Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hörverlust ist heute kein Schicksal mehr

09.03.2011
Obwohl die Zahl der schwerhörigen Menschen zunimmt und weiter steigen wird, werden Möglichkeiten zur Verbesserung der Hörsituation nicht immer genutzt.

Dies ist eines der zentralen Themen der heute am Universitätsklinikum Jena beginnenden Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie (DGA).

“Hörverlust muss heute kein Schicksal sein“, erklärt Dr. Thomas Braunschweig, Tagungspräsident und Experte für Hörhilfsmittel an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Jena. „Die modernen Hörgeräte und Implantate ermöglichen es uns, über mehrere Stufen individuell angepasst das Hörvermögen wieder herzustellen“, so Braunschweig. Auch völlige Taubheit kann mit Hilfe eines Cochlea Implantates oder, in bestimmten Fällen, dank eines Hirnstammimplantates revidiert werden.

„Leider wissen viele zu wenig über diese Möglichkeiten und betrachten das Nachlassen oder den Verlust ihres Hörvermögens als schicksalhaft und unabänderlich“, beschreibt Prof. Dr. Patrick Zorowka, Präsident der DGA und Leiter der Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprechstörungen Innsbruck, zum Kongressauftakt die aktuelle Situation. Viele Patienten leben mit Einschränkungen, die mit geringem Aufwand beseitigt werden könnten, statt ärztliche Hilfe zu suchen. Genaue Zahlen sind dazu nicht zu ermitteln, die Audiologen gehen aber von einer großen Dunkelziffer aus. „Wir sehen nur die Patienten, die letztlich doch den Weg zu uns finden, oft durch Zufall und erst nach einer langen Zeit, in der das Schwinden der Gehörs einfach ertragen wurde“, so Zorowka.

Etwa 2500 Hörprothesen (Cochlea Implantate) werden nach Schätzungen in Deutschland im Jahr neu implantiert. “Das sind zu wenig, wenn man bedenkt, dass etwa sieben Prozent unserer alternden Bevölkerung bereits jetzt als hochgradig schwerhörig gilt“, meint Prof. Zorowka. Auch innerhalb der Ärzteschaft müsse mehr über die heute existierenden Möglichkeiten informiert werden, damit die Kollegen betroffene Patienten besser unterstützen und im Bedarfsfall an geeignete Zentren vermitteln können.

Wie diese Vorhaben künftig umgesetzt werden können, das diskutieren bis zum 12. März über 500 Audiologen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum auf der Jahrestagung in Jena unter dem Motto „Lärm und Gehör“. Da inzwischen immer häufiger auch Menschen im Erwerbsalter von lärmbedingtem Hörverlust betroffen sind, stehen dabei vor allem Strategien für die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit im Zentrum des Interesses der Hörexperten. „Wir sind in der Pflicht, den Menschen dabei zu helfen, dass sie trotz Hörschädigung weiter arbeiten können“, beschreibt Prof. Zorowka die bestehende Herausforderung. Spezielle Hörgeräte und Hörschutzsysteme sollen hier Abhilfe schaffen. Und natürlich mehr Aufklärung über die existierenden Angebote.

Doch nicht nur Unkenntnis ist der Grund für die Zurückhaltung der schwerhörigen Patienten. „In den Hörzentren erleben wir immer wieder, dass Menschen nach einem ersten erfolglosen Versuch mit einem Hörgerät aufgeben und keine Hilfe mehr erwarten“, sagt Dr. Thomas Braunschweig. Ein Umstand, den der Hörakustiker am Jenaer Cochlea-Implantat-Zentrum besonders bedauert, hält doch die breite Palette der derzeitigen Möglichkeiten für faktisch jeden etwas bereit. „Eine Hörgerätanpassung ist manchmal aufwändig und erfordert etwas Geduld“, sagt Braunschweig. „Der Lohn der Mühen ist aber nicht weniger als eine erneute Teilhabe am Leben und an unserer Umwelt“. Der Verlust des Sehens, sagte schon Kant, trennt von den Dingen, der des Hörens trennt von den Menschen. „Nicht zuletzt deshalb ist es seines unserer wichtigsten Ziele, hier mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen.“

Kontakt:
Dr. Thomas Braunschweig, Tagungspräsident
Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Jena
Tagungssekretariat: 03641/935435
Klinik Tel. 03641/935434
E-Mail: thomas.braunschweig[at]med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Audiologen Cochlea DGA Gehör Hörgerät Hörverlust Hörvermögen Implantat Ohrenheilkunde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen
24.03.2017 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Lebenswichtige Lebensmittelchemie
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise