang, in dem sie das möchten – selbst wenn sie sich nicht mehr äußern können.

Das Konzept ist in den aktuellen Gesetzesentwurf zur Hospiz- und Palliativversorgung eingegangen (geplanter §132g SGB V). An der LMU findet nun vom 9. bis 12. September 2015 der fünfte Weltkongress zu ACP statt.

„Advance Care Planning hilft Menschen, die schwer erkrankt sind, insbesondere in der letzten Lebensphase. Das Konzept ermöglicht, Patienten-Wünsche für künftige medizinische Behandlung auch dann zu berücksichtigen, wenn sich die Patienten selbst nicht mehr äußern können, zum Beispiel den Wunsch, in bestimmten Konstellationen auf lebenserhaltende Maßnahmen zu verzichten“, sagt Professor Georg Marckmann, Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der LMU und Tagungspräsident des ACP-Kongresses.

Der aktuelle Gesetzesentwurf zur Hospiz- und Palliativversorgung sieht die Finanzierung von ACP-Programmen, die individuelle Gesprächsbegleitungen durch qualifiziertes Personal ermöglichen, in Einrichtungen der Seniorenpflege vor. „Das ist nur ein erster Schritt. Natürlich ist der Bedarf bei Bewohnern von Pflegeheimen am größten.

Momentan läuft häufig die ganze lebenserhaltende Rettungsmaschinerie an, auch wenn die Betroffenen das abgelehnt hätten, wenn sie gefragt worden wären. Aber ACP sollte langfristig nicht auf diesen Personenkreis beschränkt bleiben. Es macht auch bei gesunden jüngeren Personen Sinn vorauszuplanen, etwa für den Fall eines Unfalls, vor allem aber bei Menschen, die das Rentenalter erreicht haben und unter bestimmten Umständen eine Maximaltherapie mit dem Ziel der Lebensverlängerung kritisch sehen“, sagt Marckmann.

Ziel: Mängel der Patientenverfügung ausgleichen

ACP soll das Instrument der Patientenverfügung stärken. „Seit 2009 ist die Patientenverfügung zwar gesetzlich verankert, aber nur ein geringer Anteil der Bevölkerung hat eine solche Verfügung und beim Ausfüllen sind viele überfordert. Oft sind die Formulare unscharf formuliert. Dazu kommt, dass sie häufig im entscheidenden Moment nicht vorliegen und daher nicht berücksichtigt werden“, fasst Marckmann die aktuelle Problematik zusammen.

Das Konzept des Advance Care Planning, das in den USA entwickelt wurde, sieht eine professionelle Gesprächsbegleitung beim Ausfüllen einer individuellen Verfügung vor. „Die hausärztliche Praxis wäre dafür ein günstiger Ort“, sagt Marckmann. Zudem ist damit ein Notfallplan verknüpft, der Rettungskräften und Ärzten vorgibt, wie sie sich im Notfall verhalten sollen. Auch die Entwicklung regionaler Standards für die Umsetzung gehört dazu. In einem ersten Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen („beizeiten begleiten“) konnte die Aussagekraft von Patientenverfügung durch ACP deutlich gesteigert werden.

Ziel des Kongresses, zu dem mehr als 300 Entscheidungsträger und Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen mehrerer europäischer Länder zusammenkommen, ist es daher auch, die Voraussetzungen für die Umsetzung von Advance Care Planning in Deutschland zu schaffen. „Die gesellschaftliche Relevanz der Gesundheitlichen Vorausplanung wird zunehmen. Künftig werden immer mehr Menschen am Lebensende nicht für sich selbst entscheiden können, da die Zahl der Älteren steigt und auch die Verbreitung von Demenzerkrankungen zunehmen wird“, sagt Marckmann.

Nähere Informationen zum Weltkongress unter http://www.acpel2015.org/

Luise Dirscherl | Ludwig-Maximilians-Universität München

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von Batterieforschung bis Optoelektronik
23.06.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht 10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge
22.06.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften