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Herzmuskel-Entzündung: MRT zeigt das Sterberisiko

12.04.2012
Vom 11. – 14. April 2012 findet in Mannheim die 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt
Eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) kann rasch und problemlos ausheilen – oder tödlich enden. Derzeit ist die Abschätzung des individuellen Risikos anhand klinischer Parameter alles andere als sicher. Deutsche Forscher haben nun gezeigt, dass spezielle Veränderungen im MRT („späte Gadolinium-Anreicherung“) mit einem massiv erhöhten Sterbe-Risiko einhergehen. Damit kann bei Risiko-Patienten die Behandlung optimiert werden, andere brauchen sich keine Sorgen zu machen.

Mannheim, Donnerstag, 12. April 2012 – Spezielle Veränderungen in der Magnetresonanz-Tomografie dürften bei Patienten mit Herzmuskel-Entzündung („Myokarditis“) mit einem massiv erhöhten Sterbe-Risiko einhergehen. „Die ‚späte Gadolinium-Anreicherung‘ zeigt an, dass sich im Herzmuskel in Folge der Entzündung eine Narbe gebildet hat. Diese Narbe hat sich als wichtigster Hinweis („Prädiktor“) auf eine ungünstige Prognose erwiesen“, so Priv.-Doz. Dr. Heiko Mahrholdt (Abteilung für Kardiologie am Robert Bosch-Krankenhaus in Stuttgart). Innerhalb von fünf Jahren starben fast 20 Prozent der Personen, bei denen die späte Anreicherung mit dem Kontrastmittel Gadolinium eine Narbenbildung angezeigt hatte.
„Herzmuskel-Entzündungen sind gefährlich, und noch können wir nicht sicher vorhersagen, wer eine ungünstige Prognose haben wird“, so Doz. Mahrholdt. „In unserem Untersuchungs-Kollektiv ist allerdings niemand verstorben, der keine späte Gadolinium-Anreicherung gezeigt hat. Man kann also sagen, dass Myokarditis-Patienten mit unauffälliger MRT voraussichtlich eine günstige Prognose haben werden.“ Dass ist vor allem bei einem ungesicherten klinischen Verdacht auf Myokarditis bedeutsam, wenn das weitere Vorgehen unklar ist. Doz. Mahrholdt: „Wenn diese Patienten eine normale MRT haben, braucht man sich keine großen Sorgen zu machen. Das ist sowohl für den Patienten als auch für den Arzt eine Erleichterung.“

Diese Ergebnisse wurden heute auf der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) präsentiert. Von Mittwoch bis Samstag (11. bis 14. April 2012) diskutieren in Mannheim rund 7.500 Teilnehmer aus etwa 25 Ländern aktuelle Entwicklungen aus allen Bereichen der Kardiologie.

Mögliche Bedeutung für die Behandlung

In Zukunft sollen diese Ergebnisse nun in einer großen, multizentrischen Studie überprüft werden. Dann könnten sich auch therapeutische Implikationen ergeben. So wäre es denkbar, anhand der späten Gadolinium-Anreicherung die Indikation zu einer Langzeittherapie mit Beta-Blockern zu stellen. Eine Myokarditis kann von einer Vielzahl infektiöser Erreger ausgelöst werden. In Europa handelt es sich dabei in der großen Mehrzahl um Viren.

Bessere Aussagekraft als die linksventrikuläre Auswurffraktion
Im Rahmen ihrer Studie verfolgten Doz. Mahrholdt und sein Team mehr als 200 Patienten, bei denen die Diagnose einer Myokarditis mittels Gewebeprobe („Biopsie“) bestätigt worden war. Bei Einschluss in die Studie wurde zusätzlich eine MRT-Untersuchung durchgeführt. Damit unterscheidet sich die Population deutlich von jenen älterer Studien, bei denen entweder keine Biopsien vorlagen – die Diagnose also nicht gesichert war – oder die MRT zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt wurde. Mit einem durchschnittlichen follow up von 4,7 Jahren lag die Gesamtmortalität bei 19,2 Prozent die kardiale Mortalität bei 15% und die Rate an plötzlichen Herz-Todesfällen bei 9,9 Prozent. Immerhin 108 der 203 Patienten zeigten späte Kontrastmittel-Anreicherung. Das Vorhandensein einer späten Gadolinium-Anreicherung erhöhte das Sterberisiko um einen Faktor 8,4 und die kardiale Mortalität um mehr als das Zehnfache – und das unabhängig von der Pumpleistung des Herzens und der klinischen Symptomatik. „In älteren Studien wurde oft die linksventrikuläre Auswurffraktion als bester Prädiktor für das Outcome eingestuft. In unserer Arbeit erwies sich jedoch die späte Gadolinium-Anreicherung als wesentlich aussagekräftiger“, kommentiert Doz. Mahrholdt.

(1) Grün S, Schumm J, Greulich S et al. Long-term follow-up of biopsy-proven myocarditis. Predictors of mortality and incomplete recovery. J Am Coll Cardiol 2012; DOI:10.1016/j.jacc.2012.01.007

Kontakt:
Pressestelle der DGK
Achenbachstraße 43
40237 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 600692 - 51
Fax: 0211 / 600692 - 10
Prof. Dr. Eckart Fleck (Pressesprecher, Berlin)
E-Mail: fleck@dhzb.de
Christiane Limberg (Pressereferentin, Düsseldorf)
E-Mail: limberg@dgk.org

Während des Kongresses:
Kongress-Pressebüro: 0621 / 4106 – 5002
B & K Medien- und Kommunikationsberatung: 0049-(0)621-41065005; Büro Berlin 0049-(0)30-700159676

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit knapp 8000 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa.

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org/

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