Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Seniorexperten Chemie treffen sich in Braunschweig: Das menschliche Altern – ein Backprozess?

16.04.2014

Das fünfte Jahrestreffen der Seniorexperten Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet unter der Überschrift „Hightech und Spitzenforschung mitten in Deutschland“ vom 6. bis 8. Mai 2014 in Braunschweig statt.

Schwerpunktthemen der Tagung, zu der über 200 Senioren und Seniorinnen erwartet werden, sind die Ernährung und die Gesundheit. Bestens verknüpft diese beiden Themen der Lebensmittelchemiker Professor Dr. Thomas Henle von der Technischen Universität Dresden. „Das menschliche Altern – ein Backprozess?“ lautet sein Vortrag, mit dem die Tagung eröffnet wird.

Man schrieb das Jahr 1912, als der französische Biochemiker Louis-Camillle Maillard erstmals die Reaktion beschrieb, die sich beim Erhitzen von Lebensmitteln zwischen Kohlenhydraten und stickstoffhaltigen Verbindungen abspielt und die Bräunung verursacht.

Geruch, Geschmack und Aussehen von Brot beispielsweise sind abhängig von diesen chemischen Reaktionen beim Backprozess. Die Produkte der Reaktionen sind einerseits Glycotoxine, die ein potenzielles Ernährungsrisiko darstellen, andererseits werden auch positive Effekte im Körper den erhitzten und gebräunten Lebensmitteln zugeschrieben. Die Maillard-Reaktionen, so stellte man mittlerweile fest, treten auch im Organismus auf, und so untersucht man derzeit intensiv deren pathophysiologische Bedeutung, insbesondere bei Diabetes und Alterungsprozessen.

Dr. Axel Preuß, Leiter des Lebensmittel- und Veterinärinstituts Oldenburg des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, stellt in seinem Vortrag die gefühlten und tatsächlichen Risiken bei derzeitigen Lebensmitteln vor. Er kommt zu dem Schluss, dass technische oder chemische Risiken, etwa Rückstände von Pestiziden oder Tierarzneimitteln, gegenüber mikrobiologischen Risiken, etwa durch Mykotoxine bei Schimmelbefall, maßlos überschätzt werden.

Viele übertriebene Berichte in den Medien tragen dazu bei, Verbraucherinnen und Verbraucher zu verunsichern. Auch wenn die sachliche Aufklärung durch Fachwissenschaftler ein sehr schwieriges Unterfangen sei, so Preuß, sei die wissenschaftlich begründete Bewertung von vermuteten Problemen die einzige Möglichkeit, einer übertriebenen oder gar unbegründeten Verunsicherung in der Bevölkerung entgegen zu wirken.

In weiteren Vorträgen wird herausgearbeitet, worin sich Haut- und Gehirnzellen unterscheiden, was man unter Biomineralen versteht und wie die Biomineralisation abläuft, in wie weit die technische Photosynthese realisierbar und wirtschaftlich tragbar ist, ob natürliche Gashydrate künftig als Energierohstoff genutzt werden können, warum wir einige Menschen „gut riechen“ können und welche Vor- und Nachteile Süßstoffe haben.

Der Braunschweiger Chemieprofessor Dr. Henning Hopf versucht, Kreativprozesse, „zündende Funken“, in Entstehung und Verlauf anhand von Beispielen aus der Chemie zu verstehen. Ralph Thomas, der Leiter von „Volkswagen pro Ehrenamt“, zeigt an Beispielen das ehrenamtliche Engagement von VW-Seniorinnen und -Senioren auf, und der Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig, Professor Dr. Joachim Ullrich, erläutert die Metrologie im Wandel der Zeit.

Zudem werden zwei Abendvorträge angeboten: Am 6. Mai nimmt Professor Dr. Gerd Biegel vom Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte der örtlichen Technischen Universität die Zuhörer auf eine Wanderung durch das historische Braunschweig mit. Auf eine Wanderung ganz anderer Art macht Professor Dr. Ulrich Nöhle aufmerksam: „Alle wollen zurück zur Natur – nur nicht zu Fuß“ heißt das Thema seines Vortrags am 7. Mai.

Der Lebensmittelchemiker Nöhle stellt anfangs die Frage, wer in unserer Gesellschaft bestimmt, was richtig oder falsch ist, und kommt zu dem Schluss, dass die Medien, aber auch die Werbung, diesen Entscheidungsprozess maßgeblich beeinflussen. Der Verbraucher könne das durch die „Werbung á la Fachwerk-Bauernhof“ geprägte Image der Lebensmittelherstellung mit der Realität der Industrieproduktion nicht mehr zur Deckung bringen. So werde aus dem heutigen großindustriellen Normalzustand schnell ein „gefühlter Skandal“.

Damit nicht genug aus Wissenschaft und Gesellschaft: Die 18 angemeldeten Poster werden überwiegend von Mitgliedern des GDCh-Jungchemikerforums und der AG Junge LebensmittelchemikerInnen bestritten. Deren Bundessprecherin, Jasmin Bauerfeind, und der Sprecher des JCF-Regionalforums Braunschweig, Johannes Wefer, sprechen ebenso Grußworte wie die GDCh-Vizepräsidentin, Professor Dr. Barbara Albert, der SEC-Vorsitzende, Dr. Horst Altenburg, die Leiterin der Abteilung Verbraucherschutz, Tiergesundheit und Tierschutz im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Heidemarie Helmsmüller, und die Bürgermeisterin der Stadt Braunschweig, Cornelia Rohse-Paul.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Sektion Seniorexperten Chemie (SEC) mit knapp 300 Mitgliedern. Die SEC wurde als Arbeitsgemeinschaft im Oktober 2006 ins Leben gerufen und bietet allen nicht mehr im Berufsleben stehenden Chemikerinnen und Chemikern die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch. Die Mitglieder der Sektion bringen ihre Erfahrungen in verschiedene Projekte ein, etwa internationaler Austausch, Schulpatenschaften zur Stärkung des naturwissenschaftlichen Unterrichts oder Öffentlichkeitsarbeit für eine bessere Wahrnehmung der Chemie.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0
23.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?
23.04.2018 | Technische Universität Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics