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Juristen wollen Randnotizen und Merkzettel auch bei digitaler Akte nicht missen

14.09.2010
Die elektronische Akte soll in Gerichten und Anwaltskanzleien die Arbeitsabläufe vereinfachen und die Papierflut eindämmen helfen. Wer sich aber über Jahre durch Aktenberge gewühlt hat, will auf bestimmte Gewohnheiten nicht verzichten.

Dazu gehört bei Juristen, dass sie Akten mit Randnotizen versehen oder wichtige Seiten mit gelben Klebezetteln markieren. Ob und wie solche Arbeitsschritte heute auch elektronisch abgebildet werden können und sollen, ist eines der Themen des 19. Deutschen EDV-Gerichtstags, der vom 15. bis 17. September an der Universität des Saarlandes stattfindet.

Rund 600 Juristen und IT-Experten werden dort auch die Datensicherheit in sozialen Netzwerken und Fragen der Langzeitspeicherung nach „ersetzendem Scannen“ diskutieren.

„In Gerichten und Kanzleien gibt es genaue Vorstellungen und etablierte Abläufe für den Umgang mit Akten. Um diese Prozesse digital abzubilden, kann man keine gewöhnlichen Büro-Programme verwenden, sondern benötigt komplexere juristische Software-Systeme“, sagt Maximilian Herberger, Professor für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes, der zusammen mit seinem Team und dem Vorstand des EDV-Gerichtstages jedes Jahr diese Zusammenkunft organisiert.„Wer es gewohnt ist, mehrere Akten auf nebeneinander liegendem Papier zu vergleichen, erwartet, dies gleichfalls an einem großen Bildschirm in ähnlich zwangloser Weise tun zu können. Diskutiert wird auch, ob man es ermöglichen sollte, dass man Notizen am virtuellen Aktenrand mit einer digitalen Signatur kennzeichnen kann – und auch dies wiederum in einer für den Anwender akzeptablen Form. Derartigen Themen werden wir uns in diesem Jahr unter anderem auf dem EDV-Gerichtstag widmen“, erläutert Herberger.

Das Zauberwort dafür heiße „ergonomische elektronische Akte“ und bezeichne eine benutzerfreundliche digitale Akte, die sich an die konkreten Bedürfnisse der Juristen anpasse. Sie sollte so aufgebaut sein, dass sie von allen Beteiligten aus ganz verschiedenen Blickwinkeln sicher bearbeitet werden könne, ohne dabei selbst neue Rechtsprobleme aufzuwerfen. „Im Jura-Studium an der Universität des Saarlandes und in den Referendarskursen der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer legen wir schon heute großen Wert darauf, dass die jungen Juristen diese digitalen Rechtsverfahren frühzeitig kennen lernen“, sagt der Rechtsinformatiker.

Auf dem EDV-Gerichtstag in Saarbrücken wird es in verschiedenen Workshops aber auch um Themen wie den Datenschutz und die Vorratsdatenspeicherung gehen. Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, wird am 16. September zum Thema „Allgegenwärtige Datenverarbeitung – Herausforderung für den Datenschutz“ referieren. Außerdem wird die Europäische EDV-Akademie des Rechts (EEAR), eine vom Saarland und dem EDV-Gerichtstag gegründete gemeinnützige GmbH, über das rechtssichere Scannen und die digitale Langzeitspeicherung informieren. Diese ist nicht nur für Gerichte und Behörden von Interesse, sondern betrifft auch Krankenhäuser und Versicherungen, wenn sie etwa Patienten- oder Kundenakten auf lange Sicht elektronisch speichern.

Für das diesjährige Gastland Österreich gibt Dr. Martin Schneider, Leitender Staatsanwalt des Bundesministeriums für Justiz der Republik Österreich, einen Überblick über österreichische Projekte zum Thema „Elektronische Justiz“.

Auf einer den EDV-Gerichtstag begleitenden Firmenausstellung werden IT-Lösungen für die Justiz, spezielle Anwaltssoftware, allgemeine juristische Programme, elektronische Datenbanken, Sicherheitssoftware und Literatur vorgestellt.

Gemeinsam mit der juris GmbH verleiht der EDV-Gerichtstag auch in diesem Jahr den Dieter-Meurer-Förderpreis für eine herausragende innovative Arbeit auf dem Gebiet der Rechtsinformatik. Preisträger ist diesmal Professor Paul Ohm von der University of Colorado Law School (USA), einer der führenden Rechtsinformatiker in den USA. Er wird in Saarbrücken bei der Preisverleihung zum Thema „Daten-Anonymisierung und Re-Identifizierung“ Stellung nehmen.

Der EDV-Gerichtstag begleitet seit 19 Jahren die EDV-Entwicklungen und die Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs im Rechtswesen. Der internationale Kongress hat sich mit mehr als 600 Teilnehmern zur bundesweit größten Juristen-Tagung auf diesem Feld entwickelt.

Anfragen und Anmeldungen:
an den Deutschen EDV-Gerichtstag e.V.
Lehrstuhl Prof. Dr. Maximilian Herberger,
Universität Saarbrücken, Gebäude A 5.4,
66123 Saarbrücken, Tel. (0681) 302-5511, Fax (0681) 302-2591,
E-Mail : edvgt@jura.uni-sb.de
Internet: www.edvgt.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.edvgt.de

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