Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kindesmisshandlung frühzeitig entdecken

11.08.2009
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
"Mit Herausforderungen leben"
21. bis 24. Oktober 2009, ICC Berlin

Viele Kinder, die geschlagen, getreten oder auf andere Weise körperlich misshandelt werden, benötigen danach ärztliche Hilfe. Der wahre Grund der Verletzung wird beim Arztbesuch jedoch verschwiegen.

Häufige Verletzungen am Skelett sind jedoch auf dem Röntgenbild sichtbar. Wie Misshandlungen nachgewiesen und die Verletzungen für spätere Gerichtsverfahren dokumentiert werden können, ist ein Thema des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin.

Das Recht auf eine gewaltfreie Kindheit und Jugend ist in der UN-Kinderrechtskonvention festgelegt. Laut einer UNICEF-Studie werden in Deutschland jährlich trotzdem 157 000 Kinder misshandelt - und das quer durch sämtliche gesellschaftlichen Schichten. "Beim Arztbesuch werden die wirklichen Ursachen der Verletzungen dann verschwiegen", sagt Professor Dr. med. Dietmar Roesner, Direktor der Klinik Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden.

Häufig schöpfen die Ärzte einen Verdacht, weil die Verletzungen am Knochen ungewöhnlich sind. Oder die Schilderung des vermeintlichen Unfallhergangs passt nicht zu den erlittenen Knochenbrüchen. "Dann ist eine systematische Untersuchung notwendig, die sich nicht nur auf die reine Untersuchung des Körpers beschränken darf", fordert Dr. med. Astrid Bühren, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes. "Einige knöcherne Verletzungen können nämlich bei der klinischen Untersuchung übersehen werden", ergänzt Roesner.

"Nicht selten sind auf den Röntgenbildern zusätzlich ältere Verletzungen sichtbar. Denn Knochenbrüche verheilen, in Abhängigkeit vom Kindesalter, erst nach einigen Wochen", so Roesner. Am Verlauf der Knochenheilung können Experten das Alter der Verletzung gut bestimmen. Für eine Kindesmisshandlung spricht beispielsweise, wenn mehrere Knochenbrüche im unterschiedlichen Stadium der Heilung gefunden werden.

Auf ein sogenanntes "Babygramm", eine einzige Röntgenaufnahme des gesamten Körpers, wird heute auch bei kleinen Kindern verzichtet. Aussagekräftiger sind nach Auskunft von Roesner gezielte Aufnahmen. Sonst könnten Spuren der Misshandlung an den Enden der Röhrenknochen in der Nähe der Wachstumsfugen übersehen werden. Auch Brüche des Oberarm- oder des Oberschenkelknochens sind bei kleinen Kindern selten Folge eines Unfalls. Rippenbrüche im Kleinkindesalter zeigen meist an, dass ein Kind körperlich misshandelt wurde. Die häufigen Attacken gegen den Kopf sieht man am besten in der Computer- oder Kernspintomografie. Roesner: Hier werden auch typische Blutungen im Schädelinneren sichtbar, als Folgen eines Schütteltraumas. Im schlimmsten Fall kommt es zum Rückgang der Hirnmasse.

Die Diagnose wird nicht von einem Facharzt allein gestellt. Die Beurteilung erfolgt stets durch ein Gremium verschiedener Fachärzte - vom Unfallchirurgen und Kinderchirurgen bis hin zu Kinderradiologen, Rechtsmedizinern und Orthopäden "Die bildgebenden Verfahren, Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen, Computer- und Kernspintomographie, sind jedoch die wichtigsten Beweise, falls es zu einer Gerichtsverhandlung kommt", sagt Roesner. Deshalb ist besondere Sorgfalt erforderlich. Die Aufnahmen müssen höchsten Qualitätsanforderungen gerecht werden.

Verweigern können Eltern solche Untersuchungen nicht. Die Kindesmisshandlung gehört sogar zu den wenigen Fällen, in denen der Arzt seine Schweigepflicht brechen darf, wenn die zukünftige Gefahr für das Kind nicht auf anderem Wege abgewendet werden kann.

TERMINHINWEIS:

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie

Expertenrunde: Häusliche Gewalt
Mittwoch, 21. Oktober 2009, 09:00 bis 10:30 Uhr, ICC Saal 15.2
* Soziodemographische und medizinische Aspekte häuslicher Gewalt
* Der rechtsmedizinische Blick
* Der unfallchirurgische Blick
* Der kinderchirurgische Blick
* Die "Nicht akzidentielle Verletzung" des Kindes und die Aufgaben Möglichkeiten und Grenzen einer Kinderschutzgruppe
* Der interdisziplinäre Blick
* S.I.G.N.A.L.-Leifaden - ein praxistaugliches Instrument zur Intervention bei häuslicher Gewalt
Pressekontakt für Rückfragen:
Silke Jakobi
Pressestelle Deutscher Kongress für
Orthopädie und Unfallchirurgie
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel. 0711 8931 -163
Fax. 0711 8931 -167/-566
E-Mail: jakobi@medizinkommunikation.org

Silke Jakobi | idw
Weitere Informationen:
http://www.orthopaedie-unfallchirurgie.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University
18.10.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft
18.10.2017 | gbo datacomp GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik