Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaschutz beginnt im Alltag – Empfehlungen für Kommunen

05.12.2013
Frankfurt am Main zählt zu den Pionierstädten im kommunalen Klimaschutz. Die Mainmetropole wurde deshalb für eine Bürgerbefragung im Forschungsprojekt KlimaAlltag ausgewählt.

Im Vordergrund stand die Frage, wie Kommunen ihre Bürgerinnen und Bürger zu einem klimafreundlichen Lebensstil motivieren und sie dabei unterstützen können. Ergebnisse und Empfehlungen des Forschungsprojektes wurden heute in Frankfurt vorgestellt.

Erfolge im Klimaschutz werden häufig mit technologischen Innovationen gleichgesetzt. Forschungen zeigen, dass auch das persönliche Alltagsverhalten eine entscheidende Rolle spielt, wenn es um Emissionsminderungen geht. Welche Personengruppen sind offen für CO2-arme Lebensweisen? Machen Alter, Berufssituation oder Lebensgewohnheiten Unterschiede in Bezug auf klimafreundliches Verhalten? Und was wissen die Menschen überhaupt über klimafreundliche Maßnahmen – auch vonseiten der Kommunen?

Hohes Bewusstsein für Klimaschutz – Umsetzung verbesserungswürdig

In Frankfurt wurden dazu 1000 Menschen befragt. „Die Auswertung hat ergeben, dass es unter den Befragten grundsätzlich eine hohe Akzeptanz für kommunale Klimaschutzmaßnahmen gibt“, sagte Projektleiter Immanuel Stieß vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung beim gemeinsamen Pressegespräch mit dem Umweltdezernat der Stadt. Stieß wertet diese Haltung als positiv: „Schließlich entstehen in Deutschland jährlich pro Person 11 Tonnen CO2. Über die Hälfte davon wird direkt oder indirekt durch private Haushalte verursacht. Da ist es wichtig, wenn den Menschen bewusst ist, dass Klimaschutz schon in ihrem Umfeld beginnt.“

Wenn es an die Umsetzung geht, zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede: Etwa 20 Prozent der Befragten versuchen ganz bewusst, ihren ökologischen Fußabdruck in den Bereichen Mobilität, Ernährung sowie Wohnen und Energie zu verkleinern, weitere 26 Prozent sind zumindest in einem der drei Bereiche sehr gut. „Aber da ist noch viel Raum für persönliches Klimaschutzengagement“, bilanzierte Stieß.

Motive und Barrieren von klimafreundlichen Alltagspraktiken

Die Befragung verdeutlichte auch, was Menschen motiviert, im Alltag klimabewusst zu leben und wo Barrieren liegen. Bemerkenswert ist die unterschiedliche Motivation bei den Personen, die ein hohes Klimabewusstsein aufweisen: Die mit höheren Einkommen wollen ihr gehobenes Konsumniveau möglichst umwelt- und klimafreundlicher gestalten. Für jene mit eher unterdurchschnittlichem Einkommen ist Klimaschutz hingegen aus finanziellen Gründen attraktiv. Ihre angespannte finanzielle Situation stellt aber gleichzeitig eine Barriere für mit Investitionen verbundene Klimaschutzmaßnahmen im privaten Alltag dar.

Stadt Frankfurt unterstützt Bürgerinnen und Bürger beim Klimaschutz

Kommunen können klimafreundliches Verhalten durch eine ganze Reihe von Maßnahmen unterstützen und fördern. Die Stadt Frankfurt hat hier in den letzten 20 Jahren ein umfassendes Programm für fast alle Zielgruppen wie Mieter, Hauseigentümer oder einkommensschwache Haushalte entwickelt, vom Energiesparservice der Caritas über Modellprojekte zur energetischen Sanierung bis hin zur preisgekrönten Ausstellung „Klimagourmet“ und dem „VeggiDay“. Hier ergab die Studie, dass 83 Prozent der Frankfurter Bürgerinnen und Bürger es begrüßen, wenn die Stadt sich – auch mit Steuergeldern – für den Klimaschutz engagiert. Gut die Hälfte der Befragten sähe gerne ein noch stärkeres Engagement ihrer Stadt.

Für ISOE-Klimaexperte Stieß ist dieses Ergebnis überraschend, denn die Stadt Frankfurt sei in fast allen Bereichen deutlich engagierter als die Durchschnittskommune in Deutschland. „Wir empfehlen den Kommunen deshalb, noch mehr Gewicht auf Maßnahmen zu legen, die den Bürger im Alltag besser erreichen. Dazu gehören stadtteilbezogene Kampagnen oder eine Klimaschutzberatung, die in den Haushalten stattfindet.“ Auch hält Stieß es für sinnvoll, wenn ein vorbildliches Engagement von Bürgerinnen und Bürgern öffentlich sichtbarer gemacht würde, um andere zum Mitmachen zu motivieren.

„Die Bürgerinnen und Bürger sind weiter, als viele denken“, sagte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig. „Aber es gibt hundert verschiedene Gründe und Wege, sich für den Klimaschutz zu engagieren. Wir werden unser Programm daher gemeinsam mit vielen Partnern von der Caritas bis zu Karmakonsum und von Carsharing-Anbietern bis hin zu Kantinen noch weiter ausdifferenzieren, um alle Milieus in ihrem jeweiligen Alltag ansprechen zu können.“ Aus Sicht der Umweltdezernentin wird das Aktivieren dabei immer wichtiger als das bloße Informieren. „Eine gute kommunale Klimaschutzagentur wird mehr und mehr zur Partnerbörse. Wir bringen die unterschiedlichen Netzwerke auf kommunaler Ebene zusammen.“

Das Forschungsprojekt

Das ISOE leitet das Projekt KlimaAlltag. Partner sind neben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Karl-Franzens-Universität Graz. In der ersten Hälfte der Projektlaufzeit führte das Forschungsteam einen Feldversuch in Köln durch, bei dem sich über 80 Haushalte dazu verpflichteten, ihren CO2-Ausstoß im Alltag zu verringern. Sie wurden dabei ein halbes Jahr lang von Klimaberaterinnen der VZ NRW beraten. Verlauf und Ergebnisse des Feldversuches wurden wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Mit einer repräsentativen Erhebung von jeweils 1000 Interviews in Frankfurt am Main und München wurden Möglichkeiten und Wirksamkeit kommunaler Klimaschutzmaßnahmen untersucht. Das Projekt, das im Dezember 2013 endet, wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Mehr unter http://www.klima-alltag.de

Pressekontakte:
Melanie Neugart
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt am Main
Tel. 069 707 6919-51
neugart@isoe.de
http://www.isoe.de
Rainer Vollweiter
Stadt Frankfurt am Main
Dezernat Umwelt und Gesundheit
Tel. 069 212-45315
rainer.vollweiter@stadt-frankfurt.de

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart | idw
Weitere Informationen:
http://www.klima-alltag.de
http://www.isoe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017
28.04.2017 | Deutsche Gesellschaft für Immunologie

nachricht Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru
28.04.2017 | InfectoGnostics - Forschungscampus Jena e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie